Tag der Hörner

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11. Oktober 2017
 
Schon etwas länger her meine letzte Tour mit Ventoux, da musste ich bei seiner Anfrage nicht lange überlegen, ob wir Lust auf ein paar Walliser Hörner hätten. Ich setze mich in den frühestmöglichen Zug mit dem Ziel Fiesch, wo ich mich um 9 Uhr mit Ventoux und Rotscher verabredet habe. Es scheint langsam zur Gewohnheit zu werden, dass ich im Zug ins Wallis auf Leser meines Blogs treffe. Diesmal sind es Michu und sein Kollege, welche meine Saflischpass-plus Variante ausprobieren wollen. Nach einer kurzweiligen Zugfahrt treffen wir in Fiesch ein, wo sich unsere Wege wieder trennen. Ventoux wartet schon beim Bahnhof und weniger später trifft auch Rotscher ein, wir schwingen uns auf die Bikes und fahren ein Stück weit die Hauptstrasse hinauf bis zur Hängebrücke.
 
 
Die 280m lange Brücke über die Lammaschlucht wurde 2015 eröffnet und verbindet Fürgangen mit Mühlebach. Über sie gelangen wir gemütlich auf die andere Talseite, wo wir den Aufstieg nach Binn in Angriff nehmen. Da in Binn das Restaurant bei der Steinbrücke aktuell geschlossen ist, verlegen wir unsere Kaffeepause in die Gartenwirtschaft vom Albrun. Anschliessend fahren wir weiter durch das Binntal nach Fäld, der hintersten Ortschaft im Tal. Hier ist die asphaltiert Strasse zu Ende und es geht auf der Alpstrasse weiter.
 
 
Anfänglich noch durch den lichten Wald, erreichen wir langsam die Baumgrenze und es eröffnet sich uns der Blick auf die Blinnenhorn-Kette, welche sich der nahen Landesgrenze entlang zieht. Bis Schinerewyssi verläuft der Aufstieg weiter gemütlich auf der Alpstrasse und wir haben genug Zeit um zu plaudern, die letzte gemeinsame Tour liegt ja schon etwas zurück.
 
 
Beim Blick nach Süd-Ost fällt uns ein markante Einschnitt in der Gebirgskette auf, der Albrunpass, meine beiden Kollegen haben diesen auch schon befahren. Hier verlassen wir jetzt die Alpstrasse und biegen links ab ins Gelände. Zuerst müssen wir etwas schieben, können dann aber bis zum ersten Horn des Tages wieder fahren.
 
 
Auf dem Gandhorn sind wir nicht alleine, eine Gruppe Wanderer geniesst ebenfalls die Aussicht inmitten der goldgelben Wiesen, einfach herrlich die Herbstzeit hier im Binntal. Wir stärken uns kurz und stechen dann runter in das kleine Tälchen wo der Fäldbach fliesst, der erste Trail des Tages weiss schon mal zu begeistern.
 
 
Der ganz grosse Trailspass muss aber noch etwas warten. Unten im Tälchen angekommen geht es zuerst nochmals aufwärts, wir schultern unsere Bikes und kämpfen uns den steilen Hang hinauf. Bis oben auf den Grat sind es etwa 400 Höhenmeter und Ventoux ist mit seinem leichten Hardtail hier deutlich im Vorteil. Irgendwann komme dann auch ich schnaufend oben an und wir legen eine weitere Pause ein. Die Aussicht von unserem Rastplätzchen ist super, wir blicken von oben ins Rappetal, hinter uns das Holzjihorn, dahinter die Rappehörner mit ihrem Gletscher und weiter rechts das auffällige Ofenhorn.
 
 
Jetzt beginnt der Spass über den behornten Grat, wir fahren zuerst noch etwas aufwärts und stehen schon bald auf dem zweiten Horn des Tages. Ist dies vielleicht schon das Grosse Fülhorn, nein ist es nicht, dies liegt erst weiter vorne. Zuerst geht es wieder runter in die nächste Senke, übermütig flitzen wir über die gelbe Wiese nach unten. Vereinzelt hat es noch kleine Schneeresten, da muss ich natürlich unbedingt darüber räubern, hätte ich besser sein lassen. Unter dem einten Schneefleck verbirgt sich ein Vertiefung, welche sich nicht so gut mit meinem Vorderrad verträgt. Ich nehme wieder einmal unfreiwillig eine Flugstunde. Der Einschlag ist recht heftig und der Kopf bleibt zum Glück dank Helm heil, was man vom Oberschenkel nicht behaupten kann, dessen Blauton wir mich woh noch länger an die Tour erinnern.
 
 
Etwas vorsichtiger rolle ich den Rest runter, bevor der Anstieg auf das nächste namenlose Horn folgt. Von diesem geht es dann leicht abwärts zum Grossen Fülhorn, dem höchsten Horn unserer Tour. Das Rappetal präsentiert sich von hier oben im wunderbaren Farbenspiel, an den Hängen leuchten die roten bodennahen Blaubeersträucher, das Gras ist goldgelb und die Nadelbäume noch dunkelgrün. Wir können fast den ganzen Verlauf der weiteren Tour sehen und freuen uns schon auf den Trail unten dem Milibach entlang.
 
 
Den obersten Teil vom Grossen Fülhorn hinunter müssen wir schieben, die Reifen finden einfach zu wenig halt im losen Untergrund. Schon bald können wir uns aber wieder in den Sattel schwingen und den Rest des Horus rocken, genial wie sich der Trail hier über den Schweifegrat zieht.
 
