Lötschenpass

12. August 2020
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30. September 2020
 
Zum Lötschental habe ich eine besondere Beziehung, waren wir doch da früher mit unseren Eltern jahrelang in den Skiferien und meine Mutter besitzt dort immer noch eine Ferienwohnung. Trotzdem war ich noch nie auf dem Lötschenpass, höchste Zeit dies nachzuholen und wie ihr euch sicher denken könnt, darf dabei natürlich das Bike nicht fehlen. Ich parkiere das Auto am Morgen in Kandersteg und es reicht gerade noch für einen schnellen Kaffee, bevor der Zug auf die andere Lötschbergseite fährt. Bei Talstation der Luftseilbahn dann schon die erste Blamage, ich bleibe mit dem Bike im Drehkreuz hängen und ein Mitarbeiter muss mich aus der peinlichen Lage befreien. Kurz darauf erreiche ich die Lauchernalp und starte auf den Alperlebnisweg, welcher mich zur Hockenalp mit ihrer schönen Holzkapelle bringt.
 
 
Weiter geht es zur Kummenalp, wo der fahrbare Teil bereits zu Ende ist. Während die meisten Wanderer den längeren Aufstieg über die Sattlegi wählen, entscheide ich mich für die Quick & Dirty Variante, welche mich quer zu den Höhenlinien nach oben bringt. Unten ab säumen noch farbenfrohe Alpwiesen den Weg, aber je höher ich komme, desto mehr weichen diese dem rötlichen Gestein. Menschen begegne ich beim Aufstieg keinen, dafür diesem herzigen Trailschaf, welches hier oben ganz allein und verlassen auf dem Weg steht.
 
 
Mit dem Bietschhorn im Rücken gewinne ich schnell an Höhe, heute sind es nur 600 Höhenmeter die es zu bewältigen gilt, ein Klacks im Vergleich zu anderen Touren. Die glattgeschliffenen Felsen und Steinmannli ringsherum sind ganz nach meinem Geschmack, jetzt weiss ich warum meine Mutter so von der Wanderung auf diesen Pass schwärmte. Nach knapp zwei Stunden habe ich die Hochebene mit den kleinen Seechen erreicht und kann mich für ein kurzes Stück in den Satteln schwingen.
 
 
Die Lötschenpasshütte mit der mächtigen Ostwand des Balmhorns im Hintergrund ist jetzt in Griffnähe, nur noch ein paar Schritte, dann habe ich den höchsten Punkt erreicht. Auf der Terrasse mache ich es mir in der Sonne gemütlich und bestelle mir eine Rösti mit Raclettekäse und Bratwurst, was will man mehr. Als Gast wird man hier in der ersten Minergiehütte der Alpen regelrecht verwöhnt und auch der hausgemachte Eistee schmeckt vorzüglich.
 
 
Das grandiose Panorama gibt es in der Lötschenpasshütte gratis dazu, beim Blick gegen Süden glänzen all die Viertausender der Walliser Alpen. Ganz links das spitze Zinalrothorn mit dem mächtigen Weisshorn, weiter reihen sich auf einer Linie das Brunegghorn, der Liskamm und die Dufourspitz auf und schliesslich etwas weiter rechts der Dom mit dem Nadelhorn. Im Osten ist das Bietschhorn omnipräsent, auch wenn ihm hier oben das Balmhorn fast etwas die Schau stiehlt.
 
 
Bei dem Prachtwetter kommt man heute sogar auf 2700müM ins Schwitzen, darum tu ich es den Schäfchen gleich und lege mich zur Abkühlung auf das Schneefeld nebenan. Die Mittagspause fällt heute sehr lang aus und ich genehmige mir nach dem Nickerchen im Schnee noch ein Stück von dem leckeren Schokoladenkuchen, bevor ich mich wieder auf den Weg mache.
 
 
Die Abfahrt beginnt gleich hinter der Hütte und wird von einem Troll bewacht. An solch einem schönen Sommertag ist aber sogar der grimmigste Typ gut gelaunt und lässt mich passieren. Mit dem Segen des trolligen Fabelwesens betrete ich Berner Boden und es ist ein raues steiniges Pflaster, welches mich da in den Ausläufern des Balmhorns erwartet.
 
