Monte Gambarogno e Paglione

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Wenn im Frühsommer in den höheren Regionen noch Schnee liegt, zieht es mich jeweils ins Tessin wo die Gipfel schon schneefrei sind. Dieses Jahr ging es wieder einmal an den Lago di Maggiore, wo ich mir für die Woche eine Ferienwohnung mietete. Der Monte Gambarogno gehört für mich schon fast zum Pflichtprogramm wenn ich in der Gegend bin und war der erste Berg, wo ich jemals das Bike raufgetragen habe. An meinem ersten Ferientag nahm ich ihn erneut in Angriff. Der Aufstieg fiel mir diesmal erstaunlich leicht und ich zog ihn bis zur Alpe di Neggia in einem Stück durch. Unten wie immer der prallen Sonne ausgesetzt, wurde ich in der Mitte durch feine Grilldüfte gefoltert.
 
 
Den Strassenrand zierten Hortensien in den verschiedensten Blautönen, welche ab der Alpe di Neggia durch Alpenrosen abgelöst wurden. Dort mich etwas mit kühlem Brunnenwasser erfrischt und gleich weiter in Richtung Gipfel. Auch das bisschen Bikeschultern war recht easy und ich stand schon bald oben. Diesmal hatte es leider recht viel Dunst und das eindrückliche Panorama zeigte sich einem nur milchig. Trotzdem genoss ich die Aussicht und stärkte mich mit einem Sandwich.
 
 
Für ein Panoramabild verweis ich hier einfach mal auf einen älteren Beitrag, wo die Sicht besser war. Weiter ging es an den Steinbaracken vorbei und auf der Rückseite zur Alpe Cedullo runter. Ich merkte dass ich diese Saison das erste Mal so richtig in den Bergen unterwegs war und hatte erst noch etwas Mühe mit dem Trail, Ende letzter Saison lief das noch lockerer.
 
 
Schon weit vor der Alpe Cedullo kreuzte ich eine riesige Ziegenherde und bei der Alpe begrüsste mich dann diesmal eine Ziegenmamma mit ihren herzigen Jungen, anstelle des bellenden Hundes vom letzten Mal.
 
 
Anstatt runter ins Tal wie die letzten beiden Male, setzte ich diesmal meinen Weg weiter aufwärts mit dem Ziel Sant Anna Kapelle fort. Schiebend erreichte ich diese und traf dort auf eine grössere Touristengruppe. Die Kapelle ist zugleich auch kleine Selbstversorgerhütte mit Aufenthaltsraum und Massenlager.
 
 
Ab hier war ich auf neuen Pfaden unterwegs. Ich liebe dies, wenn ich nicht genau weiss was noch kommt. Weiter bis zum Monte Paglione wanderte das Bike dann nochmals auf die Schultern. Dieser war nicht wirklich spektakulär, eher eine unbewaldete Hügelspitze oberhalb von Indemini. Ohne den Dunstschleier wäre das Gipfelerlebnis wohl auch noch etwas besser gewesen, ich startete darum schon bald in die Abfahrt. Diese begann recht gut auf einem mittelschweren Trail zwischen den abgebrannten Alpenrosen hindurch, keine Ahnung warum die dort oben ganze Felder davon abgefackelt haben.
 
 
Weiter ging es auf einem typischen Tessiner Waldtrail, obenab noch gut erkennbar. Je weiter ich runter kam, desto mehr musste ich aber den Trail suchen, zeitweise war er kaum mehr erkennbar. Nur noch die Markierungen an den Bäumen zeigten wo es in etwa lang ging. Verpasste man mal eine, rächte sich dies unverzüglich mit anschliessendem Bikeschleppen zurück den Hang hinauf.
 
 
Kurz vor Monti di Sant Abbondio bog ich dann rechts ab um das Valle di Gerra zu queren. Im Nachhinein hätte ich dies lieber sein lassen und wäre wohl besser direkt weiter runter nach Sant Abbondio gefahren. Wirklich viel war bei der Querung nicht fahrbar und sie kostete Kraft, dafür war es landschaftlich umso schöner dieses raue Tal zu durchschreiten. Ich war froh als ich Monti di Gerra erreichte und ich wieder auf die eigentliche Gambarogno-Abfahrt stiess.
 
