No Fear of the Dark

25. Januar 2020
Engadiner Mittagskogel
10. Januar 2020
Hebdi fescht
5. Februar 2020
 
Der Berg ruft, das beste Mittel gegen den Winterblues und erst recht, wenn dies der schönste Berg der Welt ist. Rotscher und ich folgen dem Ruf ganz nach hinten ins Mattertal und werden am Bahnhof schon vom Portier des Matterhorn-Focus Hotels erwartet. Im Elektromobil geht es in den hintersten Ortsteil, wo wir plötzlich in einem Tunnel verschwinden. Fast wie in einem Bergwerk geht es mit dem Lift ins Hotel hinauf, welches hier an prominenter Lage direkt vor dem markanten Tobleroneberg steht. Zur Begrüssung gibt es ein Zermatt-Bier und auch hier wie könnte es anders sein, lächelt uns das Horu vom Etikett entgegen. Ich hatte ja schon letztes Jahr das Vergnügen mit Beat ein paar fette Spuren im Schnee zu ziehen, heute wiederholen wir dies bei Nacht. Die Vorfreude ist gross und die Temperaturen tief, darum wärmen wir uns vorher noch etwas im schön warmen Whirlpool auf. Eine Wohltat, inmitten der verschneiten Bergwelt im heissen Wasser zu liegen, während die nassen Haare auf dem Kopf innert kürzester Zeit steif gefroren sind. Anschliessend geht es vom heissen Sprudelbad direkt in die dicken Winterklamotten und hinunter ins Dorf, wo wir mit Beat verabredet sind. Wir schnappen uns die Bikes mit den breiten Reifen und der nächtliche Spass kann beginnen. Wie schon beim letzten Mal geht es zuerst durch den Wald zum Findelbachviadukt und von dort aus weiter zum Moostrail. Heute ist aber alles anders, ringsherum ist es stockdunkel und hinter jedem Baum könnte "Eddie the Head" lauern. Wir brauchen uns aber vor der Dunkelheit nicht zu fürchten, denn wir habe unsere starken Lampen dabei. Der weisse Schnee reflektiert das Licht und erzeugt dabei eine geniale Szenerie, während unter uns die Lichter von Zermatt in der Nacht funkeln.
 
 
Der Moostrail spuckt uns unten im Dorf wieder aus und wir nehmen erneut den Aufstieg zum Weiler Furi in Angriff. Es ist bitterkalt und totenstill, nur der Schnee knirscht unter den breiten Reifen, ein Bikeerlebnis sondergleichen, welches uns total fasziniert. Plötzlich hören wir Musik, ist da irgendwo eine Party im Gange? Als wir näherkommen erkenne ich die Stimme, es ist Bruce Dickinson mit seinen Mannen von Iron Maiden, der da "Fear of the Dark" in die Nacht hinausschreit. Vollgeil, das löst bei mir als alter Metalhead gleich ein Zucken in der Nackenmuskulatur aus, bei den Touren mit Fatbike-Zermatt stimmt einfach alles. Angst vor der Dunkelheit haben wir trotzdem keine und pedalieren frischfröhlich weiter an der Bergstation Furi vorbei zum Gitz-Gädi, wo bereits ein reservierter Tisch auf uns wartet.
 
 
In der gemütlichen Gaststube wärmen wir uns beim feinen Käsefondue und einem Fläschchen Heida wieder auf. Das ist eben das Schöne an Zermatt, als Gourmetbiker kommt man hier überall auch kulinarisch auf seine Kosten. Der Chef spendiert anschliessend noch eine Runde Kaffee und Schnäpschen, bevor wir uns wieder warm einpacken und unsere fetten Pferdchen satteln. Auf der Strasse fahren wir weiter in Richtung Zmutt, wo ich am Bike-Meet vor zwei Jahren schon einmal war. Jetzt im Winter liegt der Weiler ganz dunkel und verlassen da, nur unsere Lampen erhellen die dunklen Gassen zwischen den alten Holzhäusern.
 
