Glacier de Moiry

27. März 2020
Cabane Arpitettaz
13. März 2020
Gipfeldoppelpack
2. Mai 2020
 
Ein paar farbenfrohe Bilder und schöne Erinnerungen an den letzten Sommer, in dieser beängstigenden Zeit, wo wir nicht wissen, wann wir solche Glücksmomente wieder erleben dürfen. Wir befinden uns noch immer im Val d'Anniviers und der Tag begrüsst uns mit wolkenlosem Himmel und Sonnenschein. Nach dem Frühstück setzte ich mich ins Auto und düse nach Sierre hinunter um Marie am Bahnhof abzuholen. Da freue ich mich besonders drauf, wir haben uns schon viel zu lange nicht mehr gesehen. Danach geht es über die unzähligen Kurven wieder zurück hinauf nach Grimentz, wo Beat bereits in den Startlöchern steht. Nach einem schnellen Kaffee machen wir uns auf den Weg zur Luftseilbahn, welche uns ohne Anstrengung zum Corne de Sorebois hinaufbringt. Da der Tag schon recht fortgeschritten ist darf Bähnlibiken heute ausnahmsweise einmal sein, wir werden in den nächsten Tagen noch genug Höhenmeter aus eigener Kraft zu bewältige haben. Ganz ohne Anstrengung geht es dann aber auch heute nicht, das letzte Stück von der Bergstation bis zum Gipfelgrat geht es zu Fuss die extrem steile Skipiste hinauf. Oben auf dem Grat angekommen, eröffnet sich uns der Blick auf den wunderbar türkisblauen Lac de Moiry.
 
 
Die Aussicht auf die Kaiserkrone (Couronne impériale) mit ihren schneebedeckten Viertausendern ist phänomenal und im Gegensatz zu gestern trübt kein Wölkchen die Sicht. Von links nach rechts fällt einem zuerst das mächtige Weisshorn mit seinem kleinen Nachbarn dem Bishorn auf, wo auch schon ein paar verrückte Biker oben waren. Weiter schweift der Blick über das markante Zinalrothorn, über die Wellenkuppel, über das Obergabelhorn und hinter dem Garde de Bordon gückselt die Dent Blanche hervor.
 
 
Ganz rechts kann ich über das Val Moiry hinweg in der Ferne sogar die Roten Nadeln von Arolla und die Sternstunde der letztjährigen Saison erkennen. Ein Prachtspanoramawetter ist dies heut, wie schon damals bei der Sternstunde knallen die Farben auch jetzt wieder mit voller Wucht rein, fast zu kitschig um wahr zu sein. Für Marie muss der Kontrast besonders krass sein, vor ein paar Stunden im Badischen Flachland in den Zug eingestiegen und direkt ins Hochgebirge katapultiert worden.
 
 
Der Weg zum Lac de Moiry hinunter stellt keine grossen Ansprüche, hier wurde leider mit der grossen Baggerschaufel durchgekehrt. Auf der anderen Seeseite fahren wir nach hinten in Richtung Gletscher und Beats Helm passt dabei farblich perfekt zum dem knütschblauen See. An dessen Ende wandern die Bikes auf die Schultern und es geht auf der Seitenmoräne nach oben. Seit ich ein Bild davon bei Instagram gesehen habe, wollte ich unbedingt einmal mit dem Bike hierher und ich habe schon letztes Jahr auf der Tour über den Col de Torrent sehnsüchtig hinübergeschaut.
 
 
Am Ende des Wanderwegs suchen wir uns ein schönes Plätzchen mit Blick auf das grosse Schleckeis und machen Pause. Gletscher habe ich ja schon viele gesehen, aber jeder ist wieder anders und übt aufs Neue eine Faszination auf mich aus. Der wilde Eisabbruch in der Mitte ist das Markenzeichen des Glacier de Moiry und erinnert mich an einen riesigen Mund mit ausgestreckter Zunge. Den grössten Teil des rund 5km langen Gletschers sehen wir von hier aus nicht, da sich dieser oberhalb der steilen Felskante befindet, wo der Eisstrom darüber hinabfliesst.
 
