Cole de Mille spécial

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Am zweiten Tag im Val de Bagnes möchte ich dem Cole de Mille einen Besuch abstatten und wie ihr euch sicher denken könnt, wird es dabei nicht bei der Standardversion bleiben. Zuerst muss ich am Morgen aber nach Le Châble, um die Medikamente im Notfallset wieder aufzustocken. Zum Glück spricht die nette Apothekerin Deutsch und gibt mir die benötigten Medikamente auch ohne Rezept, so bin ich für alle Fälle gerüstet und der heutigen Tour steht nichts mehr im Wege. In Versegères parkiere ich das Auto und beginne den langen Aufstieg zum Col de Mille, von welchem mich gute 1500 Höhenmeter trennen. Auf der Strasse pedaliere ich über Bruson nach La Côt hoch, die Steigung ist gleichmässig moderat und die Sonne strahlt vom blauen Himmel, ein perfekter Start in den Tag. Im gleichen Stiel geht es danach auf der Forststrasse durch den Wald weiter, bis ich die Baumgrenze erreicht habe. Von hier aus habe ich einen super Blick auf Verbier und all die Touren, welche ich dort schon auf der Karte angeschaut habe. Die einzige welche mich davon wirklich reizen würde, ist die auf den Pierre Avoi.
 
 
Bei der Montagne de Six Blanc komme ich zu diesem metallenen Kreuz, einem beliebten Fotosujet. In der Ferne ist sogar der Mont Blanc zu sehen, auch wenn es nur der der Mont Blanc de Cheilon mit der La Ruinette daneben ist, zwei der höchsten Gipfel rund um Arolla. Von hier aus führt mich ein schöner Singletrails dem Bergrücken entlang zur Ecuries de Mille, wo eine grosse Unterkunft für die vierbeinigen Alpbewohner steht.
 
 
Jetzt ist es nicht mehr weit bis auf den Pass und ich kann links daneben schon mein heutiges Ziel sehen. Über die Alpweiden schiebe ich das Bike nach oben und wundere mich etwas, da ich bisher noch keinem einzigen Biker begegnet bin. Die Tour über den Col de Mille ist doch recht bekannt, aber es führt halt im Gegensatz zur anderen Talseite keine Bahn hoch. Für die letzten paar Meter wandert das Bike dann noch kurz auf die Schultern.
 
 
Oben auf dem Pass angekommen eröffnet sich mir der Blick aufs Mont-Blanc Massiv und ins Val d'Entremont. Die meisten Biker legen hier in der Hütte eine Pause ein, bevor sie weiter der klassischen Route zur Alp Larzai folgen. Mich hingegen reizt der Gipfel nebenan, welcher knapp über der magischen 3k-Grenze liegt. Den Mont Blanc bekomme ich auch von hier aus nicht zu Gesicht, dafür ist die vergletscherte Aiguille d'Argentière zum Greifen nah und auch den Mont Dolent (das Dreiländereck der Alpen) kann man in den Wolken erkennen.
 
 
Ich schwinge mein 301 wieder auf die Schultern und setzt meinen Weg nach oben fort, dabei steigt die Vorfreude auf die Abfahrt mit jedem Schritt. Etwas unterhalb des Vorgipfels lasse ich das Bike zurück, ab hier macht es für mich keinen Sinn mehr es mitzuschleppen. Auf dem Vorgipfel fällt mir eine verschlossene Hütte aus Stein auf, keine Ahnung was diese hier oben für einen Zweck erfüllt. Weiter geht es über eine kleine Hochebene zum Hauptgipfel, von welchem mich jetzt nur noch eine kurze Kletterpartie trennt.
 
 
Geschafft, ich stehe oben auf dem Gipfel und werde mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Direkt vor mir türmt sicher der Petit Combin mit seinem verästelten Gletscher auf und wenn man genau hinschaut, kann man weiter links sogar die Spitze des Matterhornes hinter dem Mont Blanc de Cheilon erkennen. Auch den Passübergang meiner gestrigen Tour kann ich sehen, von der Cabane Brunet aus würde ebenfalls ein Weg auf den Gipfel hier führen. Das 360° Panorama lässt keine Wünsche offen und ich lasse den Blick vom Lac des Toules über die Combingruppe bis nach Verbier schweifen.
 
 
Bei solch einem Panoramagipfel fällt die Rast heute wieder einmal länger aus und ich plaudere noch etwas mit ein paar Wanderern die von der Cabane Brunet aus aufgestiegen sind, bevor ich mich wieder an den Abstieg mache. Mein grünes Fröschchen wartet weiter unten artig auf mich und der Spass kann beginnen. Die Abfahrt zum Col de Mille ist super, hochalpiner Flow vom Feinsten, würde man so auf einem blau-weiss markierte Weg nicht unbedingt erwarten. Aus dieser Perspektive bekommt man sonst als Biker den Col de Mille nie zu Gesicht.
 
