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Durch die nasskalte Winterzeit fahre ich jeweils meine älteren Bikes und nutzte die freie Zeit um die neusten Pferdchen im Stall für die nächste Saison fit zu machen, so auch diesen Winter. Neben einer gründlichen Reinigung und den üblichen Arbeiten, war bei der SID-Gabel des Razorblade ein grosser Service fällig. Bisher hatte ich diese Arbeiten an Gabel und Dämpfer immer vom Fachmann ausführen lassen, diesmal wollte ich es aber einmal selbst versuchen. So schwer kann dies ja nicht sein dachte ich mir, da sämtliche Informationen dazu im Netz verfügbar sind. Also habe ich mir ein paar Videos angeschaut, das Servicemanual von Rock-Shox ausgedruckt und die benötigten Ersatzteile und Werkzeuge bestellt. Da es im Winter in der Garage ungemütlich kühl ist, habe ich mich dafür im Wohnzimmer eingerichtet. Sauberes Arbeiten ist bei solchen Sachen eh schon die halbe Miete und erleichtert das spätere Zusammenbauen insgemein.

Das auseinanderbauen der Gabel verlief erstaunlich einfach und nach der Reinigung hatte ich alle Einzelteile schon aufgereiht auf dem Tisch liegen. Beim grossen Service werden nicht nur die Schaumstoffringe und Staubabstreiferdichtungen ersetzt, sondern auch die komplette Luftfeder- und Dämpfereinheit ausgebaut um sämtliche Dichtungen und Gleitringe zu ersetzen. Nachdem ich alles schön mit der guten SRAM-Butter eingeschmiert hatte, ging es wieder an den Zusammenbau. Auch dieser schaut in den Videos recht einfach aus, ist er auch, wenn man den Dreh mal raus hat, wie man wo genau drücke und drehen muss, damit die Teile in die Standrohre flutschen. Schlussendlich noch mit der richtigen Menge Öl befüllt, den Druckstufendämpfer und die Abdeckkappe mit den Tokens wieder montiert und die Gabelbeine über die Standrohre geschoben.
 
 
Mit dem zusätzlichen Token habe ich jetzt insgesamt drei Stück verbaut, da ich auch hier das Problem hatte, dass mir die Gabel sonst bei niedrigem Luftdruck durchschlägt und bei höherem Luftdruck nicht mehr sensibel genug anspricht. Bis hierher verlief alles reibungslos, bis ich mit der Dämpferpumpe die Positivkammer unter Druck setzte. Die Gabel gab leider nicht mehr den gesamten Federweg frei und bliebt bei etwa 15% SAG stehen. In der Annahme dass ich beim Zusammenbau wohl etwas falsch gemacht hatte, zog ich die Gabelbeine wieder ab und baute auch die Luftfedereinheit nochmals aus. Nach dem erneuten Zusammenbauen bestand das Problem aber immer noch. Auf die Lösung stiess ich dann in einem Thread bei MTB-news, wo beschrieben war, wie man die Negativkammer entlüftet. Leider steht im ganzen Manual von Rock-Shox nirgends, dass es dafür unten im Airshaft ein kleines Ventil gibt. Mit einem Zischen entwich die überschüssige Luft und das Problem war behoben. Jetzt flutscht die Gabel wieder wie neu und mein Razorblade ist bereit für den Frühling.

Für mein Liteville hatte ich noch einen Gratisservice bei der Radbar zugute, welchen ich gerne in Anspruch nahm. Die Jungs haben wie immer super Arbeit geleistet. Eine neue Kette, neues Kettenblatt und mein 301 sah beim Abholen fast wieder wie neu aus. Ausserdem kriegte ich von SRAM noch ein neues Schaltwerk spendiert, da sich beim alten immer wieder der Bolzen löste und ich ihn alle paar Monate mit Loctite einkleben musste. Ein bekanntes Problem bei den X01-Schaltwerken dieser Generation, welches aber nicht bei allen Rahmen resp. Schaltaugen gleich häufig auftrat.
 