 
Auf der anderen Seite hoch über dem Gletscher sieht man die Cabane de Moiry. Zu ihr führt ein Weg über das Eis und man kann kleine farbige Punkte ausmachen, die sich auf dem Gletscher bewegen. Wir bleiben lieber hier oben in der Sonne sitzen und geniessen die fantastische Aussicht auf den schneeweissen Gletscher und den kitschig blauen See. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, vor dieser spektakulär Kulisse etwas mit unseren Bikes zu posen und Fotos zu schiessen. Eines dieser Fotos mit Beat drauf hat es dann doch tatsächlich in die aktuelle Migroszeitung geschafft.
 
 
Solch optimale Bedingungen zum Fotografieren habe ich leider selten auf meinen Touren, heute stimmt einfach alles, wir sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber jetzt genug in der Sonne ausgeruht, auf das was jetzt kommt freue ich mich schon die ganze Zeit. Wir schnappen uns die Bikes und stürzen uns hinein in das Vergnügen, die Abfahrt auf der Gletschermoräne ist genial und lässt unsere Bikerherzen in Höchstfrequenz schlagen.
 
 
Beim Lac de Châteaupré halten wir kurz an und schauen nochmals hinauf zum Glacier de Moiry und der Gletschermoräne, wo wir gerade drauf hinuntergefahren sind. Auf der Strasse fahren wir anschliessend am Seeufer entlang wieder zurück zur Staumauer. Beim nächste Mal würden wir dies umgekehrt machen, auf der breiten Strasse nach hinten fahren und nach der Abfahrt auf dem Trail am anderen Seeufer zurück.
 
 
Unterhalb der Staumauer vernichten wir über ein paar Kehren etwas an Höhe und biegen dann auf den Wanderweg ein, welcher links von der Strasse in Richtung Grimentz führt. Der Name ist hier leider Programm und wir sind mehr am wandern als am fahren. Erst als wir weiter unten die Strasse überqueren, können wir wieder an Fahrt aufnehmen und es geht zügig dem Bierchen in der Ferienwohnung entgegen. Heute gibt es zum Znacht Spaghetti und Marie zaubert dazu ihre leckere Zucchini-Sauce, diese schmeckt sogar mir als Fleischliebhaber ausgezeichnet. Der Farbenflash unserer Gletschertour wirkt noch nach bis wir in süsse Träume versinken, in denen zwei Gipfel die Hauptrolle spielen, welche wir uns für morgen auf der anderen Talseite im Doppelpack vorgenommen haben.
 

7 Comments

  1. IBEX73 sagt:

    Sehr eindrücklich! Leider hatte es dort bei meinem damaligen Besuch auf einem unbekannten,nahegelegenen Gipfi zuviel Nebel…..und leider sehe ich Dank deinen Bildern auch mein dortiges Projekt in machbaren Dimensionen….grins.Muss ich wohl mal wieder hin,schliesslich pappt nicht umsonst das Wappen des zweitbesten Kantons der CH an meinem Helm.

    • Sven sagt:

      Unbedingt, bin schon gespannt auf dein Projekt 😉

      Ich bring beim nächsten Treffen auch ein Baselbieter-Wappen mit, damit die beiden besten Kantone auf dem Helm vereint sind 😂

  2. blackCoffee sagt:

    Schöner Abstecher einer nicht ganz unbekannten Tour 😉

    • Sven sagt:

      Stimmt, du hast ja diesen Sommer auch den Blick auf den kitschig blauen See genossen. Der Abstecher ist als Gegenpol zum glattgebügelten Trail definitiv zu empfehlen 👍

  3. Super Bilder 👍
    Ich war der Meinung, dass der Weg entlang vom Stausee bikeverbot ist? Aber wie du weisst, kenne ich mich mit Verbotsschildern nicht so gut aus 😂
    Ich habe mich auch gefragt, wieso die Poserbilder so gut sind. Liegt es am Fotograf oder doch eher am Bike oder der weiblichen Fahrerin? 😉
    Mein Büssli wird sicher den Weg ins Val d’Anniviers auch wieder mal finden.

    • Sven sagt:

      Wir haben da auch immer etwas Mühe die Schilder richtig zu interpretieren 😇

      Bombenwetter, ein oranges Beast, ein Liteville und weibliche Fahrerin, da kann der Fotograf gar nicht mehr viel falsch machen 😁

    • Marie sagt:

      Die Konversation ist mir ja bisher völlig entgangen 🙂 Jetzt darf ich schmunzeln 😉
      Jajaja, das Wetter, das Panorama und die Crew waren einfach perfekt 🙂

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