Hohsaas und Hebordtrail

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Coole Sache, am zweiten Tag im Saastal bekomme ich Besuch von David und Armon, heute gibt es Trails en mass ohne viel Aufwärtsgestrampel. Die beiden kommen mit dem gelben Bikeshuttle nach Sass-Grund, wo wir die Bahn aufs Hohsaas besteigen. Diese katapultiert uns vom Talgrund direkt auf 3100müM in die Gletscherwelt, die Sonne strahlt und der Schnee glitzert, der Tag verspricht super zu werden. Anstatt uns bei der Bergstation direkt in die Abfahrt zu stürzen, schleppen wir die Bikes noch ein Stückchen weiter hinauf bis zu dem kleinen Gletschersee. Im Vorfeld des Hohlaubgletscher stehen zwei Zelt, da haben wohl ein paar hier oben die Nacht biwakierend verbracht.
 
 
Kurz darauf starten wir dann auch schon in die Abfahrt über den felsigen Kamm zurück zur Bergstation. Das Training bei Tom ist nicht spurlos an David und Armon vorübergegangen, sie nutzen jede Gelegenheit um auf den Steinen herum zu öhlern. Dies ist gelebte Trailtoleranz, damit die Wanderer den Weg für sich haben, weichen die freundlichen Biker auf die Felsen daneben aus.
 
 
Bei der Bergstation ist die Aufwärmphase abgeschlossen und wir geniessen nur kurz die Aussicht, denn der Blick nach unten auf die Trails ist zu verlockend. Links blicken wir auf das vergletscherte Weissmies mit dem Trifthorn dahinter. Auf der anderen Talseite reihen sich die Dufourspitze, das Strahlhorn, das Allalinhorn, der Alphubel, das Täschhorn, der Dom, die Lenzspitze und das Nadelhorn auf. Die ganze Mischabelgruppe präsentiert sich uns heute in ihrer ganzen Pracht.
 
 
Jetzt geht es los nach unten über die Hinterlassenschaften der Gletscher, welche hier vor langer Zeit mal alles bedeckten. Die Trails sind ein Träumchen, fast schon flowig führen sie durch das Bett der Eisriesen, wir sind umgeben von Steinen und Kies in den verschiedensten Brauntönen, eine wunderbare Szenerie hier oben.
 
 
Vorbei an der Weissmieshütte geht es auf ein Blocksteinfeld zu, die grossen Steinplatten sind sauberer verlegt als in manchem Schrebergarten. So überqueren wir das Trümmerfeld ohne grosse Müh und stehen kurz darauf auf der Seitenmoräne, wo der hochalpine Ritt weitergeht. Dieser ist leider viel zu kurz und schon bald haben wir den Kreuzboden erreicht.
 
 
Hier bei der Mittelstation auf dem Kreuzboden steigen wir auf der rechten Bergseite wieder ein Stück hoch, bevor wir in den genialen Trail zur Triftalp einbiegen. Dieser lässt unsere Herzen höherschlagen, steil und unzählige enge Kehren, die Hinterräder sind die meiste Zeit in der Luft und wir im siebten Himmel. Da kann es schon mal vorkommen, dass man dabei das Fotografieren vergisst.
 
 
Über die Alp Tewald geht es anschliessend auf einem flüssigen Singletrail zur Talstation, wo wir erneut die Gondelbahn besteigen. Diesmal steigen wir aber schon bei der Mittelstation aus und genehmigen uns erstmal Kaffee und Kuchen, bevor es weiter auf den Hebordtrail geht. Dieser fordert uns voll und ganz, sehr steinig und kräftezerren, aber geil. Über das Triftgrätji führt er durchs Hebord mit wunderbarem Tiefblick auf Saas-Fee.
 
 
Nach den Lawinenverbauungen wird es wieder etwas flüssiger und der Trailspass geht so richtig los. Mit Blick auf den Mattmarkstausee steuern wir das Almagellertal an, ein leichter Linksknick und wir sehen weit unten schon die Almagelleralp. Jetzt kann uns nichts mehr halten, die Syntace-Naben lärmen und wir fliegen eine Staubwolke hinter uns herziehend talwärts zum Restaurant mit den roten Läden.
 
