Saaser Perfectday

28. August 2018
Unterwegs im Wolfsrevier
3. August 2018
Hohsaas und Hebordtrail
31. August 2018
 
Das Saastal war bis anhin noch ein weisser Fleck auf meiner Bikekarte, höchste Zeit dies zu ändern. Als kleiner Knirps hatte ich dort meine ersten Gehversuche auf Skiern gemacht und war vor über 20 Jahren im Konfirmationslager das letzte Mal da. Auf der Fahrt durch das Tal kommen die Erinnerungen von früher wieder hoch, der kleine Skilift bei Saas-Balen, die schöne Rundkirche und die Bar wo wir als Konfirmanden heimlich Bier trinken waren. In Saas-Almagell checke ich im Hotel Alpenhof ein, wo ich von den Zurbriggens herzlich empfangen werde. Die beiden sind Gastgeber mit Herz und Seele, man fühlt sich von Anfang an wie daheim und ich kann das Hotel nur weiterempfehlen. Am ersten Abend gibt es gleich Raclette à discrétion, besser könnte die Zeit im Wallis nicht beginnen.

Ganz hinten im Saastal gibt es einen Pass, den ich schon länger auf meiner Wunschliste habe. Bezüglich Bike-Tauglichkeit fand ich im Netz dazu kaum Informationen und war mir lange unschlüssig in welcher Richtung ich die Tour in Angriff nehmen soll, also wieder einmal eine Experimentaltour. Gleich nach dem Dorf geht es auf einer Fahrstrasse aufwärts zu diesem Weiler mit Kapelle, welcher mitten im Almageller Skigebiet liegt.
 
 
Der gut fahrbare Weg führt weiter aufwärts, bis ich diese zwei Alphütten am Eingang des Seitentales erreiche. Hier beim letzten Zivilisationsposten kann man entweder zum Höhenweg aufsteigen oder den Weg dem Talgrund entlang einschlagen, ich wähle Zweiteren. Dieser ist anfänglich noch gut fahrbar, aber schon bald braucht es immer mehr Kraft um die Hindernisse zu überwinden und ich gehen zum Schieben über. So wandere ich durch dieses naturbelassene Tal, immer weiter nach hinten, auf beiden Seiten gesäumt von Felswänden und Gipfeln.
 
 
Nach der Wasserfassung am Talende wird es dann steiler, der Weg verliert sich immer wieder zwischen all den Steinen und das Bike wandert auf die Schultern. Weit oben sehe ich schon den Pass, aber bis da gilt es noch ein paar Höhenmeter zu bewältigen. Unzählige Schweisstropfen später werden die Felsflächen kurz vor dem Pass immer grösser, auf diesen hinunter zu fahren wäre traumhaft, aber sonst macht die Gegenrichtung leider eher weniger Sinn.
 
 
Kurz darauf stehe ich auf dem Pass, welcher zugleich auch die Grenze zu Italien darstellt. Schon im 13. Jahrhundert transportierten Säumer Nahrungsmittel über diesen Pass und die alten Saaser kauften in Italien Schmuck für Ihre Frauen. Auf dem gleichen Weg kam auch der Kupferkessel ins Saastal, der mit der Zeit in den Haushalten kaum mehr wegzudenken war. Für die Italiener war vor allem der Salzhandel wichtig, weshalb 1792 eine Salzsuste auf dem Pass errichtet wurde, deren Überreste heute noch auf dem Pass vorzufinden sind.
 
 
Auf der Schweizer Seite wandert der Blick durch das eben durchschrittene Tal bis zum Balfrin, während links neben mir das markante Stellihorn thront. Auf der Italienischen Seite blicke ich hinunter auf einen Stausee, dessen Bruchsteinmauer Bekanntheit erlangte, weil darauf jeweils Steinböcke herumklettern um das Salz von den Steinen zu lecken.
 
 
Die Pause auf dem Pass fällt nur kurz aus, da ich mich hier noch nicht am höchsten Punkt befinde, von diesem trennen mich noch 200 Höhenmeter und eine knappe Stunde Fussmarsch. Vor diesem Abschnitt habe ich am meisten Respekt, sah er doch auf den Bildern recht ausgesetzt aus. Ich schwinge das Bike erneut auf die Schultern und mache mich auf den Weg, die Felskraxlerei kann beginnen.
 
 
In solchen Situationen möchte ich den HookaBike nicht mehr missen, das Bike hält fest am Rucksack und ich habe beide Hände frei um mich festzuhalten. Das heikelste Stück ist mit Stahlseilen und Fangnetzen gesichert, ich meistere die Passage zu meinem Erstaunen ohne grössere Probleme und erreiche die gegenüberliegende Lücke im Fels.
 