 
Das Dessert bis Vairano runter war jetzt dafür umso besser. Es wurde nochmals anspruchsvoll und ich fühlte mich mittlerweile auf den steinigen Trails schon viel wohler als noch anfangs oben. Hier konnte ich auch mal eine grenzwertige Stelle einfach probieren zu fahren, ohne gleich einen Absturz zu riskieren. Genau das hatte auf dieser Tour noch gefehlt, um mit einem Grinsen zurück um den See nach Hause zu radeln. Ein Zwischenstopp in der Gelateria durfte dabei natürlich auch nicht fehlen.
 
 
So präsentieren sich der Monte Gambarogno und Monte Paglione bei Nacht, das Licht links oben ist die Alpe di Neggia. Dies war fast so schön wie die Biketour selbst, abends bei floydischen Klängen mit einem guten Singlemalt in der Hand vor der Ferienwohnung zu sitzen und diese Aussicht zu geniessen.
 


volle Distanz: 50.9 km
Maximale Höhe: 1673 m
Minimale Höhe: 196 m
Gesamtanstieg: 1960 m
Gesamtabstieg: -1960 m

5 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Tolle Tour. Schöne Fotos und wie immer kurz aber spannend geschrieben.
    Irgendwo habe ich noch eine GPX File von meiner Tour am Gambarogno von 2014.
    An der Kapelle Santa Anna bin ich damals über eine Wiese und dann in einen Trail eingebogen, der mich dann in Monti di Gerra wieder ausgeworfen hat.
    Ein schönes Bikegebiet dort, mit vielen Möglichkeiten runter an das ‚Blaue Wunder‘, wie eine gute Tessiner Freundin zu pflegen sagt.

    Apropos Samstag: Habe den Chinzig Bike mit einem Abstecher zur Liderner Hütte gemacht und zwar von Höchi über die Alt Staffel. Viele Holztreppen.
    Auf jeden Fall runter ein spannendes Trailexperiment. Ausser die beiden extrem steilen Treppen, war alles fahrbar. Das Bike schultern hat sich gelohnt.
    Über die Rotenbalm habe ich dann noch ein Abfahrtsexperiment ins Schächental probiert … ausser einen deftigen Sturz, Bike in Ordnung, dafür geschwollenen Daumen und Schmerz im linken Oberschenkel, nicht wirklich empfehlenswert.
    Am Sonntag bin ich dann überhaupt nicht aus dem Bett gekommen. Waren am Ende 2947 Höhenmeter und 55 km. It’s to much for 50+. 😉

    • Sven sagt:

      Oje Thomas, du machst wieder Sachen, GUTE BESSERUNG !
      Ja, von der Sant Anna Kapelle runter nach Monti di Gerra resp. von der Alpe Cedullo runter nach Monti di Vairano sind die „offiziellen“ Abfahrten vom Monte Gambarogno. Ich wollte hier mal eine neue Variante ausprobieren.

  2. ROTSCHER sagt:

    Ohhhh, herrlich. Da kommen tolle Erinnerungen auf. Der Monte Gambarogno ist einfach das Aussichtswunder der Gegend. Ich will auch wieder … 😎
    Übrigens trotz Dunst gelungene Fotos und schöne Eindrücke. Und im Frühling oder Frühsommer ein paar Ticinotouren sind für die Eingewöhnung an die richtigen Trails Gold wert.

    • Sven sagt:

      DAS Aussichtswunder am Lago di Maggiore hatte ich am letzten Tag besucht, der Monte Gambarogno kommt aber gleich danach und hat in meinem Herzen einen besonderen Platz.

  3. blackCoffee sagt:

    Tessin ist immer noch der weisse Fleck auf meinem Kerbholz…..Diese Tour ist aber vorgemerkt und vielleicht wird noch was draus..;-)

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