Lac Blanc et Noir

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Es scheint sich langsam zur Tradition zu mausern, dass Thomas und ich jeweils im Mai mit unseren Bikes in die Vogesen pilgern. Böse Zungen behaupten es seien nur die Fermes Auberges, welche uns mit ihren kulinarischen Köstlichkeiten über die Grenze locken, aber die Trails können sich in dieser Gegend definitiv auch sehen lassen. Diesmal war er mit Beat schon vor Ort und wir starteten im wunderschönen Kaysersberg, welches mit seinen unzähligen Fachwerkhäusern den typischen Elsässer Charme versprüht.
 
 
Nachdem wir die Altstadt verlassen hatten, war bis Lapoutroie erst einmal gemütliches Einrollen angesagt, bevor es richtig aufwärts ging. Für die nächsten 400 Höhenmeter führte der Weg in der Sonne konstant steil nach oben und ich musste kräftig Kniegas geben, da ich im Gegensatz zu meinen beiden Kollegen keine Ampere-Käferchen zur Unterstützung hatte.
 
 
Die Erholung erfolgte sogleich in Form des kühlen Waldes, worin der weitere Aufstieg bis zum Col du Calvaire verlief. Vorbei an einem idyllischer Tümpel, verlief der Weg durch den herrlich duftenden Wald und wir kamen gut voran. Oben auf dem Col du Calvaire trafen wir dann auf lauter Fullface-Vermummte in ihren farbigen Pyjamas, wir waren mitten im Bikeparkgetümmel von Lac Blanc.
 
 
Bis runter zum Lac Blanc nahmen Thomas und Beat die Strasse, mich schickten sie zwecks Rekognoszierung über den Wanderweg nach unten. Das erste Stückchen war noch fahrbar, aber auf dem weiteren Weg lagen einfach zu viele grosse Steine. Ich schwang mein 301 mit einem Lächeln auf die Schultern und war froh daran keinen schweren Akku zu haben. Unten bei der Staumauer traf ich dann wieder auf die beiden, welche schon in der Auberge bei Kaffee und Panaché sassen.
 
 
Nach einem kurzen Stück auf der Strasse, ging es unterhalb des Lac Blanc wieder in den Wald rein und der anschliessende Wanderweg zum Lac Noir war ganz nach meinem Geschmack. Dieses technischste Wegstück das Tages war recht verblockt und mit unzähligen Wurzeln gespickt, welche es mit dem Bike zu überwinden galt.
 
 
Der weitere Weg bis zum Col du Wettstein war dann wieder einfacher zu fahren und führte uns durch lichte Waldstücke und über Wiesen, fast ein bisschen wie bei uns daheim im Jura. Auf der rechten Seite hatten wir freien Blick auf den Hohneck, mit 1363müM der dritthöchste Gipfel der Vogesen.
 
 
Uns knurrte schon langsam der Magen und wir waren froh, als wir bald darauf die Ferme Auberge Glasborn erreichten. Wir stellten unsere Bikes zu den anderen und entschieden uns für die Petite-Variante des angebotenen Menüs. Nach einer Bauernsuppe wurde eine grosse Platte mit Roigabrageldi (der elsässischen Variante der Bratkartoffeln) und geräucherten Schweinefleisch gereicht, genau das richtige um den Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Als Dessert gab es einen feinen Münsterkäse aus der Region.
 
 
Nach der ausgiebigen Mittagspause war der anschliessende Anstieg ohne Motor umso härter. Dieser war aber zum Glück nicht allzu lang und ging schon bald in Abwärtsspass über. Zwischen flechtenbewachsenen Nadelbäumen und Moosteppichen hindurch konnten wir es in Richtung Col du Linge laufen lassen, wo wir dann plötzlich vor dem Soldatenfriedhof Hohrod standen. Die Gegend war im 1. Weltkrieg hart umkämpft und es liegen dort 2460 deutsche Kriegsgefallene begraben.
 
 
Jetzt ging der Spass erst so richtig los, Flowtrails von feinsten. Hier ein natürlicher Anlieger und dort ein kleiner Sprung, wir liessen es richtig fliegen und waren ganz in unserem Element. Der Flow wurde nur kurz durch ein paar Reiter unterbrochen, welche ihre Pferde alles andere als unter Kontrolle hatten, obwohl wir weit vor ihnen abstiegen und unsere Bikes ruhig vorbeischoben.
 
 
Fast endlos reihte sich Weg an Weg den Berg hinunter, bis wir kurz vor Les Trois-Epis mit einem breiten Grinsen wieder auf die Strasse kamen. Der Luftkurort hatte anscheinend schon besser Zeiten gesehen, viele der einst stattlichen Gebäude schauen unbewohnt aus und verfallen. Noch ein paar letzte knackige Serpentinen aufwärts und wir wähnten uns unter dem Monument du Galz fast in Rio, auf dem Aussichtsturm thront eine riesige Jesusstatue.
 
 
Die Aussicht von dort oben auf Colmar und die umliegende Oberrheinebene ist super, man sieht fast unendlich weit. Auf der gegenüberliegenden Seite erblickten wir die Hochspannungsmasten beim Lac Blanc, wo wir ein paar Stunden zuvor nach waren. Wir konnten quasi unsere ganze zurückgelegte Tour auf einen Blick sehen.
 
 
Die Tour war hier aber noch nicht zu Ende, bis runter zu den Rebbergen von Ammerschwihr folgten noch ein paar Trails durch den Wald, welche den Puls nochmals nach oben trieben. Hier konnte ich die neue Bereifung einmal auf Herz und Nieren testen, welche sich auch im Grenzbereich als noch gut kontrollierbar herausstellte. Nach Kaysersberg zurück rollten wir dann gemütlich auf der Hauptstrasse und liessen dort den Tag in der Altstadt bei einem kühlen Blonden und Elsässer Flammekueche ausklingen.
 
 
Savoir vivre, es war ein rundum gelungener Tag mit euch Jungs, von mir aus können wir diese Tradition gerne so fortführen.
 


volle Distanz: 47.73 km
Maximale Höhe: 1151 m
Minimale Höhe: 256 m
Gesamtanstieg: 1341 m
Gesamtabstieg: -1329 m

3 Kommentare

  1. blackCoffee sagt:

    Das sieht ja richtig „gluschtig“ aus (sowohl kulinarisch, wie biketechnisch..)….Hoffe ich schaffe es auch mal (mit dem Bike) in diese Gegend….;-)

  2. ROTSCHER sagt:

    Ja, die Vogesen müssen toll sein ….. kann man lesen. Für mich völlig unbekannt ….. bis jetzt 😉

  3. Vielen Dank für den Artikel und die schönen Bilder.

    Auf dem Bild vom Lac Noir fehlt schon das Pumpspeicherwerk, das früher als es noch vorhanden war, das Wasser in den Lac Blanc gepumpt hat. Dadurch konnte man schon damals überschüssige elektrische Energie elegant speichern. Man hat nun das Ganze in die Röhre zwischen beiden Seen verlegt. Der Wasserspiegel kann sich aber trotzdem in beiden Seen rasant ändern, baden ist deshalb nicht erlaubt. Das Speicherwerk diente auch als Kulisse für einen Krimi mit Catherine Deneuve.

    Übrigens der Weltmeister im VTT fahren, also querfeldein mit dem Rad, kommt oft aus den Vogesen. Es ist meist Julien Absalon.

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