Monte Tamaro

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Leider schon wieder der letzte Tag meiner Ticinodays, da möchte ich nochmals hinauf auf einen Gipfel. Auf der anderen Seeseite war ich heuer noch nicht, ich habe von der Terrasse aus immer bloss nur rüber geguckt zu Monte Tamaro und Gambarogno. Morgens rolle ich auf der Strasse gemütlich zum Bahnhof hinunter und nehme den Zug nach Rivera. Dort mach ich einen auf Bähnlibiker und besteige die Seilbahn, welche mich hinauf zur Corte di Sopra bringt. Seit die Downhillstrecke geschlossen ist, hat es hier deutlich weniger Biker an der Talstation. Bei der Botta-Kirche geniesse ich kurz die Aussicht, der Blick über die Magadinoebene ist einfach immer wieder super von der Kopfspitze der Santa Maria degli Angeli aus.
 
 
Den günstig erkauften Aufstieg bezahlt man hier mit einem fiesen Kaltstart, die Rampen hinauf zum Sendemast sind erbarmungslos und der lose Untergrund mit den Betonschwellen macht die Sache auch nicht besser. Nach gut der Hälfte gebe ich auf und schiebe den Rest bis zur Sendeanlage. Ich gehe gleich weiter zur Capanna Tamaro, wo ich etwas mit einem Walliser Pärchen über die Berge plaudere, bevor ich mich aufmache um einen solchen zu besteigen.
 
 
Am Monte Tamaro war ich ja schon öfters unterwegs, aber ganz oben auf dem Gipfel noch nie. Höchste Zeit dies zu ändern, heute geht es ganz hinauf zum Gipfelkreuz. Da wo alle anderen Biker in die Abfahrt starten, montiere ich den PeakRider und schwinge mein 301 einmal mehr auf den Rücken.
 
 
Der Aufstieg ist kurz und schmerzlos, ein Klacks im Vergleich zu den vergangenen Tagen. Schon bald bin ich oben und mit mir ein buntgemischtes Grüppchen Wandersvolk. Da nutze ich die Gelegenheit doch gleich und drück einem die Kamera in die Hand für ein Poser-Foto mit dem Lago di Maggiore im Hintergrund.
 
 
Von hier oben bekommt man den Sendemast und den Weg bis zum Start der klassischen Abfahrt einmal aus einer ganz andere Perspektive zu Gesicht. Etwas weiter rechts kann ich über den Monte Gradiccioli bis zum Monte Lema gucken, den Höhenweg bin ich vor ein paar Jahren gefahren und bekomm ihn jetzt hier aus der Vogelperspektive zu Gesicht.
 
 
Nachdem die Wanderer weitergezogen sind, habe ich den Gipfel für mich allein und geniesse noch etwas die Ruhe an dem erhabenen Ort. Ein würdiger Abschlussgipfel für diese Bikewoche, von hier aus kann ich fast alle Touren der vergangenen Tage überblicken, das Tessin zeigt sich nochmals von seiner schönsten Seite, bellissima.
 
 
Nach unten blicke ich auf die Alpe di Neggia, von ihr aus bin ich schon oft auf den Monte Gambarogno aufgestiegen, auch diesen Weg kann man von hier aus gut sehen. Schwer zu sagen von welchem der beiden Gipfel die Aussicht besser ist, bei der Abfahrt hat der Monte Gambarogno aber definitiv die Nase vorn. Das Bike hier auf den Monte Tamaro zu schleppen ist eigentlich sinnfrei, nur der unterste Teil bei den Spitzkehren ist fahrbar.
 
 
Bis zur Bassa di Montoia muss ich das Bike nochmals ein Stückchen aufwärts schieben, bevor es abwärts geht. Mit Blick auf den Monte Gambarogno fahre ich zur Alpe di Montoia hinunter. Den Track, der mich von hier zur Alpe di Neggia führen soll, habe ich aus dem Ride und das erste Trailstück beginnt schon mal recht vielversprechend.
 
