Giorno della Capanne

Nix klaro am Claro
24. Juni 2019
Glück und Pech
6. Juli 2019
 
Vor der Abreise ins Tessin habe ich mich bei meinem Lieblingsreiseleiter von Ibex-Tours mit Tourentipps eingedeckt, eine solche nehmen wir heute unter die Räder. Am zweiten Tag ist die Liteville-Gang unter sich, Ändu legt nach der gestrigen Bodenprobe einen Ruhetag ein und frönt dem Dolce-Vita am Lago. Die drei verbliebenen Ritter der Alurösser treffen sich unten in der Magadinoebene und machen sich sogleich an den Aufstieg. Heute gibt’s keine Seilbahnunterstützung und der Schweiss fliesst schon bald in Strömen, die südseitigen Hänge sind da unerbittlich wenn die Morgensonne runter brennt. Zum Glück folgen immer wieder etwas schattigere Passagen im Wald und wir gewinnen stetig an Höhe. Nach den ersten 800 Höhenmeter ist die Strasse zu Ende und damit auch der fahrbare Teil, wir montieren unsere Peakrider und setzen den Weg zu Fuss fort. Rotscher entdeckt plötzlich eine Alternative zum schweisstreibenden Aufstieg, diese hat der Reiseleiter natürlich wieder mal verschwiegen.
 
 
Durch den Wald geht es weiter aufwärts bis wir eine Lichtung erreichen, auf einem Plateau thront hier hoch über der Magadinoebene die Alpe mit der schönen Selbstversorgerhütte. Wir verlieben uns sofort in dieses herrliche Plätzchen, die Ruhe hier oben gepaart mit dem Blick über den Lago di Maggiore bis zum Monte Rosa Massiv hinüber ist traumhaft. Die Hütte ist vorgemerkt für weitere Abenteuer, hier würden wir gerne mal übernachten.
 
 
Nach einer kurzen Pause reissen wir uns von diesem herrlichen Plätzchen los, denn wir haben noch ein paar Höhenmeter vor uns. Der Wald wird immer lichter und der Weg auf dem wir bergwärts wandern macht Lust auf die Gegenrichtung. Diesen Trail müssen wir unbedingt einmal abwärts in eine Tour einbauen, vielleicht in Verbindung mit einer Übernachtung in der schönen Selbstversorgerhütte.
 
 
Schon bald darauf kommen wir zur nächsten Alpe, diese besteht aus drei gut erhaltenen Steingebäuden und scheint aktuell nicht bewirtschaftet zu sein. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel, wir könne den Weg von hier aus schon sehen. Ein letztes Mal die Bikes am Peakrider eingehängt und den Rest in Angriff genommen, eine halbe Stunde später haben wir den unscheinbaren Gipfel mit dem Steinmannli erreicht.
 
 
Die Pause haben wir uns verdient und wir könnten uns keinen besseren Ort dafür vorstellen. Auf dem grasbewachsenen Gipfel lässt es ich in der Sonne wunderbar relaxen und auch das Wetter spielt im Gegensatz zu gestern mit, der Himmel ist fast wolkenlos und die Sicht ungetrübt bis zu den verschneiten Alpengipfeln, was will man mehr.
 
 
So unscheinbar der Gipfel auch ist, umso überwältigender ist das Panorama. Die Magadinoebene und der Lago di Maggiore erstrecken sich unter uns, zur Linken der Monte Tamaro und Gambarogno, direkt vor uns der Dente Panoramico und in der Ferne das Grande Croce Rossa mit der Dufourspitze dahinter. Ein Grossteil meiner Touren der letzten Jahre kann man von hier aus sehen.
 
 
Wir könnten noch lange an diesem Aussichtspunkt der Extraklasse die Seele baumeln lassen, aber die Abfahrt ruft. Wir schnappen uns die Bikes, sitzen auf und der Spass kann losgehen. Bis zur Alpe hinunter fährt es sich erstaunlich leicht, fast schon flowig und ideal zum Aufwärmen. Der Anfang ist schon einmal ganz nach unserem Geschmack, ein Trail wie aus dem Bilderbuch mit schier endlosem Weitblick.
 
