Doppio Cima della Trosa

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Den Cima della Trosa hatte ich vor drei Jahren schon einmal bestiegen, damals war der Gipfel leider in Wolken gehüllt. Mit der Hoffnung auf bessere Sicht nahm ich ihn in diesem Tessinurlaub erneut in Angriff. Der Aufstieg verlief nicht mehr ganz so locker flockig, die Höhenmeter der letzten beiden Tage haben etwas ihre Spuren hinterlassen und ich legte in Monte Brè eine kleine Pause ein. Nach der bekannt-geliebten Schlussschiebestrecke stand ich dann auf dem Cimetta und blickte zum Gipfel des Cima della Trosa rauf, über welchen schon wieder Wolken zogen. Ich machte mich trotzdem auf den Weg, schulterte das Bike und bewältigte die letzten paar Höhenmeter.
 
 
Auf dem Gipfel stellte ich mir mit den anderen Wanderern zusammen das Panorama vor und futterte mein Sandwich. Die Sonne blinzelte zwar immer mal wieder kurz hindurch, aber die Wolken- und Nebelfetzen hielten sich hartnäckig im Gipfel fest und waberten über den Sattel zwischen Cima della Trosa und Madone. Ich habe gehört, dass ein paar Verrückte ihre Bikes auch schon dort rauf zum Madone getragen haben.
 
 
Aus dem Eintrag ins Gipfelbuch wurde leider auch nichts, da ich anstatt des Buches nur Abfall im Metallbehälter vorfand, also rauf aufs Bike und rein in die Abfahrt. Diese wusste dafür zu begeistern, wie schon von oben zu erahnen. Einfach genial wie sich der Weg bis zur Alpe di Bietri den Hang hinunter windet. Ich hatte diesen Abschnitt vom letzten Mal her schwieriger in Erinnerung und konnte ihn diesmal erstaunlich zügig befahren, yeah.
 
 
Bei der Alpe di Bietri hielt ich mich an die linke Seite des Valle di Mergoscia. Ein Glücksgriff dieser Trail, urtümlicher könnte das Tessin nicht sein. Dem Hang des Madone entlang wechselten sich Steinstufen und andere technische Stellen ab. Eine raue Sache, eingefasst in schönste Gelbtöne und immer mal wieder durch kleine Bächlein unterbrochen, das Beste was ich in dieser Woche bisher gefahren bin und viel besser als mit mehr Tempo auf der Originalroute durch den Wald zu fahren.
 
 
Mit Faedo und Bresciadiga passierte ich ein paar mehr oder weniger bewirtschaftete Alpsiedlungen mit typischen Gebäuden aus Stein, das Tessin wie aus dem Bilderbuch. Bei Campigliai hatte ich dann die Wahl, entweder abwärts in Richtung Mergoscia oder leicht aufwärts, um über Fossei und Monti di Cortoi weiter ins Verzascatal vorzudringen. Ich entschied mich für die zweite Variante und verschwand schon bald im Wald. Der Trailspass ging weiter bis zum Campo Cortoi, einem Weiler mit wunderschön restaurierten Steinhäusern welche für Ferienlager gemietete werden können. Ich musste dabei gerade an meine Schulzeit zurückdenken, wo wir auch einmal im Tessin auf so einer Alp waren um Bäumchen zu pflanzen.
 
 
Etwas weiter unten und ein paar Treppenstufen später hatte ich erstmals freien Blick auf den Lago Vogorno und bog links ab um diesen zu umrunden. Vorbei an halbverfallenen Rusticos ging es durch den Wald. Noch mehr Stufen, es waren mittlerweile gefühlte tausende an diesem Tag, dieser Weg forderte nochmals alles. Ich war langsam am Ende mit meinen Kräften, diese Ticinotrails haben mich gekillt, aber einfach der traumhaft schön diese ganze Abfahrt.
 
 
Der Weg hoch über dem Stausee ist nicht durchgehend fahrbar, zerrte aber trotzdem an den Kräften und zog sich nochmals ziemlich in die Länge. Das Verzascatal ist dort extrem rau und steil, ich staunte selbst am Ende des Tages, was ich alles versuchte zu fahren. Hier im Tessin kann man super Fahrpraxis sammeln.
 