 
Da ich solch raues steiniges Pflaster liebe, passt dies wunderbar. Neben dem Lötschengletscher geht es talwärts und es ist erstaunlich viel fahrbar. Ich muss zwar bei den gröbsten Stellen immer mal wieder absteigen, aber gut zwei Drittel sind fahrbar und die Kulisse aus Eis und Schnee ist einfach traumhaft schön. Der Lötschenpass wurde schon zu Römerzeiten begangen und das schmelzende Gletschereis hat mehrere Pfeilbogen freigegeben, welche man auf 3500 v.Chr. datierte.
 
 
Weiter unten geht es dann auf das Eis, die Querung des Gletschers steht an. Der Weg ist gut markiert und von Eis sieht man nicht viel, da es über weite Strecken mit Schotter und Steinen bedeckt ist. Die Schmelzwasserbäche habe sich tief in das grosse Schleckeis hineingefressen, aber mit einem beherzten Sprung schaffe ich es hinüber und kann meinen Weg trockenen Fusses fortsetzen.
 
 
Am Ende des Gletschers eröffnet sich mir der Blick ins Gasterntal und auf den gegenüberliegende Kanderfirn, welcher vom Petersgrat hinunterfliesst. So langsam kommt am Wegesrand auch wieder etwas Grün ins Spiel und der Weg ins Tal zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Über den genialen Trail zirkle ich zum Boden der Alp Schönbüel hinunter, wo das Schmelzwasser über einen grossen Wasserfall in die Tiefe stürzt.
 
 
Bei der Gfelalp tauche ich dann in den Wald ein und der Spass geht nahtlos weiter. Für etwas Abkühlung sorgt dabei die Gischt der beiden stiebenden Wasserfälle, macht die Wurzeln und Steine aber auch rutschig. Unten bei Selden vereint sich der Leitibach mit der wilden Kander und ich folge dieser auf ihrem Weg durch das naturbelassene Gasterntal, welches auf beiden Seiten von eindrücklichen Felswänden gesäumt ist.
 
 
Der Wanderweg durch das Gasterntal ist Entspannung pur nach der Fülle der alpinen Eindrücke, ich rolle gemütlich dahin und lasse das Erlebte nochmals Revue passieren. Bei der Chluse-Brücke wird das Wasser noch ein letztes Mal kräftig durchgequirlt und der Biker verschwindet kurzzeitig im Tunnel, bevor er Kandersteg zurollt. Die Tour über den Lötschenpass hat meine Erwartungen übertroffen, die Landschaft dort oben ist traumhaft schön und das herrliche Sommerwetter tat sein Übriges dazu. Ich werde sicher wieder einmal zu dem Pass aufsteigen, denn ich habe da noch so ein Horn entdeckt, welchem ich unbedingt einmal einen Besuch abstatten möchte.
 

4 Comments

  1. blackCoffee sagt:

    “Wieder mal ein Horn entdeckt.”…;-)
    Hoi Sven, danke für’s Teilen. Habe mal einen Bericht der Tour in Gegenrichtung gelesen. Macht das aus deiner Sicht Sinn?
    Lg

    • Sven sagt:

      Jaaein, die Abfahrt ist auch in der Gegenrichtung cool und wohl sogar komplett fahrbar, aber es sind ca. 500 Höhemeter mehr wo das Bike hinauf geschleppt werden muss. Ich wollte unbedingt dem Gletscher entlang abfahren und habe darum diese Variante gewählt.

  2. Ventoux sagt:

    Ja da kommen Erinnerungen hoch, als wir in den 90-er Jahren mit Stahlbikes ohne Federung jeweils die Runde Kandersteg-Lötschenpass-Restpass-Gemmi-Kandersteg gemacht haben. Später fuhren wir dann in umgekehrter Folge, was den Fahranteil bereits beträchtlich erhöhte. Landschaftlich ist die Tour natürlich ein Genuss, trotzdem mit dem Bike für mich ziemlich sinnfrei.

  3. Spoony sagt:

    Wunderschöner Bericht einer tollen Gegend. Das letzte Mal haben mich meine Eltern im zarten Alter von sechs Jahren über den Pass gejagt. Zeit um wieder mal zurückzukehren! Ich werde das Bike aber zu Hause lassen, Bikesteigen tue ich nur im Internet, zB bei Dir!

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