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Mein einziger Bündnerland-Trip dieses Jahr, führte mich im August an den äussersten Zipfel der Schweiz ins Val Müstair. Ich war zum ersten Mal dort und habe dieses grüne naturverbundene Tal sofort in mein Herz geschlossen, eine kleine heile Welt die dort hinter dem Ofenpass liegt. Im Hotel Helvetia in Müstair wurde ich von der Familie Grond und ihrem Team rundum verwöhnt. Das Hotel ist seit vier Generationen in Familienhand und das spürt man, die Gronds sind Gastgeber mit Leib und Seele. Das Hotel wurde vor ein paar Jahren frisch renoviert, dabei wurde die alte Bausubstanz mit viel Holz zu einem heimeligen Ganzen verschmolzen, sogar die Kopfkissen sind mit wunderbar duftendem Arvenholz gefüllt. Auch kulinarisch kam ich voll und ganz auf meine Kosten, die Küche überraschte jeden Abend mit einem exquisiten 5-Gangmenü, wobei wenn immer möglich auf regionale Produkte aus der Biosfera gesetzt wird. Ich kann das Hotel Helvetia jedem Gourmetbiker nur empfehlen und werde bei meinem nächsten Besuch im Val Müstair sicher wieder dort einchecken.
 
 
Der erste Biketag startet mit einem feinen Frühstück, wo ich Milchbubi voll und ganz auf meine Kosten komme. Die Milch am Frühstücksbuffet hat ihren Namen noch verdient, gehaltvoll und fett schmeckt man die müstairischen Alpwiesen förmlich heraus. Voller Vorfreude schwinge ich mich anschliessend auf mein Bike und mache mich auf den Weg zur Alp Terza. Ich liebe dies, wenn ich das erste Mal in einer unbekannten Gegend unterwegs bin, man weiss nie was einem erwartet und es gibt jede Menge neues zu entdecken. Endlich wieder Sonne und Wärme, wie habe ich das vermisst in den letzten Tagen. Die Alpstrasse führt bei konstant angenehmer Steigung durch den Wald nach oben und bei den lichten Kehren kann ich immer mal wieder einen Blick über die Grenze ins nahe Vinschgau erhaschen.
 
 
Nach den ersten 800 Höhenmetern ist die Alpstrasse zu Ende und ich muss das letzte Stück Weg bis zur Alp Terza suchen. Diese liegt hoch über dem Val Müstair mit einem wunderbaren Tiefblick auf Santa Maria, ich lege eine kurze Pause ein und stärke mich mit einem Riegel. Ab jetzt geht es zu Fuss weiter, ich schultere das Bike und mache mich auf den schmalen Weg zum Piz Terza. Anfangs noch gut erkennbar, führt dieser über karge Alpwiesen nach oben und verliert sich immer wieder. Dank den rot-weissen Markierungen finde ich aber immer wieder auf den richtigen Pfad zurück.
 
 
Ich bin hier ganz alleine unterwegs und treffe nur auf ein paar Kühe mit ihren Kälbchen, welche diesem komischen Typen mit dem Bike auf dem Rücken erstaunt nachgucken. Während ich den weiteren Weg suche, halte ich immer wieder Ausschau nach Schaibiettas, werde aber leider nicht fündig. Diese wurden sicher schon alle von den fetten Munggen gefressen, zum Glück gibt es im Hotel jeweils welche als Bettmümpfeli. Später erreiche ich einen kleinen Vorgipfel mit Kreuz, der Weg ist jetzt wieder gut erkennbar, es wird kurzzeitig flacher und die Umgebung endlich steiniger.
 
 
Von hier aus ist es nicht mehr weit bis auf den Gipfel, nochmals ein letztes steiles Stück und ich stehe auf dem Piz Terza, welcher genau auf der Grenze zu Italien liegt. Der Gipfel selbst ist recht flach und es weht ein zünftiger Wind, ich ziehe etwas an, mache meinen Eintrag ins Gipfelbuch und geniesse die imposante Rundumsicht.
 
 
Beim Blick gegen Süden sticht einem sofort die weiss verschneite Ortlergruppe ins Auge, welche vom König-Ortler dominiert wird. Auf der Gebirgskette davor sehe ich weitere Ziele wie den Piz Chavalatsch, den Lai da Rims und hinter dem Gipfelkreuz versteckt sich der Grosse am Eingang des Tales. Tief unten als satter Kontrast erstreckt sich das saftig grüne Val Müstair, welches sich gegen das Vinschgau hin öffnet.
 
