Bietschhornhütte

14. Oktober 2020
Trubelstock
30. September 2020
 
Der Herbst meint es gerade nicht so gut mit uns Bikern, es gab früh viel Schnee und das nasskalte Wetter hält sich seitdem hartnäckig. Darum habe ich leider auch nichts Aktuelles zu berichten und fahre mit der Sommerberichterstattung fort. Die Tour über den Lötschenpass erinnerte mich daran, wie schön es dort ist und so führte mich der erste Biketrip der Sommerferien ins Lötschental, wo ich schon zu Kindheitstagen im Pfadilager und in den Skiferien viel Zeit verbrachte. Als ich in Wiler ankomme regnet es noch, aber für die kommenden Tage ist schönes Wetter prognostiziert und ich fühle mich in der Ferienwohnung meiner Mutter gleich wie daheim. Eine der wenigen Sendungen, welche ich mir auf unserem durch Zwangsgebühren finanzierten Staatspropagandasender ansehe, ist "SRF bi de Lüt" mit den Hüttengeschichten. Vorletztes Jahr wurde darin die Bietschhornhütte porträtiert und bei mir entstand der Wunsch, dieser urtümlichen Hütte mit dem Bike einmal einen Besuch abzustatten. Wie vorausgesagt scheint am nächsten Morgen die Sonne. Ich radle los, überquere bei Kippel die Lonza und beginne den Aufstieg auf dem Alpsträsschen.
 
 
Durch den Wald gewinne ich an Höhe, noch ist es fahrbar, aber nach dem überqueren des Tännerbaches ändert sich dies. Hier weiden auf der Wiese ein paar Pferde und das Bike wechselt auf den Rücken, die Bikewanderung kann beginnen. Viel Wurzeln und Steine, der steile Pfad durch den schwarzen Märchenwald ist nur etwas für trittsichere, aber wunderschön. Auf der anderen Talseite kann ich schon das höckerige Ziel des nächsten Tages sehen und im Rücken glitzert der vergletscherte Petersgrat.
 
 
Bei der Nästmatte lichtet sich der Lärchenwald und gibt den Blick frei auf das Bietschhorn und den Nestgletscher. Durch das ehemalige Gletscherbett geht es jetzt quer zu den Höhenlinien nach oben und was ich sehe gefällt mir, der Weg wird wohl abwärts komplett fahrbar sein. Es folgte eine etwas ausgesetzte Passage auf den Rücken des Howitzgrates und dann kommt auch schon die Hütte in Sicht, welche hier seit 1881 steht. Jetzt ist es nicht mehr weit, die mit Ketten gesicherte Schlüsselstelle meistere ich ohne Probleme und nach ein paar Schritten über die grasbewachsene Moräne habe ich die Hütte erreicht.
 
 
In der Hütte werde ich von Maria freundlich empfangen und das Erstaunen ist gross, da ich (jedenfalls in dieser Saison) der erste Besucher mit Bike bin. Die Kultur des hausgemachten Eistees wird auch hier gepflegt, dazu gibt’s eine feine Rösti und Panorama satt. Es ist schon ein ganz besonders schönes Plätzchen, wo die Hütte hier am Fusse des Bietschhorns steht. Tief unter mir erstreckt sich das Lötschental und gegenüber reihen sich vom Balm- bis zum Breithorn unzählige Hörner auf. Die Biteschhornhütte ist definitiv einer der schönsten SAC-Hütten wo ich bisher war. Klein und fein ohne grossen Luxus, strahlt sie eine urtümliche Gemütlichkeit aus, wie man sie in den modernen Hütten leider kaum mehr findet.
 
 
Die Hütte ist heute gut besucht, durch Tagesgäste und auch durch Bergsteiger, welche am nächste Tag die Königin des Wallis besteigen möchten. Es ergeben sich interessante Gespräche und ich genehmige mir noch ein Stück von dem superleckeren Mandelkuchen, bevor ich mich schweren Herzens nach über 2 Stunden wieder verabschiede. Im Geröll kann ich einen Weg erkennen, der auf den gegenüberliegende Howitzgrat führt. Mein Interesse ist geweckt, da ich so die mit Ketten gesicherte Schlüsselstelle umgehen kann.
 
 
Leider ist auf dem Grat weniger fahrbar als erwartet, aber näher kommt man dem Bietschhorn per Bike wohl kaum und ich kann ein paar coole Fotos schiessen. Etwas weiter unten beim Kreuz treffe ich wieder auf die Aufstiegsroute. Die folgende ausgesetzte Passage ist problemlos fahrbar und dann beginnt der Spass so richtig. Der Weg muss wohl in den letzten Jahren neu ausgebaut worden sein, denn meine Mutter berichtete, dass dieser bei ihrem letzten Besuch in der Hütte noch schwerer zu begehen war. Ich versuche ihn möglichst schonend zu befahren, ganz entgegen dem aktuell Trend die Trails zu shredden.
 
 
Bei der nächsten Verzweigung verlasse ich die Aufstiegsroute wieder und halte mich rechts in Richtung Ried. Der Trail schlängelt sich wunderschön zwischen den kleinen zarten Nadelbäumchen hindurch, ich habe die Baumgrenze erreicht und der Wald wird nach dem überqueren des Nästbaches mit jedem Tiefenmeter dichter. Hier unten ist das Gelände steiler und anspruchsvoller als oben und das Schmelzwasser des Nestgletschers hat sich tief in den Fels hineingefressen.
 
 
Gegen Ried zu kehrt der Flow zurück, zuerst über den Nadelteppich und dann über Gras, bis da wo der Nästbach in die Lonza mündet. Ich kann das kühle Valaisanne-Ämrich welches in der Ferienwohnung auf mich wartet schon riechen und gebe auf den letzten Metern nochmals Gas. Zisch, vom Balkon aus habe ich das Bietschhorn im Blick und kann nachverfolgen, wo ich heute unterwegs war. Dies war sicher nicht mein letzter Besuch in dieser schönen Hütte, denn es hat dort oben noch das einte oder andere, das ich mir gerne mal genauer ansehen möchte.
 

2 Comments

  1. blackCoffee sagt:

    Schöne Gegend das Lötschental und alle Achtung vor den Leuten, die diese Hütte vor so langer Zeit realisiert haben.
    Danke für den Post, der die verregnete (und verschneite) Herbstsaison etwas versüsst.

    • Sven sagt:

      Ja, man kann den Pionieren, welche damals in den Bergen ganz ohne heutige Hilfsmittel die Hütten und Bahnstrecken erbauten, gar nicht genug Respekt zollen 🙇‍♂️

      Der Bauherr der Bietschhornhütte war 1881 der Gastwirt Schrötert vom Hotel Nest- und Bietschhorn am Ried. Nur 22 Jahre zuvor war der Gipfel des Bietschhorns zum ersten Mal bestiegen worden. Der Akademische Alpenclub Bern erwarb dann 1906 die Hütte und baute sie 1921 um. Die letzte Renovation fand 1985 statt und wurde durch den Königlichen Niederländischen Alpenclub gesponsert.

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