 
Für ein Bierchen ist es aber noch zu früh, wir haben das beste noch vor uns. Der Trail von der Almagelleralp nach Saas-Almagell präsentiert sich uns in Form eines fulminanten Schlussfeuerwerkes. Der erste Abschnitt ist noch harmlos und mit ordentlich Tempo fahrbar, sobald wir in den Wald kommen ändert sich dies aber. Der Weg wird wieder anspruchsvoller und biete jede Menge Möglichkeiten zum Herumspielen, neben dem Trail zur Triftalp das Highlight des Tages.
 
 
Direkt beim Hotel Alpenhof kommen wir wieder aus dem Wald hinaus, jetzt ist die Zeit reif für ein Tourabschlussbierchen. In der Sonne lassen wir uns den kühlen Gerstensaft schmecken, bevor David und Armon wieder die Heimreise in die Üsserschwiiz antreten. Das war wieder einmal ein richtig cooler Tag mit jeder Menge Spitzentrails, DANKE Jungs für euren Besuch.
 
 
Abends scheint die Mischabelgruppe zu brennen, während ich auf dem Balkon meinen Kaffee schlürfe. Ich befürchte schon, dass die Wolken den angekündigten Leonidenstrom verdecken werden. Zum Glück verziehen sich diese aber wieder und der Himmel ist gegen Mitternacht sternenklar. Dies ist wieder einmal einer dieser magischen Momente, ich höre gerade "Shine On You Crazy Diamond" und just in dem Moment sehe ich eine grosse Sternschnuppe. Ich wünsche mir etwas und ein paar Minuten darauf erblicke ich schon die nächste. Das Saastal hat mein Herz erobert und ich war sicher nicht zum letzten Mal hier.
 

volle Distanz: 24.81 km
Maximale Höhe: 3187 m
Minimale Höhe: 1559 m
Gesamtanstieg: 1065 m
Gesamtabstieg: -2588 m

6 Kommentare

  1. IBEX sagt:

    “herum zu öhlern”…….hahaha! Sven,genau das ist einer der Gründe ,warum ich dich so gut leiden kann! Wieder ein saugeiler Bericht,auch wenns nur eine TGPT war….

    Wir sehen uns!

  2. ROTSCHER sagt:

    Hihi, der Sven am Bähndlen 😁
    Aber die Eindrücke sind super … und meine Sehnsucht nach dem Saastal sehr gross. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, wo mich die Saaser auf dem Trails erdulden müssen 😎

  3. Ventoux sagt:

    Einmal mehr superschöne Bilder aus einer Gegen, die auch mir noch unbekannt ist. Vielen Dank!

  4. michi220573 sagt:

    Sven, einfach großartig !!! Ich hatte das Saastal auch schon längere Zeit auf dem Programm. Allerdings wusste ich bis jetzt nicht, dass die Bergbahn Biker bis zur Bergstation transportiert. Das scheint relativ neu zu sein, oder? Meine letzte Info war immer, dass mit dem Velotransport bei Kreuzboden Schluss ist. Lt. Website hat es dort aber keine Tageskarte, oder? Das wäre für mich Nichtschweizer ohne Halbtax recht teuer, da sich dort noch weitere Abfahrtvarianten anbieten.

    Ich wünsche mir, dass Du immer jemanden mit auf Tour nimmst, weil dann Biker auf den Fotos zu sehen sind. Ich weiss, wie mühsam Selbstauslöserfotos sind, wenn man allein unterwegs ist. Darum bitte entweder diese Mühe machen oder immer jemanden mitnehmen ;o)

    • Sven sagt:

      Hoi Michi, soviel ich weiss nimmt die Bahn regulär seit letztem Jahr Biker mit bis zur Bergstation. Hatte letzten Winter bei der Tourenplanung extra nachgefragt, da ich dazu nirgends Informationen fand. Auch Tageskarten werden mittlereile angeboten, wenn ich mich richtig erinnere kosten diese um 45CHF rum (ohne Gewähr). Die Webseite der Hohsaasbahnen ist diesbezüglich leider alles andere als aktuell.

  5. blackCoffee sagt:

    Hi Sven, schöner Bericht – die Gegend kommt mir nicht ganz unbekannt vor 😉

    Hatte auch noch im Kopf, dass die Bahn keine Biker mitnimmt…aber Zeiten ändern sich…

    Grüessli & enjoy the trails!

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