 
Gegen Norden blicke ich auf den Piz Starlex und den dahinterliegenden Piz Murtera. Davor erstreckt sich ein flaches Hochtal namens Costainas, durch welches ich später abfahren werde. Costainas ist die Rätoromanische Bezeichnung für Steilhänge und man findet diese hier öfters auf den Landkarten. Weiter hinten links entdecke ich noch den Piz Sesvenna, dessen Pass ich letztes Jahr von Scoul aus überquert habe. Von hier oben habe ich auch einen wunderbaren Blick auf den oberen Teil des Val S-Charl, wo ich heute nach der Abfahrt landen werde.
 
 
Nach dem Essen plaudere ich noch etwas mit einem einheimischen Pärchen, welches mit dem grossen Teleobjektiv auf Pirsch ist. Sie hoffen einen Bartgeier zu erwischen, leider ist aber keines dieser seltenen Tiere in Sicht und ich mache mich langsam an die Abfahrt. Bis zur Fuorcla Sassalba hinunter ist diese ganz nach meinem Geschmack. Nach dem Gipfel zuerst ein kurzes Steilstück, gefolgt von einem flacheren Teil, bevor es bis zur Fuorcla runter über Stock und Stein anspruchsvoller wird.
 
 
Langsam fahre ich fast im Schritttempo über den losen Untergrund und die Absätze nach unten. Dort treffe ich auf zwei kleine Bergseechen, von welchen vor allem das obere traumhaft schön ist und zum Verweilen einlädt. Dunkle Steine umfassen den See und die Wolken spiegeln sich in der fast schon schwarzen Wasseroberfläche, eine wunderbare Szenerie mit den Gipfeln im Hintergrund.
 
 
Jetzt geht es runter in das einsame Costainas-Hochtal, welches auf der Gegenseite von den Flanken des Piz Starlex und Murtera begrenzt wird. Der Weg sieht von oben einfacher aus als er ist, vor allem im oberen Teil erwartet mich ein kleiner Rockgarden. Untenrum werden die Steine dann langsam weniger, bieten aber immer noch jede Menge Möglichkeiten, um bei langsamer Fahrt mit dem Vorderrad einzuhängen. Diese Möglichkeiten bleiben natürlich nicht ungenutzt und es haut auch mich einmal hin, zum Glück ohne Blessuren.
 
 
Bis hierher war die Abfahrt schon mal super und auch von der unberührten Landschaft bin ich begeistert. Von oben blicke ich jetzt in das Val S-Charl und auf die bekannte Bikeroute über den Pass da Costainas. Ein Teil des folgenden Weges ist für mich nicht ganz fahrbar, zu viele grosse Steine und enge Stellen, ich habe mir oben das Schaltwerk schon genug zerschrammt.
 
 
Schliesslich stehe ich auf dem Pass da Costainas, hier ist es vorbei mit der Abgeschiedenheit und ich treffe auf die ersten Biker an diesem Tag. Weiter geht es auf einer breiten Alpstrasse, ist aber halb so schlimm, etwas Erholung tut gut nach den doch recht anspruchsvollen Trails.
 
 
Bei der Bergwirtschaft auf der Alp Champatsch biege ich rechts ab und erarbeite mir nochmals ein paar Höhemeter bis zum Lai da Juata, definitiv die letzten für heute, von jetzt an geht es nur noch abwärts. Zuerst bin ich etwas enttäuscht, die Abfahrt startet auf einem breiten Weg. Die Enttäuschung weicht aber schon bald Begeisterung, als es in den Wald rein geht. Ein schmaler Wegstrich führt durch das steile verwilderte Bord über unzählige Spitzkehren nach unten. Dabei kann ich zwischen den Bäumen immer mal wieder einen Blick auf das grosse Ziel der nächsten Tage erhaschen. Bei Tschierv erreiche ich wieder den grünen Talboden und nehme den offiziellen Bikeweg zurück nach Müstair, wo ich die Tour bei einem feinen Biosfera Weizen ausklingen lasse. Auf dem Piz Terza war ich sicher nicht das letzte Mal, es warten da noch andere Abfahrtsmöglichkeiten darauf entdeckt zu werden.
 


volle Distanz: 37.01 km
Maximale Höhe: 2888 m
Minimale Höhe: 1255 m
Gesamtanstieg: 1840 m
Gesamtabstieg: -1840 m

3 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Super, sieht mega aus … und ich habe es dieses Jahr wieder nicht in diese Gegend geschafft 😢

  2. blackCoffee sagt:

    Super Tour!
    Frage: Könnte man von F. Sasselba auch zur Alp Tabladatsch runter? Von dort gibt es nämlich einen schönen Trail (über 2169->2079->2050) runter nach Müstair…

    • Sven sagt:

      Ja, dies ist eine der Abfahrtsvarianten die ich ein anderes Mal noch ausprobieren möchte. Von der Fuorcla Sassalba bis P.2388 ist der Weg auf der Singletrailmap schwarz gestrichelt eingezeichnet und danach rot.

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