 
Unterhalb der Alpe begeben wir uns auf Neuland, der Trail ist im hohen Gras kaum mehr als solcher erkennbar und wir sind skeptisch wieviel davon wohl fahrbar sein wird. Es ist aber erstaunlich viel fahrbar und auch später im Wald und müssen wir die Bikes nur über einzelne steinige Hindernisse tragen. Bei einem dieser Hindernisse rutschte ich aus und hohl mir eine zünftige Schürfung am Knie. Tja, in der Ferienwohnung nutzen die neuen Knieschoner viel, ich muss wohl endlich mal meine Schonerphobie überwinden.
 
 
Plötzlich kommen wir auf eine grosse Lichtung mit einer weiteren Selbstversorgerhütte. Von diesen hat es hier im Tessin unzählige und eine schöner als die andere, immer topgepflegt bieten sie eine willkommene Gelegenheit zum Raste oder Übernachten. Die Getränke hinter den dicken Steinmauern sind im Gegensatz zum lauwarmen Wasser in unseren Rucksäcken schön kühl, die Erfrischung kommt uns wie gerufen.
 
 
Und wieder geht es in den Wald hinein, jetzt schon etwas anspruchsvoller, aber immer noch gut fahrbar. Die prächtigen Buchenwälder gefallen uns, das dichte Blätterdach spendet Schatten in der heissen Tageszeit , während man unten zwischen den lichten Stämmen hindurch gute Sicht hat. Nach dem kurzen Waldintermezzo rollen wir beim nächsten Monti vor und verschnaufen kurz auf dem Bänkchen, bevor es so richtig zur Sache geht.
 
 
Der letzte Teil hat es in sich, ein Ticinotrail wie aus dem Lehrbuch, steinig steil, verwachsen und verblockt. Es gibt viele Möglichkeiten zum Experimentieren und an etlichen Stellen müssen wir auch kapitulieren. Alles ist nicht fahrbar aber vieles, wir haben jedenfalls unseren Spass dabei und bei David zeigen sich klar öhlersche Ansätze, welche man in diesem Gelände gut gebrauchen kann.
 
 
Heute bin leider ich an der Reihe mit dem Aufsammeln einer Bodenprobe. Bei einer für mich grenzwertigen Stelle hacke ich mit dem Vorderrad ein und verharre laut meinen Nachfahrern sekundenlang mit dem Hinterrad in der Luft, bevor ich über den Lenker absteige. Die ganze Aufprallenergie wird vom rechten Handballen abgefangen, was dieser schon kurz darauf mit Schmerzen quittiert. Zum Glück ist es nicht mehr weit bis nach unten und während wir unsere Kehlen mit einem kühlen Panaché kühlen, gibt es für die lädierte Hand ein paar Eiswürfel. Es war wieder einmal super mit euch Jungs und unsere Abenteuer-Tour trotz dem unfreiwilligen Absteiger ein voller Erfolg. Rotscher muss leider anschliessend schon wieder den Heimweg antreten, aber David verlängert kurzfristig noch um eine Nacht. Die nächste Station ist der Pool der Ferienwohnung, welchen wir erst wieder verlassen um den Grill zu bestücken, so muss das sein in den Ferien.
 

3 Comments

  1. blackCoffee sagt:

    Also dann schon lieber Dolce-Vita und am Seeufer mit dem Gelato in der Hand flanieren….. Nee es wurmt mich natürlich, dass ich diese Lektion aus dem südlichen Lehrmittel verpasst habe 😉

  2. ROTSCHER sagt:

    Ein echter Superday. Hammer Aussicht, geniales Wetter, super Kollegen, bezwungener Gipfel, spassige Trails … nur ein bisschen hakelig unten im Wald 🙂
    Ich melde mich vorsorglich schon mal für die zweitägige Tour mit Hüttenübernachtung an. See you

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