Lieblings-Panoramabänkchen

14. Mai 2020
Gipfeldoppelpack
2. Mai 2020
Südrampe extended
27. Mai 2020
 
Letzter Tag im Val d'Anniviers und dritter Tag in Folge mit wolkenlosem Himmel, da meint es Petrus wieder einmal gut mit uns. Heute möchte ich Marie zu meinem Lieblingspanoramabänkchen entführen, welches mir Papa Ibex auf unserer ersten gemeinsamen Tour gezeigt hatte. Da die Tourenlänge mit Bergbahnunterstützung überschaubar ist, gehen wir es am Morgen gemütlich an und nehmen erste eine Stunde später als gestern das gelbe Bikeshuttle nach Saint-Luc. Als wir die Talstation der Standseilbahn erreichen, steht da schon eine grosse Menschenmenge vor verschlossenen Schranken. Die Bahn hat eine Panne und es ist nicht bekannt wie lange es dauern wird, bis diese behoben ist. Sollen wir warten oder losfahren? Wenn wir jetzt losfahren läuft die Bahn frei nach Murphy sicher bald wieder und wenn wir warten, dauert die Panne noch länger an. Nach einer halben Stunde schwingen wir uns dann doch in den Sattel und nehmen den Aufstieg aus eigener Kraft in Angriff, die zusätzlichen 500 Höhenmeter werden uns schon nicht umbringen. Ein guter Entscheid, denn solange wir die Bahn im Blickfeld haben, bewegt sie sich keinen Meter. Auf der Strasse fahren wir durch den Wald hinauf zum weissen Chalet und können dabei zugleich einen Blick auf unser heutiges Ziel und die beiden Gipfel vom Vortag werfen.
 
 
Mit dem Verlassen der breiten Strasse lassen wir gleichzeitig auch die zahlreichen Wochenendausflügler hinter uns und biegen ab auf den ersten Trail, welcher uns über verwaiste Alpwiesen weiter nach oben führt. Anfangs noch gut fahrbar, gehen wir schon bald zum Schieben über und ich drücke aufs Tempo, da wir durch den Bahnausfall Zeit verloren und noch ein ordentliches Stück vor uns haben, sorry nochmals dafür an dieser Stelle.
 
 
Beim See trennt sich die Spreu vom Weizen, jetzt beginnt der harte Teil. Wir schwingen unsere Litevilles auf die Schultern und beginnen den Aufstieg über den anfangs sehr steilen und verblockten Pfad. Der totale Kontrast zu den beiden oft begangenen Wandergipfeln von gestern, hier ist der Weg nicht glattgebügelt und wir sind allein auf weiter Flur. Der Lohn für die ganze Anstrengung ist das Panoramabänkchen auf 3000müM, wohl einer der exklusivsten Orte im Wallis um sich anzulehnen.
 
 
Da habe ich nicht zu viel versprochen, gell Marie? Das Panoramabänkchen bietet eine Rundumsicht der Extraklasse, fast das ganze Zentralwallis liegt uns zu Füssen. Über all die Tage hier im Val d'Anniviers ist das Bishorn und Weisshorn omnipräsent und daneben lächeln uns die beiden Barrhörner an, welche schon seit Jahren auf meiner Wunschliste stehen. Wir lassen uns den mitgebrachten Proviant schmecken und geniessen einfach nur den Augenblick inmitten dieser herrlichen hochalpinen Umgebung.
 
 
Die Uhr tickt, es ist bereits nach 16 Uhr und wir müssen uns langsam auf den Weg machen, wenn wir noch bei Tageslicht zurück in Grimentz sein wollen. Schweren Herzen reissen wir uns von dem Panoramabänkchen los und schnappen uns die Bikes, welche das Bad in der Sonne ebenfalls genossen haben. Der obere Teil der Abfahrt ist top, gut fahrbar und umrahmt von einer Kulisse die es einem schwer macht den Blick auf den Trail gerichtet zu lassen. Im mittleren und vor allem im unteren Teil erwarten uns dann ein paar Knacknüsse, welche wir lieber zu Fuss passieren, da wir leider nicht mit den Skills eines ausgewachsenen Capra Ibex gesegnet sind.
 
 
Ab dem See könne wir es über die abgeweideten Wiesen bis zu der Alphütte wieder rollen lassen, wo wir gute 3 Stunde zuvor die breite Strasse verlassen haben. Natürlich fahren wir aber nicht auf dieser zurück, sondern nehmen den kleinen Gegenanstieg zum Hotel Weisshorn unter die Räder. Hier sind wir wieder mitten im Tourigebiet und kommen mit einer Asiatin ins Gespräch, welche kaum glauben kann, wo wir mit unseren Bikes gerade herkommen. Selbstverständlich stellen wir uns gerne als Fotosujet zur Verfügung, bevor wir in das Finale eintauchen.
 
 
Ein kleines Dessert bestellt und eine ganze Buffet mit lauter farbenfrohen Süssigkeiten serviert bekommen, besser könnte der Abschluss unseres Anniviers-Dinners nicht sein. Der Singletrail führt uns meist leicht abfallend hoch über dem Tal in Richtung Zinal. Ein Träumchen, hier mitten durch die farbigen Büsche in der Abendsonne über den Höhenweg zu surfen und zu dieser späten Tageszeit sogar ganz ohne Wandersleut.
 
 
Hinunter nach Mottec sind wir noch ein letztes Mal gefordert, anfänglich noch zahm, wandelt sich der Trail im Wald zu einem steilen technischen Schmankerl. Auf der Strasse fahren wir anschliessend zurück nach Grimentz und stellen mit Erschrecken fest, dass in einer Viertelstunde schon die Läden schliessen. Mit Hunger möchten wir beide nicht uns Bett, also gebe ich kräftig Gas und erreiche in letzter Minute mit einem Puls nahe an der Explosionsgrenze den Laden. In der Lounge der Ferienwohnung lassen wir dann den Tag bei einem Bierchen und den letzten Sonnenstrahlen ausklingen. Das Prachtwetter dauert auch die nächsten Tage noch an, aber wir müssen leider wieder dem Heimweg antreten, da unsere Ferien zu Ende sind. Die Tage mit euch im Tag im Val d'Anniviers waren einfach supergenial und auch dieses Seitental wusste zu begeistern, wie schon die beiden anderen im Vorjahr.
 

2 Comments

  1. ROTSCHER sagt:

    … und mir fehlt der Besuch von diesem Bänkchen immer noch 🙃 … höchste Zeit wenn die Bergsaison beginnt 🙂
    Übrigens wie immer schöne Eindrücke.

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