 
Die Pike-Gabel am Liteville war ja erst knapp eine Saison im Einsatz, von dem her reichte da ein kleiner Service und ich habe lediglich die Schaumstoffringe und Staubabstreiferdichtungen ersetzt. Dafür habe ich sie mit einem AWK-System aufgerüstet, was die Abkürzung für Ausweichkammer ist. Bisher hatte ich in der Positivkammer der Pike drei Token verbaut, so dass ich sie mit knapp 40Psi fahren konnte ohne dass sie durchschlug. Der Nachteil davon war eine relativ starke Endprogression, sprich die Gabel verhärtete gegen den Schluss. Hier soll die AWK Abhilfe schaffen, da die Gabel damit quasi zwei Positivkammern mit unterschiedlichen Luftdrücken besitzt. Der Luftdruck in der Ausweichkammer ist dabei etwa doppelt so hoch wie der Druck in der Hauptkammer.
 


 
Beginnt die Gabel einzufedern, wird zuerst die Luft in der Hauptkammer komprimiert. Die Gabel spricht gewohnt fein an und die Ausweichkammer verhält sich wie ein Token. Wenn die Gabel weiter einfedert, steigt der Druck in der Hauptkammer an, bis er den Druck der Ausweichkammer erreicht hat. Jetzt beginnt der AWK-Kolben nach oben zu wandern, die Progression flacht ab und der restliche Federweg wird linearer genutzt. Der Einbau war mit der detaillierten Anleitung total einfach und in einer guten Viertelstunde erledigt. Ich bin gespannt wie sich das Ganze in der Praxis verhält und freue mich schon aufs experimentieren mit den Luftdrücken. Entwickelt hat das System Chickadeehill von MTB-news und es wird mittlerweile vom Fahrrad-Fahrwerk vertrieben, da die Nachfrage seine Kapazitäten überstieg.

Ausserdem habe ich für die neue Saison noch etwas in schwarzes Gold investiert. Bisher war ich ja einzig auf dem Razorblade Hardtail noch auf Schwalbe-Reifen unterwegs. Dies gehört jetzt der Vergangenheit an, ich zog auch da Maxxis auf. Hinten probiere auch einmal einen Ikon aus und vorne habe ich mich für den Ardent-Race entschieden, bin gespannt wie sich die (minimal schwerere) Kombination fährt.
 
 
Auf meinen AM-Bikes hat sich in den letzten Jahren der Ardent hinten und der Highroller II am Vorderrad bewährt. Nichtsdestotrotz, möchte ich auch da wieder einmal etwas Neues ausprobieren und habe mir für das Liteville zwei Minions bestellt. Den Minion DH-Front in der MaxxPro-Mischung für das Hinterrad und für vorne den DH-Rear II in MaxxTerra. Diese Kombination sieht man im alpinen Einsatzgebiet recht oft und macht auch Sinn, wenn ich mir das Profil so anschaue.
 

3 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Ganz toll. So ein Service von Gabel und Federbein würde bei mir auch anstehen. Bis jetzt habe ich mich jedoch nicht daran gewagt, obwohl es in den Videos immer sehr einfach ausschaut. Ich müsste mir mal etwas Musse und Zeit dazu gönnen ? Zuerst erfolgt aber der restliche Service am 301 ?

    • Sven sagt:

      Zeit ist das Stichwort, davon sollte man sich beim ersten Mal genug nehmen, die Musse kommt dann von allein und es macht sogar Spass. Bei der Pike ist der grosse Service etwas aufwändiger, vor allem was die Dämpfereinheit und deren Entlüftung anbelangt. An das Federbein habe ich mich bisher auch noch nicht ran gewagt, aber auch dies sollte machbar sein. Zum Glück ist dieses beim 301 nicht gerade in der Dreckflugbahn verbaut und ich werde mich darum erst nächsten Winter einmal daran versuchen. Wenn man den Service nicht selbst machen möchte, kann ich FlowControl in Spiez empfehlen.

  2. blackCoffee sagt:

    Hi Sven, danke für den Bericht. Ich habe mich auch noch nicht an die Gabeln gewagt (nur die Sattelstütze habe ich gewartet)…..Ich könnte mal meine bessere Hälfte fragen, ob ich den Gabelservice auch in der Wohnstube machen soll 😉
    Apropos schwarzes Gold: Die neuen Finken sind bestellt und unterwegs 😉

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