 
Nun geht es nur noch abwärts, wie kleine Jungs toben wir uns auf den Bikes im Schnee aus und driften was das Zeugs hält, so viel Spass hatten wir im Winter schon lange nicht mehr. Kurz vor Zermatt verlassen wir den breiten Winterwanderweg, denn es wartet noch ein schöner Singletrail auf uns. Auch diesen sind wir bereits im letzten Jahr gefahren, aber jetzt mit Licht in der stockdunklen Nacht, macht es gleich doppelt Spass. Beat hatte nicht zu viel versprochen, so ein Nightride durch den Schnee ist ein ganz besonderes Erlebnis, eine Gaudi die vielleicht am ehesten noch mit dem nächtlichen Schlitteln aus Kindheitstagen zu vergleichen ist.
 
 
Zurück im Dorf schauen wir noch kurz in der Bar-55 auf einen Schlummertrunk vorbei. Wie fast alle Lokale in Zermatt ist auch diese sehr stielvoll eingerichtet und aus dem kurz vorbeischauen wird eine längere Einkehr. Ein paar Einheimische, die sonst für die Gesundheit der Einwohner und Strassen sorgen, sind auch gerade dabei den Sonntag ausklingen zu lassen. Wir kommen ins Plaudern über verrückte Bikeabenteuer und Spikesmissbrauch, eine Runde folgt auf die nächste und als wir uns schliesslich auf den Heimweg machen, ist es kurz vor 2 Uhr in der Früh.
 
 
Trotz der kurzen Nacht sind wir pünktlich wach, um den Sonnenaufgang am Horu bestaunen zu können. Unser Hotelzimmer ist der Hammer, auf der ganzen Länge sind raumhohe Fenster verbaut und man kann vom Bett aus mitverfolgen, wie die ersten Sonnenstrahlen die Spitze des Matterhornes wachküssen. Das Matterhorn-Focus Hotel ist geprägt durch die Handschrift des einheimischen Künstlers und Architekten Heinz Julen. Ein gekonnter Mix aus moderner Architektur, Luxus und einer Prise Verrücktheit, der mir persönlich sehr gut gefällt.
 
 
Nach einem reichhaltigen Frühstück treffen wir um 11 Uhr wieder auf unseren Guide, heute steht noch die Tageslichtvariante auf dem Programm. Wie schon gestern Nacht fahren wir wieder hoch zur Bergstation Furi, wo wir die Strasse verlassen und uns in Richtung Gornerschlucht vorarbeiten. Leider endet die Schlittenspur aber schon bald und im tiefen Schnee ist auch mit den breiten Reifen kein Weiterkommen mehr möglich, also rechtsumkehrt und wieder zurück.
 
 
Endlich erreichen uns die wärmenden Sonnenstrahlen und es glitzert ringsherum wie weiss verzuckert. Winterwonderland beschreibt die Situation ziemlich gut, so kriege sogar ich Gefallen am Winter, wenn doch nur auch bei uns in den Niederungen öfters solche Bedingungen herrschen würden. Direkt unterhalb des mächtigen Felszahnes fahren wir hoch zum Restaurant Stafelalp, wo ich mich schon auf die leckere Rösti mit Pulled-Pork freue.
 
 
Als wir aus dem Restaurant kommen ist die Sonne leider schon wieder weg, um diese Jahreszeit sind die Tage kurz und die Sonnenstunden im Tal entsprechend rar. Wir machen trotzdem noch einen kleinen Abstecher zum Vorfeld des Zmuttgletschers, wo es klirrend kalt ist. Die kalte Luft sammelt sich hier hinten im Talkessel und lässt uns trotz der warmen Kleidung frösteln.
 
 
Beim anschliessenden Driften auf der breiten Strasse wird uns aber schnell wieder warm. Kurzschwingen kann man nicht nur auf den Skiern, auch auf zwei Rädern macht das wedeln mit dem Hintern mächtig Spass. Für das Finale hat Beat noch ein ganz spezielles Schmankerl, welches er so im Winter auch noch nie gefahren ist. Der Singletrail durch den Wald hat es in sich, aber wir meistern ihn souverän, solche Herausforderungen sind genau unser Ding.
 