 
Das Kleine Fülhorn besteigen wir nicht mehr ganz, sondern halten uns an den Weg links rum, welcher uns zum Gipfelkreuz bringt. Von hier aus präsentiert sich das Grosse Fülhorn als richtig imposantes Horn, von der andere Seite her war es nicht wirklich als solches zu erkennen. Auch der Blick ins Binntal und zum Saflischpass rüber braucht sich nicht zu verstecken, Panoramamässig biete diese Tour so einiges.
 
 
Anschliessend müssen wir nur noch zum Eggerhorn rüber queren, das nächste Horn, das nächste Gipfelkreuz und schon wieder ein Panorama das sich sehen lassen kann. Der Blick ins Goms, in das Aletschgebiet und auf die umliegenden Gipfel ist super. Ich verweise HIER einfach mal auf das Panoramafoto meines letzten Besuches. Die Pause auf dem Eggerhorn kommt mir gelegen, ich spüre den Sturz immer noch etwas in den Knochen und lege mich ins Gras um etwas zu relaxen.
 
 
Frisch ausgeruht machen wir uns an die Abfahrt, welche uns zuerst ein paar Meter auf dem gleichen Weg zurückführt. Ein erhabenes Gefühl hier oben über die Schafgale-Ebene zu fahren, hoch über dem Rappetal, mit Blick auf den folgende Trail und die Hörner welche wir heute alle schon befahren haben.
 
 
Dann geht es runter uns Rappetal, der Trail zieht sich wie ein Strich durch den gelben Hang zwischen den grünen und roten Sträuchern hindurch. Grosse Teile davon sind fahrbar, aber immer mal wieder sind die Furchen einfach zu tief, so dass wir mit den Pedalen anstossen und absteigen müssen. Es gilt auch zwei felsige Einschnitte und ein einige verblockte Stellen zu überwinden. Die paar unfahrbaren Stellen schmälern aber den Spass keineswegs und wir kommen dem Talgrund immer näher.
 
 
Als ich diesen Teil der Tour im August des letzten Jahres fuhr, war alles noch sattgrün. Jetzt inmitten der herbstlichen Farben präsentiert sich die Gegend nochmals ganz anders. Weiter unten folgen ein paar Spitzkehren und Rotscher macht uns vor wie es gehen würde. Nach ein paar Versuchen gebe ich aber auf, die Wegränder sind für mich zu hoch, soweit kriege ich das Hinterrad nicht hoch.
 
 
Ventoux der vorausfährt, wählt die Direttissima Variante zum Milibach runter, obwohl sich etwas weiter oben eine Brücke befinden würde. Jetzt müssen wir schauen, wie wir möglichst trocken über den Bach kommen. Augen zu und durch, die Füsse bleiben so halbwegs trocken.
 
 
Weiter geht es auf dem Trail dem Milibach entlang talwärts. Jetzt kann uns nichts mehr halten und ich kann nachvollziehen warum mein Kollege Piotr immer so von diesem Trail schwärmt, Trail-Rock'n'Roll vom feinsten. Wir lassen es fliegen, wie heisst es doch so schön, das Beste kommt zum Schluss, dies ist auch hier der Fall.
 
 
Beim Niederärner Chäller geht es dann in den Wald rein und wird stellenweise wieder etwas technischer, für uns aber kein Grund gross Tempo rauszunehmen. Eine Staubwolke hinter uns herziehend vernichten wir die letzten Höhenmeter, Hammer, der Trailrausch dauert an bis wir die ersten Häuser von Mühlebach erreichen.
 
 
Hier schliss sich die Runde wieder und wir klatschen ab, das war ein Finale ganz nach unserem Geschmack. Über die Hängebrücke rollen wir anschliessend zurück nach Fiesch, wo wir am Morgen gestartet sind. Super war er, unser Tag der Hörner. Die Touren mit euch beiden zählen immer wieder zu den Highlights der Saison, wir sind da so ziemlich dem gleichen Virus verfallen und ich hoffe dass noch manch so tolle Erlebnisse folgen werden.
 


volle Distanz: 43.25 km
Maximale Höhe: 2747 m
Minimale Höhe: 1049 m
Gesamtanstieg: 1935 m
Gesamtabstieg: -1938 m

4 Kommentare

  1. ROTSCHER sagt:

    Ohhh, diese Gegend und diese Herbstfarben 👍… himmlisch. Du hast mich mit dem Beitrag und den Bildern wieder ins Wallis zurückversetzt. Es war ein echter Hammertag mit euch. Es sind wirklich immer unvergessliche Bikestunden mit euch. Umso mehr freue ich mich auf das nächste Mal 😎.
    Hoffentlich sind deine blauen Flecken bereits Vergangenheit. Immer gut wenn ein Schutzengel mitfliegt 😉

    • Sven sagt:

      Halb so schlimm, der Blauton hat mittlerweile ins grünliche gewechselt 🤣 dafür verspüre ich jeweils am Morgen nach dem Aufstehen immer noch leichte Nackenschmerzen, was mich aber letzten Donnerstag nicht von einer physischen Rückversetzung ins Wallis für einen weiteren Hammertag abhielt 😀

  2. blackCoffee sagt:

    Super Bilder – hoffe dass es ein andermal klappt.
    Den Albrunpass habe ich auch noch auf der Wunschliste….Falls Du Interesse hast, melde Dich einfach…

  3. Ventoux sagt:

    Es war ein unbeschreiblich schöner Tag mit Euch Beiden. Die Erinnerungen werden sehr lange anhalten. Die Stimmung mit diesem Farbenspiel im Herbst ist einfach einmalig schön. Wir wissen ja alle, dass der Herbst viel zu wenig lang dauert. In diesem Sinne auf ein nächstes Mal.

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