 
Hier gibt es jetzt die wohlverdiente Pause, ich setzte mich auf einen der grossen Blocksteine und stärke mich mit etwas Dosenfutter. Ein Rastplatz mit einem besseren Panorama muss man wohl lange suchen, ich habe freien Blick auf den Alphubel, das Allalin-, Rimpfisch- und Strahlhorn. Etwas weiter links hinter dem Spechhorn versteckt sich in den Wolken irgendwo auch noch die Dufourspitze.
 
 
Frisch ausgeruht mache ich mich nun an die Abfahrt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der steile oberste Teil fahrbar ist. Aber weit gefehlt, nach den ersten Metern kann ich mich schon in den Sattel schwingen und den grobschotterigen Abhang hinunterzirkeln. Der Weg bleibt bis hinunter ins Hochtal anspruchsvoll aber stets fahrbar, eine Landschaft ganz nach meinem Geschmack mit all den schönen Gipfeln ringsherum, da schlägt das Bikerherz gerade etwas schneller.
 
 
Auch unten im Tal ist nichts mit gemütlichem Dahinrollen und das ist gut so, der Weg ist immer wieder mit kleinen und grösseren Steinen durchsetzt. Dieses weitläufige Hochtal ist ein Traum, das Allalinhorn kommt immer näher und dahinter rückt sich langsam die Mischabelgruppe mit dem Täschhorn und Dom ins Blickfeld. Ich komme zu einer Verzweigung und Treffe wieder auf das Pärchen, mit welchem ich schon oben auf der Lücke kurz plauderte. Von hier aus könnte man noch einen Abstecher zum Pass mit der goldenen Madonna-Statue machen, ich setzte aber den Weg lieber nach unten fort.
 
 
Vor mir taucht jetzt der Stausee auf, hoch über ihm folge ich weiter dem genialen Weg, der Tag wird immer besser. Während das Volk unten auf dem breiten Weg den Stausee umwandert, kann ich hier oben diesen Trail geniessen, was will man mehr. Die letzten Meter hinunter zum See werden dann wieder richtig steil und ich muss vor der einten oder anderen Kehre kapitulieren.
 
 
Dieser Staudamm hatte mich schon damals als kleinen Bub fasziniert. Ich konnte kaum glauben, dass ein aufgeschütteter Erddamm diese gigantischen Wassermassen zurückhalten kann, die Faszination hält bis heute an. Auf der anderen Seite das Staudammes dann das nächste Highlight, der verästelte Bach des Allalingletschers, welcher da über die vom Gletscher geformten Felsen nach unten fliesst.
 
 
Als Abschluss folgt jetzt noch der Weg zurück nach Saas-Almagell, da treffe ich auch wieder auf die beiden Trailrunner, welche heute die gleiche Tour wie ich im Laufschritt absolviert haben. Anfänglich ist der Trail noch gut fahrbar, in den Ausläufern des Gufers ist aber an ein Weiterkommen auf dem Bike nicht mehr zu denken, halb so schlimm, das Wandern durch diese lärchenduftende Steinlandschaft macht auch so Spass.
 
 
Dies war heute ein Perfectday, das sind immer die besten Touren, wenn man nicht genau weiss was einem erwartet und dann mit der Abfahrt den Jackpot zieht wie hier. Das Saastal braucht sich wahrlich hinter seinen Zermatter Nachbarn nicht zu verstecken. Auf dem Balkon des Hotelzimmers geniesse ich anschliessend noch die Abendsonne, bevor ich mich kulinarisch verwöhnt lasse. Man merkt, dass dem Küchenchef hier im Hotel Alpenhof sein Beruf Spass macht, das Nachtessen mundet vorzüglich und rundet diesen perfekten Tag ab.
 

4 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Das Saastal ist für mich ein unbekannter Fleck auf der Landkarte. Das wird sich wohl ändern müssen 😁 Die Bilder sehen super aus … und die goldene Madonne und die Steinböcke in der Staumauer hätten sicher auch nichts gegen meinen Besuch …

  2. blackCoffee sagt:

    Hi Sven, schöne Tour – Du wagst Dich immer wieder an besonders schöne Flecken…
    Den Walserweg zur goldenen Madonna beschreibe ich demnächst auf meinem Blog.
    In Kombination mit dieser Tour vermutlich eine Hammertour…

    • Sven sagt:

      Hoi Ändu, dann bin ich gespannt auf deinen Bericht 😉
      Ja, als Kombination würde dies sicher eine Hammertour abgeben, aber auch eine harte 💪 da kommt einiges an Höhenmeter Bikeschleppen zusammen.

  3. spectres sagt:

    Sali Sven
    Tolle Tour – davon kenne ich nur den unteren Teil über gem Stausee, wo’s wirklich anspruchsvoll zu fahren ist. Hab dort mal eine Explorertour gemacht. Den Pass mit der Suste habe ich schon lange in meiner immer noch viel zu langen Liste.

    Ich hoffe, wir sehen uns bald – auf einer Tour…
    So long: Happy trails, bernhard

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.