Das Horn zum Sonntag

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Tina lernte ich über meinen Blog hier kennen und wir verbrachten bereits im August zusammen einen wunderschönen Gipfeltag auf dem Torrenthorn. Nach der schier endlosen Abfahrt merkte ich am Grinsen und dem leuchten in ihren Augen, dass auch sie der Hochtourenvirus gepackt hatte. Da erstaunte es kaum, dass schon bald nach den Auslandferien bei ihr die Sehnsucht nach einem weiteren Bikegipfel gross war. Ich befand mich eh gerade auf dem Sprung ins Wallis und auch der schwerstabhängige David benötigte schon wieder eine Dosis Trails, damit war das Trio für das Horn zum Sonntag perfekt. Am Morgen fahre ich von meiner Ferienwohnung in Evolène aus ins Rhonetal hinunter, wo ich am Bahnhof auf die beiden warte. Dabei kann ich schon einmal den heutigen Gipfel des Tages ins Auge fassen, welcher sich da unscheinbar erhebt.
 
 
Bei schönstem Spätsommerwetter treffen die beiden Üsserschwiizer im Wallis ein und wir pilgern rüber zu der kleinen Luftseilbahn, welche uns die ersten 700 Höhenmeter erspart. Mit drei Bikes und deren Fahrern ist die kleine Kabine proppenvoll und die Bahn muss zweimal fahren, damit alle Wartenden nach oben kommen. Jetzt geht’s los, auf der Strasse gewinnen wir zunehmend an Höhe, die Zeit verrinnt wie im Fluge, wir haben viel zu Plaudern und erreichen schon bald diese Alp, wo für uns fertig ist mit Fahren.
 
 
Jetzt wandern die Bikes für die letzten 400 Höhenmeter auf die Schultern, das Horn ruft. Dem Ruf sind heute auch etliche Wanderer gefolgt und wie fast immer ergeben sich dabei nette Plaudereien, sobald das Bike auf dem Fahrer nach oben reitet ist für Gesprächsstoff gesorgt. Beim Blick auf die gegenüberliegende Bergkette sehen wir die beiden Hörner und den Grat, welchen wir vor kurzen bei unserer Tour im Wolfsrevier mit Rotscher befahren haben.
 
 
Für David und mich gehört das Bikeschleppen ja quasi schon zum Alltag, aber auch Tina hat sich schon gut an das zusätzliche Gewicht am Rücken gewöhnt. Als wir mit ein paar Wanderern plaudern, zieht sie davon und wir müssen schauen, dass wir hinterherkommen. Auf dem gut begehbaren Wanderweg erreichen wir schliesslich das Horn und posieren für ein gemeinsames Gipfelfoto vor dem Steinmannli.
 
 
Dies ist wieder einmal eines dieser genialen Panoramahörner, ganz vorne am Eingang eines Seitentales überblickt man von hier oben fast das ganze Rhonetal. Wir geniessen die Sonne und die Aussicht, was gibt es schöneres als solch ein Tag mit Freunden in den Bergen. Genau solche Top-Down Touren lieben wir, zuerst ein langer Aufstieg, danach ausgiebiges Relaxen auf dem Gipfel und anschliessend eine nicht mehr enden wollende Abfahrt.
 
 
Und in diese nicht mehr enden wollende Abfahrt stürzen wir uns jetzt, viel muss ich dazu wohl nicht mehr erzählen, die Bilder und das Grinsen in unseren Gesichtern sagt alles. Durchgehend fahrbar bereitet sie uns jede Menge Spass, flüssigere Abschnitte wechseln sich ab mit einzelnen technischeren Stellen und David versucht wieder einmal möglichst viel Wegstrecke auf dem Vorderrad zurückzulegen.
 
 
Tina hat nicht nur ihr Bike im Griff, sondern auch die Kamera. Blitzschnell holt sie diese aus dem Rucksack und wirft sich in die Büsche, um uns aus der Froschperspektive abzulichten. An dieser Stelle verweise ich gerne auf die Instagram-Seite der Wanderblondies, wo weitere tolle Bilder im ähnlichen Stiel zu bestaunen sind.
 
 
Plötzlich stehen wir wieder auf der Alp, wo ein paar Stunden zuvor das Bikeschleppen begann. Der Abfahrtsspass ist aber noch lange nicht zu Ende, im Gegenteil, jetzt tauchen wir ein in den Wald, die Aufstiegsroute immer wieder kreuzend geht es weiter auf feinsten Walliser-Trails talwärts. Der Nadelteppich dämpft die Fahrgeräusche, es duftet wunderbar nach Lärchenholz und das Ende des Sommers macht sich langsam auch farblich bemerkbar.
 
 
Zurück bei der Seilbahnbergstation beratschlagen wir kurz, welche der unzähligen Varianten wir für die weitere Abfahrt nehmen sollen. Wir entscheiden uns für eine kleine Zusatzschlaufe und fahren zuerst noch etwas in das Seitental hinein. Dort begeben wir uns auf den Bärenpfad, welcher dem Bach entlangführt und immer noch von dem harten Winter gezeichnet ist. Wir passieren etliche abgerutschte Stellen und es liegt noch viel Lawinenholz in dem Tobel herum.
 
 
Am Ende des Tobels überqueren wir den Bach und wechseln auf den Adonispfad. Der Wald wird immer lichter, bis wir inmitten der Rebberge stehen, wo die Rebstöcke vollbehangen sind mit reifen Trauben. Die Sonne steht schon tief und wir haben noch einen letzten goldgelben Grashügel vor uns, bevor wir wieder zurück unten im Rhonetal sind. Dies ist das tolle am Wallis, die feinen Trails führen meist bis ganz ins Tal.
 
 
Das Bierchen resp. die Glace haben wir uns verdient und so geht ein weiterer wunderschöner Bergtag zu Ende. Es war mir eine Ehre, ich bin jederzeit gerne wieder dabei wenn euch das Trailfieber packt, dann aber hoffentlich auch mit Rotscher, dem Inspirateur zu dieser schönen Tour. Während Tina und David im Zug wieder die Heimreise antreten, fahre ich zurück ins Val d'Herens, wo auf mich noch drei weitere Biketage warten. Aber dazu dann mehr in weiteren Blogbeiträgen, die irgendwann mal noch folgen werden.
 

2 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Schöner Beitrag, herrliches Horn, coole Truppe … und ja, hoffentlich das nächste Mal mit mir, ich würde mich riesig freuen 👍 Die gemeinsamen Gipfeltage sind immer ein Erlebnis. Mal sehen was der Herbst noch so mit sich bringt.

  2. blackCoffee sagt:

    Hoi Sven, super Bilder und schöne Tour. Hoffe es ist bald wieder Sonntag 😉

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