 
Es folgen ein paar typische Walliser-Ställe am Wegesrand, bevor wir zum Einkehrschwung in den Hennu-Stall ansetzen. Wir parkieren unser Wintersportgerät am Eingang und entern die bekannte Après-Bike Bar. Da im Winter das Wasser im Schlauch des Trinkrucksackes schnell einfrieren würde, ist die regelmässige Flüssigkeitsaufnahme wichtig und darf auf keinen Fall vernachlässigt werden.
 
 
Zum Schluss nehmen wir nochmals den Trail von gestern Nacht unter die Räder. Out of the dark into the light, gleicher Weg aber total verschiedene Impressionen, jetzt bei Tageslicht gibt das Horu einen wunderschönen Hintergrund ab. Kurz darauf stehen wir dann auch schon wieder unten bei der Talstation. Im Gegensatz zu den Skifahrern die hier auf den Shuttlebus warten, können wir mit unserem Wintersportgerät gemütlich zurück ins Dorf rollen.
 
 
Im Wellnessbereich lassen wir anschliessend den Biketag ausklingen. Nachdem wir den ganzen Tag draussen verbracht haben, ist das warme Blubberwasser jetzt genau das richtige. Morgen geht es leider schon wieder nach Hause, aber davor geniessen wir nochmals die Annehmlichkeiten des Hotels und lassen es uns gutgehen. Vor allem der Nightride war ein ganz spezielles Erlebnis und ist nur schwer in Worte zu fassen, man muss es selbst erlebt haben. Ist dein Interesse geweckt? Dann melde dich bei Fatbike-Zermatt, damit auch du einmal die Nacht zum Tag machen kannst.

Bye, bye Horu, es war einmal mehr super hier in Zermatt und wir kommen bestimmt wieder. Zu guter Letzt noch ein grosses Dankeschön an Beat von Fatbike-Zermatt für die unvergesslichen Stunden auf dem Bike und natürlich auch an das ganze Team des Matterhorn-Focus Hotels für die Gastfreundschaft. Bei euch ist der Name Programm und man hat den schönsten Berg fast 24 Stunden im Focus, besser geht es kaum.
 

3 Comments

  1. Hallo lieber Sven!
    Danke für den mega spannenden Blog! Man kann die Fahrfreude von Dir, Rotscher und Beat förmlich spüren.
    Wir durften auch schon mit Beat von Fatbike Zermatt eine nächtliche Tour machen. Es ist einfach mal was anderes den Moostrail in der Nacht und auf Schnee zu erleben. Genial!!!
    MERCI habt Ihr unser Hotel für Euer Zermatter Bike-Abenteuer gewählt und ward unsere Gäste. Bis bald wieder im Horu-Dorf! Herzlich, Christian, Patrizia und das ganze FOCUS-Team

    • Sven sagt:

      Den Dank gebe ich gerne zurück, wir haben die Zeit bei euch in vollen Zügen genossen und kommen gerne wieder 👍

      Zermatt ist immer wieder ein spezielles Erlebnis, sobald man den Zug in Täsch besteigt ist der Alltag plötzlich ganz weit weg und die schönen Berge so nah.

  2. Johannes sagt:

    Super, jetzt hab ich das Lied den ganzen Tag im Kopf! … Das soll keine Kritik sein, ich liebe es 😀 lässiger Bericht, und vor allem wunderschöne Fotos. Vielleicht sollte ich mich auch mal mit den fetten Reifen in diese Gegend wagen, Zermatt ist für mich sonst eher zum Kraxeln und Wandern interessant, für meine Trailsucht halte ich mich eher an den Urlaub in Südtirol. Mal sehen! So oder so genialer Bericht, da bekommt man richtig Lust obwohl der letzte Ausflug auf dem Bike keine drei Tage her ist 😉

    Gruß, Hannes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.