Monte Giove

8. Juli 2018
Una Valle Selvaggia
2. Juli 2018
Alto Sopra Vallemaggia
15. Juli 2018
 
Am dritten Tag meiner Bikeferien im Tessin statte ich den italienischen Nachbarn einen Besuch ab. Nach den beiden anstrengenden Touren an den Vortagen, steht heute ein gemütliches Ride-Panoramatürchen auf dem Programm. Dabei kann ich die Gelegenheit gerade nutzen, um mir einen ersten Eindruck von der Gegen zu verschaffen, da ich dort noch die einte oder andere grössere Tour auf dem Plan habe. Dem Ufer des Lago di Maggiore entlang fahre ich nach Cannobio und parkiere dort beim Lido das Auto. Ich habe ja kein Problem damit dass Parkplätze kostenpflichtig sind und auch ein Euro pro Stunde geht in Ordnung, aber nicht wenn man nur mit Münzen zahlen kann und weit und breit keine Wechselmöglichkeiten vorhanden sind. Dafür ziehen die Carabinieri schon ihre Kontrollrunden auf dem Parkplatz. Die freundliche Dame in der Touristeninformation wechselt mir dann aber netterweise doch einen Schein und ich kann mich in den Sattel schwingen. Schon von hier aus kann ich das Ziel den Monte Giove sehen und darunter den Kirchturm von Sant Agata.
 
 
Entlang der Uferstrasse radle ich ein Stück weit zurück bis nach Nizzolino wo der Aufstieg beginnt. Auf der Strasse geht es hinauf nach Sant Agata, soweit der gemütliche Teil. Kurz nach Socragno biege ich links ab und das Asphaltsträsschen wird richtig fies steil. Die Touren der vergangenen Tage machen sich jetzt in den Beinen bemerkbar und ich powere mich aus, bis ich nicht mehr treten mag, dann wird der Rest halt geschoben. Vorbei am Monti Maracalone gewinne ich auf dem breiten Weg weiter an Höhe, dessen Untergrund mittlerweile in Schotter übergegangen ist. Dieser Schotterweg führt bis kurz unter den Gipfel. Die letzten Meter muss das Bike dann noch geschulter werden, heute wieder einmal ganz oldschool ohne Tragesystem.
 
 
Bevor ich mich in die Sonne setzte, nutze ich aber den menschenleeren Gipfel noch für ein paar Rolling-Shots, dies muss einfach sein. Im Gegensatz zu anderen ähnlichen Aussichtsgipfeln rund um den Lago di Maggiore ist hier richtig viel Platz vorhanden und man tritt sich auch nicht auf den Füssen herum, wenn einmal ein paar Leute mehr hier oben sind. Mich wundert es, dass ich auch diesen Gipfel wieder ganz für mich allein habe, da man mit dem Auto doch recht weit hinauffahren kann.
 
 
Das Panorama ist einmal mehr atemberaubend, ich überblicke fast die Hälfte des riesigen Lago di Maggiore. Der Blick reicht vom italienischen Luino bis nach Tenero. Die Uferstrassen die sich dem See entlang schlängeln, die Ortschaften die am Ufer kleben und gleich dahinter die steilen Hänge mit den vielen Gipfeln, wovon ich manche schon befahren habe. Das Wort Seebecken bekommt hier aus dieser Perspektive eine ganz neue Bedeutung und trifft den Nagle auf den Kopf.
 
 
Der Monte Giove thront ähnlich dem Monte Gambarogno wie ein vorgelagerter Aussichtsposten hoch über dem See. In Sachen Seepanorama sind dies wohl die beiden Topspots und werden nur noch von der Aussicht vor der Hütte auf dem Weg zum Grande Croce Rossa getoppt. Auf der Steinbank geniesse ich die Aussicht und lasse die Seele baumeln, sie müssen Ferien sein, viel besser als jeder Liegestuhl am Strand.
 
 
Beim Blick nach hinten kann ich auf das Highlight meiner letztjährigen Ticinodays gucken. Wenn man genau hinsieht, kann man die Hütte sehen, welche dort wie ein Adlernest am Bergkamm klebt. Weiter oben der Vorgipfel mit der steinernen Niederschlagsmessstation und dahinter der Hauptgipfel mit dem grosse rote Kreuz.
 
 
Nach fast einer Stunde auf dem Gipfel starte ich in die Abfahrt. Bis zur Alpsiedlung Rombiago ist der Trail recht knackig aber easy fahrbar, da bin ich von der Tour ins Valle Selvaggia anderes gewohnt. Anschliessend muss der Weg teilweise gesucht werden, die Ausschilderung und Pflege der Wanderwege entspricht hier nicht ganz dem Schweizer Standard. Oberhalb Monti Biessen treffe ich dann auf den Höhenweg, welcher mich stets durch den Wald über San Luca nach Sant Agata führt. Der Weg ist recht spassig zu fahren und ich werde nur vereinzelt durch umgestürzte Bäume oder Rutschstellen ausgebremst. Fotos gibt es davon leider keine, da lichten Stellen mit Aussicht eher Mangelware sind. Nur einmal kann ich kurz ins Valle Cannobina runter gucken und einen Blick auf den Monte Zeda erhaschen, dort hinten wartet noch eine schöne Tour auf mich.
 
 
Bei San Luca muss einmal eine ganze Ansammlung von Steinhäusern gestanden haben, heute sind davon nur noch Ruinen übrig. Kurz darauf komme ich zu einer Kapelle im Wald, jetzt wird es wieder steiler und ruppiger. Kurz vor Sant Agata erwartet mich dann noch ein waschechter Rockgarden, zu heftig für mich, ich schiebe die letzten Meter bis zu dem schönen kleinen Dörfchen, welches da neben der markanten Kirche hoch über den Lago di Maggiore liegt.
 
 
Nach Sant Agata bin ich auf den letzten Höhenmeter nochmals gefordert, nicht ganz alles ist fahrbar, erst gegen den Schluss wird es wieder etwas flüssiger. Oberhalb von Traffiume kommt ich wieder aus dem Wald heraus und Hitze schlägt wie ein Faustschlag zu. Dem Fluss Cannobino entlang rolle ich zurück nach Cannobio und hole mir am Lido eine leckere Gelati, die erste in diesem Tessinurlaub. Anschliessend geht es zurück zur Ferienwohnung, wo ich heute im Gegensatz zu den beiden letzten Tagen noch viel Zeit habe um am Pool zu relaxen. Danach gibt es, wie könnte es auch anders sein, Fleisch vom Grill. Bike, eat & sleep, was braucht es mehr zum Glücklich sein.
 

volle Distanz: 20.05 km
Maximale Höhe: 1274 m
Minimale Höhe: 204 m
Gesamtanstieg: 1118 m
Gesamtabstieg: -1117 m

4 Kommentare

  1. Ventoux sagt:

    Einmal mehr eindrückliche Bilder einer wunderschönen Gegend. Ist es so, dass man in den unteren Regionen meistens im Wald und Gestäude rumkurvt? Ist wohl im Tessin meistens so.

  2. blackCoffee sagt:

    Schöner Bericht! Bin gespannt, was Du vom Monte Zeda hältst….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.