 
Unten auf dem Pass mache ich rechtsumkehrt und folge dem für einen Trailrunningevent mit Fähnchen markierten Weg. Der Spass geht nahtlos weiter, ein regelrechtes Trailfeuerwerk präsentiert sich mir hier und einen Grossteil davon habe ich noch vor mir. Weiter unten sehe ich ein paar Biker neben dem Trail stehe und während ich an ihnen vorbeiflitze, ruft plötzlich jemand meinen Namen. Ich stoppe, laufe zurück und staune nicht schlecht, die Welt ist doch klein, es sind Tina und Ben mit denen ich in Zermatt am Bikemeet war. Sie sind mit zwei Locals unterwegs um Fotos zu schiessen und einer der beiden ist kein Geringerer als Ludo May. Zu meiner Schande erkenne ich ihn nicht, obwohl er mir von seinen verrückten Videos her eigentlich bekannt sein müsste.
 
 
Wir rocken zusammen den genialen Trail über den Grat, da hatte ich einen guten Riecher, wenn sich sogar die Locals da drauf austoben. Weiter unten trennen sich unsere Wege dann wieder, während die anderen auf bessere Licht warten hat mich der Trailrausch gepackt und ich fliege weiter über die Alpwiesen talwärts. Der Mix aus Flow und einzelnen technischeren Stellen ist optimal und der Blick ins Val de Bagnes tut sein Übriges dazu.
 
 
Bei Servay komme ich zu einem kleinen Seechen und biege links ab, noch einmal kann ich kurz die Aussicht geniessen, bevor ich bei Les Beutsons in den Wald eintauche. Jetzt geht es nochmals richtig zur Sache, der Trail wird wieder steiler und anspruchsvoller. Obwohl schon etwas ausgefahren, macht er jede Menge Spass und lässt meinen Puls abermals höherschlagen, bis ich in Versegères wieder vor dem Auto stehe.
 
 
Die Abfahrt war durchgehend top, von ganz oben bis unten, einen Klassiker neu interpretiert. Zurück im Hotel geniesse ich das Tourabschlussbierchen heute ganz ohne tierische Störenfriede und lasse es mir anschliessend im warmen Wasser gutgehen. Der Aussenwhirlpool ist der Hammer, genau das richtige um nach einer langen Tour die müden Muskeln zu entspannen, ich würde ihn am liebsten gar nicht mehr verlassen. Nach einem leckeren Stück Fleisch vom heissen Stein schlafe ich heute leider nicht so gut, da gewisse Inselaffen einfach keinen Anstand haben und auch zu später Stunde noch herumlärmen. Dabei könnte ich den Schlaf gut gebrauchen, denn morgen geht es hoch hinaus.
 

6 Comments

  1. Ventoux sagt:

    Einfach Hammer was Du immer wieder leistest. Super Variante vom Col de Mille noch den 3’000-er zu erklimmen. Zudem eine mir noch unbekannte Abfahrt ins Val de Bagnes. Ich fuhr jeweils beim Seelein noch ein Stück weiter und dann erst links runter.
    Ich hoffe Du bist nun auf den Geschmack gekommen mit dem Val de Bagnes und generell Richtung Westalpen, es gibt da noch soo viel zu entdecken. Und ich hätte da noch einen im Köcher, nehme nicht an dass Du den meinst mit “hoch hinaus”, ich vermute da was anderes 😉

    • Sven sagt:

      Ja schon, das Val de Bagnes ist superschön 😍 vor allem der obere Teil mit den malerischen Dörfchen und der (noch) intakten unverbauten Natur. Nach den Tagen kann ich eure Begeisterung verstehen und war sicher nicht das letzte Mal dort.

  2. Ventoux sagt:

    Nach mehrmaligem Studium Deines Beitrages und sonstigen Hinweisen bin ich sicher, dass Du auf dem Gipfel in meinem Köcher WARST!!! Bin seehr gespannt auf den Bericht, ob es sich lohnt 😜

  3. ROTSCHER sagt:

    Cool … da wird es höchste Zeit diese Gegend zu besuchen. Hoffentlich kommt bald der Sommer 😊 Dieser Pass steht wie ein paar andere Touren schon auf der langen ToDo Liste.
    Übrigens schöne Bilder und Impressionen … auch ohne auf das gute Licht zu warten 😉 … da wäre mir der Spass und Genuss auf dem Trail schon um einiges wichtiger …

    • Sven sagt:

      Mir auch, ich bin lieber unabhängig unterwegs und schiesse Bilder nach Lust und Laune, der Spass auf den Trails hat da definitiv Priorität. Wenn man aber extra losziehe um gute Fotos zu machen, dann ist das richtige Licht schon elementar. Beides geht halt (meist) nicht zusammen und man muss Kompromisse eingehen.

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