Back to the Roots

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Weil es so schön war gerade noch einmal. Nach der Varneralp am Samstag, hatte ich am Montag noch meinen letzten Ferientag eingezogen und bin erneut dem Ruf des Indiansummers ins Wallis gefolgt. Diesmal startete ich beim Bahnhof Brig in Richtung Belalp. Der Südhang war schon frühmorgens wunderbar sonnenbeschienen und es dauerte nicht lange, bis die ersten Schweisstropfen flossen.
 
 
Bei konstanter Steigung und fast ohne Verkehr erkurbelte ich mir die ersten paar hundert Höhemeter bis Blatten, wo es Kaffee und Schoggigipfeli gab. Frisch gestärkt machte ich mich anschliessend an die zweite Hälfte des Aufstieges. Auf der Belalp war ich dann fast mutterseelenallein, da die Bahn wegen Revision schon geschlossen hatte.
 
 
Ich fuhr weiter vor bis zum Aletschbord, von wo man einen schönen Blick auf die Gletscherzunge und den Aletschwald hat. Auch die Station Bettmerhorn, von wo aus ich diesen Sommer zu der Tour dem Alteschgletschertour entlang startete, sah man von dort aus gut.
 
 
Hier oben war ich das letzte Mal im Jahr 2001, damals hatte ich gerade so langsam mit dem Biken begonnen und war das erste Mal ausserhalb der heimischen Komfortzone unterwegs. Back to the Roots, ein schönes Gefühl nach 15 Jahren wieder dort zu sein wo alles begann. Im Vergleich der beiden Fotos sieht man auch gut, wie weit sich der Gletscher seit dann zurückgezogen hat.
 
 
Ich verspiess meinen mitgebrachten Proviant, legte mich ins gelbe Grass und genoss die Sonne. Kein Geräusch weit und breit, nur das weit entfernte Rauschen der Massa und vereinzelte Schreie von Bergdohlen unterbrachen die Stille. Ich döste etwas vor mich hin und wäre am liebsten ewig dort in der Sonne liegen geblieben, aber es lockte ja noch die Abfahrt. Ich fuhr wieder auf dem gleichen Weg zurück zur Belalp, wo der Singletrailspass begann.
 
 
Der Wanderweg schlängelte sich zuerst etwas über die Hochebene und dann dem Hang entlang, wo er auf die trockene Nessjeri-Suone traf. Ich war wieder mittendrinn im herbstlichen Farbenspiel, fast schon surreal diese knalligen Farben und Kontraste ringsherum. Kurz darauf hatte ich die Nesselalp erreicht, ein Bijou von einer Alp mit verstreuten Alphütten und einer schönen Steinkapelle. Dem dortigen Bänkchen mit Blick auf die umliegenden Berggipfel konnte ich nicht wiederstehen und tankte nochmals etwas Sonne auf, bevor es in den Wald ging.
 
 
Jetzt ging es erst so richtig los, nach ein paar smoothen Schwüngen über den Nadelteppich folgte ein technisch ruppiger Downhill der mein Bikerherz höher schlagen liess. Über Stock und Stein waren Fahrer und Federelemente gefordert, aber immer gut fahrbar. Nur auf die scharfkantigen senkrechten Steinplatten musste man achtgeben, bei Luftdrücken unter 1 Bar hätten die Felgen das wohl nicht unbeschadet überstanden. Das letzte Stück vor Oberbirgisch führte der Weg dann über eine Wiese, welche wohl gerade vor kurzem mit Mist gedüngt wurde. Egal, da musste ich durch und unten im Dorf empfingen mich dafür ein paar Schwarznasen mit ihrem herzigen Nachwuchs.
 
 
Der weitere Weg führte mich auf der Strasse über Mund nach Warbflie und ich dachte schon "das kann ja jetzt noch nicht alles gewesen sein", war es auch noch nicht. Es folgte nochmals ein typischer Südrampentrail an einer kleinen Felskapelle vorbei bis nach Lalden runter. Mit einem breiten Grinsen und aufgefülltem Vitamin-D Speicher rollte ich in Visp ein, wo ich den Zug zurück in die Üsserschwiiz nahm. Das war es dann jetzt wohl mit alpinen Touren für diese Saison, wenn ich mir so die aktuelle Schneefallgrenze anschaue. Diese zwei Tage im Wallis waren der Hammer und in ihrer Wirkung besser als alle Psychiater und Psychopharmakas zusammen. Ich weiss nur noch nicht, wie ich den Winter ohne solche Erlebnisse überstehen soll.
 


volle Distanz: 36.31 km
Maximale Höhe: 2135 m
Minimale Höhe: 649 m
Gesamtanstieg: 1600 m
Gesamtabstieg: -1618 m

4 Kommentare

  1. Ventoux sagt:

    Neid, Neid, Neid………….Einfach hammerschöne Bilder und Bericht, danke. Wie Du hoffe ich auf einen kurzen Winter und möglichst wenig Schnee im Mittelland.

  2. Etienne sagt:

    Ja interessanter der Fotovergleich. Auch die Mauer hat etwas mit den Jahren abgegeben. Es fehlt ein Stück Stein genau beim Riss in der Mauer. Gruss Etienne

  3. ROTSCHER sagt:

    Aber Hallo 8) Dieser Beitrag fehlt mir gerade noch in der Wurmbüchse … eine Montagstour mit herrlichen Farben und einer Strecke die ich vor vielen Jahren gefahren bin … und ich stecke zur Zeit im Kälteschock mit Sehnsucht nach der nächsten Bikesaison 😆
    Schöne Eindrücke! Dir einen kurzen Winter. See you

  4. Sven sagt:

    Ja, Kälteschock beschreibt es ziemlich treffend. Innerhalb einer Woche vom gefühlten Sommer direkt in den Winter, jetzt liegt dort oben wahrscheinlich schon ein halber Meter Schnee. Der Winter hat ja auch seine schönen Seiten, aber wie Ihr wünsche auch ich mir einen möglichst kurzen und schneearmen Winter, so dass wir möglichst bald wieder die alpinen Trails rocken können.

    Hehe, das mit dem fehlenden Stein in der Mauer war mir gar noch nicht aufgefallen. Aber nicht nur die Mauer hat mit den Jahren etwas abgegeben, auch der Blogger hat ein paar graue Haare und Wehwehchen mehr als damals 😀

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