 
Bei der Steinbrücke von Corippo tauchte ich dann wieder in die Zivilisation ein und war fix und fertig, meine Arme fühlten sich an wie Pudding. Darum rollte ich dann auch auf der Strasse wieder aus dem Verzascatal raus und war froh dass es nur noch abwärts ging, ich hörte schon zu Hause den Pool meinen Namen rufen. Eine super Tour abseits des Mainstreams, auch wenn nicht alles fahrbar war. Ich würde sie jederzeit wieder so fahren.
 


volle Distanz: 43.67 km
Maximale Höhe: 1848 m
Minimale Höhe: 197 m
Gesamtanstieg: 1840 m
Gesamtabstieg: -1830 m
 
Die Tour vom vierten Tag zum Cima di Dentro überspring ich hier einfach mal, da nicht wirklich zu empfehlen und das Wetter auch eher bescheiden war. Darum direkt weiter mit dem Donnerstag, wo ich eigentlich nur eine lockere Abfahrt vom Cimetta machen wollte. Nach dem Ausschlafen radelte ich gemütlich nach Orselina zur Seilbahnstation, wo ich mir ausnahmsweise einmal die Höhenmeter erkaufte. So war ich schon um 11:30 auf dem Cimetta, wo die Bewölkung ja länger desto mehr auflockerte. Hoch über der Wolkendecke konnte ich in der Ferne das Ziel des nächsten Tages erkennen, die Vorfreude wuchs.
 
 
Auf der Aussichtsplattform plauderte ich etwas mit einem Exiltessiner auf Heimaturlaub und dann war doch plötzlich der Cima della Trosa fast wolkenfrei. Da konnte ich natürlich nicht wiederstehen und änderte meine Pläne. Kurzum das Bike geschulter und es in dieser Woche zum zweiten Mal auf den Gipfel getragen. Oben kamen und ginge die Wolken, es war aber trotzdem wohl die beste Aussicht die ich dort jemals hatte.
 
 
Da ich den Weg bis zur Alpe di Bietri vom Dienstag her noch in bester Erinnerung hatte, konnte ich den genialen Trail dieses Mal noch etwas zügiger rocken. Bei der Alpe di Bietri hielt ich mich dann diesmal rechts und konnte beim Blick nach links schön sehen, wo ich zwei Tage zuvor auf der anderen Talseite entlanggefahren bin.
 
 
Nach einem kurzen Stück durch den Wald erreichte ich die Bassa di Bietri, diese stellt den Übergang vom Valle di Mergoscia zum Val Resia dar. Ich tauchte in ein grünes Meer aus Farnen ein und kurvte mit Blick auf Tenero den Hang hinunter.
 
 
Die Originalroute würde bei Pianca jetzt runter nach Fontai führen, ich hielt mich aber links und der Trail wurde für Tessiner Verhältnisse schon fast flowig. Die Höhe haltend surfte ich durch den lichten Wald bis nach Monti di Lego. Dort stehen hoch über dem Lago di Maggiore auf einer Lichtung ein paar Steinhäuser und ein Kirchlein. Da an dem Tag Fronleichnam war, hatte es dort viele Leute und auch ich hätte im Grotto gerne etwas Kühles getrunken, aber die dunklen Wolken und das (noch) weit entfernte Donnern liessen mich weiter fahren.
 
 
Erneut führte der Wanderweg bei Al Passo in den Wald. Diesmal aber wieder einiges anspruchsvoller, führte der Weg durch den Steilhang ins Valle di Mergoscia runter. Teilweise noch etwas feucht, waren die Steine und Wurzeln recht tricky zu befahren, nochmals Ticino pur.
 
 
Nach dem überqueren des Baches ging es auf der anderen Talseite anschliessend wieder aufwärts, wenig fahrbar, aber dafür an traumhaft schönen kleinen Wasserfällen vorbei. Es herrschte ein angenehm kühles Klima an diesem heissen Tag dort unten im Valle di Mergoscia. Schon bald darauf erreichte ich Mergoscia, eine wunderschön urtümliche Tessiner Ortschaft hoch über dem Lago Vogorno.
 
 
Zurück nach Locarno fuhr ich mangels Alternativen auf der wenig befahrenen Strasse, der Wanderweg verläuft dort auf der alten Strasse um den Tunnel rum. Wurde doch noch eine schöne Tour, für dass ich nur mal schnell auf den Cimetta wollte. Jetzt bin ich glaub bald alle Abfahrtsvarianten von Cima della Trosa gefahren, wobei die vom Dienstag nach Corippo definitiv die beste war.
 


volle Distanz: 21.42 km
Maximale Höhe: 1841 m
Minimale Höhe: 197 m
Gesamtanstieg: 291 m
Gesamtabstieg: -1719 m

1 Kommentar

  1. ROTSCHER sagt:

    Der Gipfel hat definitiv den Weg auf meine ToDo Liste gefunden. Die Bilder und Beschreibungen versetzen mich gleich ins Tessin. Ich kann es kaum erwarten. Aber das wird noch etwas dauern, jetzt sind die grossen Berge an der Reihe 😉

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