Hohtürli Blüemlisalphütte

Cuorta Survista Grischun
4. September 2016
Augstbordhorn
18. September 2016
 
Blüemlisalp an em Summertag, nachdäm i ha ä Biketour gmacht ... dieser wunderschöne Tag begann am Morgen in Reichenbach, wo ich mein Binford-mobil parkte und mich auf meinem 301 in Richtung Kiental auf den Weg machte. Das Wetter hätte nicht schöner sein können, die Temperaturen angenehm frisch und ich hatte schon bald die Gemeinde Kiental erreicht. Von dort ging es weiter nach hinten ins Kiental bis zum Tschingelsee. Dieser entstand 1972, nachdem ein Murgang die Tschingelalp verschüttete und in der Folge den Gornerbach aufstaute. Durch das Geschiebe welches der Gornerbach mit sich führt, verlandete der See im Laufe der Jahre und erhielt so sein heutig spezielles Bild.
 
 
Nach dem Tschingelsee war dann fertig mit gemütlich radeln, bis zur Griesalp musste ich auf der steilsten Postautostrecke Europas in den kleinsten Gang schalten. Vorbei an mehreren Wasserfällen ging es auf der steilen Strasse nach oben. Nach etwa zwei Stunden hatte ich schliesslich die Obere Bundalp erreicht und das Bikeschleppen begann. Für die nächsten 900 Höhemeter mutierte ich mal wieder zum Muli.
 
 
Der Anfang war noch recht human, aber je weiter man nach oben kam, desto näher zusammen waren die Höhenlinien auf der Karte. Dafür entschädigte auch hier ein wunderbares Panorama, auf der einen Seite der Blick durch das Kiental bis zum Thunersee mit Niesen und auf der anderen Seite das Gspaltenhorn mit Bütlasse.
 
 
Ich war an so einem schönen Tag dort natürlich nicht alleine unterwegs, aber der einzige Biker und ich überholte sogar mit dem Bike auf dem Rücken etliche der Wanderer. Das letzte Stück führte über eine steile Treppe der Felswand entlang zum Hohtürli rauf, die Stufen waren aber zum Glück nicht sehr hoch, was das hinaufsteigen etwas erleichterte.
 
 
Das worüber ich hier schon oft berichtet habe, erwartete mich auch hier. Sobald ich das Hohtürli erreicht hatte, tat sich mir schlagartig der Blick auf eine völlig neue Landschaft mit Gletschern in unmittelbarer Nähe auf. Das Hohtürli stellt den Übergang zwischen dem Kiental und Kandersteg dar, es hat seinen Namen von einem natürliches Felsentor, welches Anfangs des 20. Jahrhunderts einstürzte.
 
 
Ich stieg noch etwas weiter auf bis zur Blüemlisalphütte und gönnte mir dort eine feine Käserösti. Der Blick von dort oben ist fantastisch, an diesem Prachtstag sah man fast unendlich weit. Direkt neben mir die Wildi Frau und das Blüemlisalpmassiv mit seinen Gletschern und ganz weit in der Ferne konnte ich sogar den Wildstrubel erkennen. Auch einen grossen Teil der Abfahrt konnte man schon von der Hütte aus erkennen, die Vorfreude stieg an.
 
 
Als ich mich um 15:30 Uhr dann endlich an die Abfahrt machte, waren die meisten Wanderer schon längst wieder auf dem Abstieg und fast nur noch Übernachtungsgäste bei der Hütte, mit welchen ich nette Gespräche hatte. Die Abfahrt startete mit ein paar Spitzkehren zwischen den Steinmännchen hindurch zum Hohtürli runter. Dann ging es in den schotterigen Abhang vom Schwarzhore rein, bis auf ein paar Stellen alles fahrbar, mein Bikerherz juchzte.
 
 
Weiter zog sich der Trail durch den langsam grüner werdenden Abhang. Jetzt schon recht flüssig fahrbar, rollte ich so vor mich hin und summte Polos Alperose, Glücksgefühle pur. Das nächste Highlight folgte in Form des Trails über die Moränenspitze vor dieser einzigartigen Kulisse. Auf der gegenüberliegende Seite fliesst der Blüemlisalpgletscher wunderschön über die Felsen und das Wasser sammelt sich unten am Talgrund im Rossbodensee.
 
 
Anschliessend wurde es dann bis zur Alp Oberbärgli wieder etwas verblockter und technischer. Ich musste immer mal wieder absteigen, Zeit um zur Blüemlisalphütte zurück zu blicken, welche schon weit oben zurück lag.
 
 
Vom Oberbärgli aus nahm ich den oberen Weg, welcher mich dem Hang entlang hoch über dem Oeschinensee durch mehrere Bacheinschnitte zum Heuberg brachte. Hier hat man wohl den besten Blick auf den Oeschinensee, welcher in einem tiefen Felskessel liegt und letztes Jahr in allen Medien war, weil er ausnahmsweise ganz zugefroren war.
 
 
Der Trailspass war aber da noch lange nicht fertig, bis runter zum Oeschinensee folgten weitere abwechslungsreiche Trails, teils recht ausgesetzt dem Steilhang entlang. Unten von See aus sah man immer noch ganz kleine und weit oben die Blüemlisalphütte, aus dieser Perspektive fast unglaublich was mit dem Bike alles befahrbar ist.
 
 
Es folgte anschliessend ein kurzes Stück auf der Strasse, bevor nochmals ein letzter Trail als Dessert nach Kandersteg runter serviert wurde. Anstatt dort die Bahn zu besteigen, nahm ich lieber noch einen kleinen Absacker in Form das Veloweges zurück nach Reichenbach. Es ging ja nur noch abwärts und das Kandertal mit seinen verstreuten Bauernhöfen und schönen Häusern lädt einem förmlich dazu ein. Ein harter aber wunderschöner Biketag ging zu Ende. Ich war dort oben ein Exot mit dem Bike, aber nicht der erste solche Spinner und normal kann ja jeder ;) Aus meiner Sicht hat sich die Bikeschlepperei allemal gelohnt, die Abfahrt war zu 80% fahrbar und die Bergkulisse einfach überwältigend. Ich hoffe der Spätsommer geht in diesem Sinne weiter, dieser Tag jedenfalls war ein Volltreffer.
 


volle Distanz: 50.32 km
Maximale Höhe: 2813 m
Minimale Höhe: 705 m
Gesamtanstieg: 2239 m
Gesamtabstieg: -2239 m

3 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Puuuh, was für Bilder, Eindrücke und Trails 🙄 Einfach hammermässig. Und ich fahre immer daran vorbei um möglichst schnell ins Wallis zu kommen. Die Tour werde ich bestimmt mal bei einem Zwischenstopp einplanen 8) Danke!

  2. Ventoux sagt:

    Hammertour in schönster Hochgebirgslandschaft, welche ich (wen wundert’s 🙂 ) bereits in frühen Jahre mehrmals gemacht habe. Ich fuhr sie jeweils, als ich noch Rennen fuhr und entsprechend zwäg war, am Mittwochnachmittag in gut vier Stunden, jedoch ohne Abstecher zur Hütte. Herrlich Deine Leidenschaft fürs Grobe, genau wie ich’s auch liebe.

    • Sven sagt:

      Hehe, an Dich hab ich noch gedacht, als ich dort oben so vor der Hütte sass, war ja quasi in deinem Heimatrevier unterwegs 😀 Lag ich also nicht so falsch mit meiner Vermutung, dass du an diesem wunderschönen Ort schon mit dem Bike warst, lange bevor ich das Biken für mich entdeckt hatte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.