 
Leider hält der Trail nicht ganz was er anfänglich versprach, die Querung nach Monti Idacca ist eher ein Chrampf als Genuss und an durchgehendes Fahren ist nicht zu denken. Auf der Strasse geht es dann hinauf zur Alpe di Neggia. Nächstes Mal nehme ich wohl doch lieber die direkte Abfahrt vom Monte Tamaro. Hier von der Alpe di Neggia aus wollte ich eigentlich einen der schwarz gepunkteten Trails unterhalb des Monte Gambarogno auszuprobieren. Auf einen weiteren Anstieg und Wegsuche habe ich aber keine Lust mehr und entscheide mich darum für den Carbon-Trail.
 
 
Ich bin ja solch ausgebauten Trails gegenüber eher etwas skeptisch eingestellt, der Carbon-Trail überrascht mich da aber positiv. Mit grossem Arbeitsaufwand wurde der Weg in dem steilen Hang für Biker optimiert, aber nur so viel wie nötig, der Fahrer bleibt weiterhin gefordert und ich habe meinen Spass. Auf der anderen Seite des Val Vadina folgt ein keiner Gegenanstieg, welcher mich zur Alpe di Trecciura bringt. Hier weiden bei bester Sicht auf den Lago di Maggiore zwei einsame Pferde und ich setzte mich für ein kleines Päuschen zu ihnen.
 
 
Jetzt folgt der Highspeed-Teil durch den Wald, so flott bin ich die ganz Woche nie unterwegs gewesen. Für Tessiner Verhältnisse kann man es hier richtig krachen lassen, ohne gleich einen Sturz mit unschönen Folgen zu Riskieren. Dazwischen folgt bei Monti di Vira ein kurzer Augenblick der Erholung mit wunderbarem Blick auf das Maggiadelta, bevor die rasante Fahrt nach unten weiter geht.
 
 
Mit einem Grinsen im Gesicht erreiche ich schliesslich Vira, der Carbon-Trail war eine gute Wahl für die letzte Abfahrt der diesjährigen Ticinodays. Jetzt folgt noch der lange Heimweg um den Seezipfel herum und ich gebe Gas, denn es lockt die Gelateria in Tenero. Die zwei Kugel Limonensorbet schmecken sowas von gut, ist es doch erst meine zweite Gelati während dieser Woche hier. Das Funicolare bringt mich dann auch heute wieder gemütlich hoch nach Orselina, wo ich am Pool mit Blick auf den heute bestiegen Gipfel den Biketag ausklingen lassen.
 
 
Tja, schon sind sie leider wieder vorbei meine Ticinodays 2018. Noch ein letztes Mal den Abend auf der schönen Terrasse geniessen, da kommt schon etwas Melancholie auf, wenn ich daran denke, dass morgen anstatt einer weiteren Biketour schon wieder die Heimreise ansteht. Ich sitze noch bis spät in der Nacht da, gucke zu Davids Gitarrenklängen in den Sternenhimmel und auf den See, während ein 21 jähriger Glen Garioch die Kehle hinunter rinnt.
 
 
Dieser Tessinurlaub war ganz speziell, so viel habe ich das Bike noch nie durch die Gegend getragen und trotzdem waren es mitunter die schönsten Tage im Tessin. Jeden Tag ein umwerfendes Panorama oder eine Hütte zum verlieben, wilde Täler, einsame Bergwelt und anspruchsvolle Trails, ein richtiger Abenteuerurlaub mit so vielen schönen Eindrücken. Die Ticinodays sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil in meinem Bikekalender geworden, auf welche ich mich nach der Winterpause immer ganz besonders freue. Hier können schon alpine Trails gefahren werden, wenn in den Bergen noch Schnee liegt und es ist jeweils wie das Eintauchen in eine anderen Welt, der ganze Alltag bleibt hinter dem Gotthard zurück, Dolce Vita in der Sonnenstube eben.
 

volle Distanz: 33.85 km
Maximale Höhe: 1928 m
Minimale Höhe: 196 m
Gesamtanstieg: 859 m
Gesamtabstieg: -2185 m

5 Kommentare

  1. Michi sagt:

    Sali Sven, immer wieder sehr schöne Berichte von Dir. Beim nächsten von einem Aushilfsfotografen geschossenen Poserbild bitte den Rucksack zur Seite legen ;o)

    Grüße von Michi, der in knapp drei Wochen auch endlich in die Schweiz fährt :o)

  2. blackCoffee sagt:

    Schöner Bericht…und Dein Appartement ist auch nicht von schlechten Eltern…Tessin ist immer noch der weisse Fleck auf meiner Landkarte…;-)

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