Albristhore

Alla Scoperta secondo
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Ammertenspitz
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Nach langer Funkstille wieder mal ein Lebenszeichen, wenn auch nicht ganz so oft wie gewollt, war ich in diesem bescheidenen Sommer doch das einte oder andere Mal mit dem Bike unterwegs. Zum Start meiner Augustferien zeichnete sich tatsächlich eine kurze Schönwetterphase ab, also schnell meine sieben Sachen gepackt und los in Richtung Berge. Auf der Oberland-Bernois-Valais Tour erhielt ich einen Insidertipp für einen Gipfel, welcher mit dem Bike machbar sein müsste. Mein Interesse war geweckt und beim Kartenstudium entdeckte ich sogar noch einen zweiten möglichen Kandidaten. Das ergibt ein schönes Zweitagesprojekt und ein Grund der Lenk wieder einmal einen Besuch abzustatten. Als Basis wähle ich das Hotel Wildstrubel und es macht seinem Namen alle Ehre, vom Balkon aus hat man einen super Blick auf den wilden Strubel, welcher mich vor zwei Jahren hart an meine Grenzen brachte.
 
 
Am nächsten Morgen präsentiert sich mir das Berner-Oberland wie aus dem Bilderbuch, die Sonne lässt die Hügellandschaft in saftigem Grün erstrahlen und die verschneiten Gipfel glitzern weiss. Ich überquere den Flugplatz und beginne den Aufstieg in das urtümliche Färmeltal mit seinen verstreuten Bauernhäusern und blumenreichen Alpweiden. Nach der langen Schlechtwetterpause sauge ich die Bergwelt regelrecht in mich auf, der Duft der frischgemähten Wiesen und die Stille ist eine Wohltat für die gestresste Alltagsseele. Aber leider werde ich schon bald darauf durch lautes Knallen aus der heilen Welt gerissen und es ist vorbei mit der friedlichen Stimmung. Da meint doch die beste Armee der Welt tatsächlich, dass sie an einem Samstag mitten in der Hochsaison in dieser idyllischen Landschaft ihre Schiessübungen abhalten müssen, so etwas geht gar nicht.
 
 
Bei der Alp Grod ist das Strässchen zu Ende und somit auch der fahrbare Teil. Das Bike wechselt auf die Schultern und der Blick schweift nach oben, wo mein heutiges Ziel direkt vor mir steht. Bis zum Furggeli hinauf ist es eine gemütliche Bikewanderung und ich werde mit einem wunderbaren Blick auf Adelboden belohnt. Jetzt wird es steiler, der Weg muss teilweise gesucht werden und die einte oder andere Kraxelpassage hat es auch, ich bin voll und ganz in meinem Element. In ihrem Element ist auch die Trailrunnerin, welche mir von oben entgegenkommt. Wir wechseln ein paar Worte und setzten unseren Weg fort, sie talwärts und ich schnaufend dem Gipfelkreuz entgegen.
 
 
Geschafft, der erste richtig hohe Gipfel der Saison ist erreicht und was für einer. Das Albristhore ist der letzte und zugleich höchste Gipfel der Niesenkette und im Winter vor allem als Skitourengipfel bekannt. Im Sommer bietet sich das Horn aber auch als Bikegipfel an, da hat mein Insidertipp nicht zu viel versprochen, der Rundumblick auf die Berner- und Walliseralpen ist beeindruckend. Angefangen mit Eiger, Mönch und Jungfrau, schweift der Blick weiter über das Bietsch- und Balmhorn, es folgen das Rinder- und Steghorn, der mächtige Wildstrubel und schliesslich ganz rechts das Wildhorn.
 
 
Die Wetterstation auf dem Gipfel ist grösser als das Kreuz und wird noch schnell mit einem Hebdi-Aufkleber verziert, bevor ich die Knieschoner umschnalle und mich in die Abfahrt stürze. Der Gipfelhang ist ein Träumchen und fast komplett fahrbar, das hätte ich nicht gedacht. Zuschauer habe ich dabei von weit oben, mehrere Gleitschirmpiloten ziehen ihre Kreise über dem Gipfel. Nach der Kür folgt die Pflicht in Form eines kurzen Aufstieges zum nächsten namenlosen Zwischengipfeli.
 
 
Der nun folgende Sattligrat steht dem Gipfelhang um nichts nach und der Spass wird bis zum Seewlehore nur durch einen kleinen Gegenanstieg unterbrochen. Schier endlos lang zieht sich der Weg wie ein Strich über den Grat inmitten dieser schönen Landschaft, den wilden Strubel dabei stets im Blick. Die Piloten an ihren Schirmen über mir verfolgen mich und fragen sie wohl, was dieser verrückte Typ mit dem Bike da oben sucht.
 
 
Nach dem Seewlehore ist der alpine Teil leider zu Ende, der Pfad führt jetzt nicht mehr über Stock und Stein, sondern verläuft teils tief eingefurcht durch steile Wiesen. Ich versuche hi und da ein paar Meter zu fahren, kapituliere aber schon bald und belasse das Bike auf den Schultern. Im Nachhinein wäre ich wohl besser beim Tierberg rechts abgebogen, aber ich halte mich an den geplanten Weg und bestreite den Laveygrat so grösstenteils zu Fuss.
 
 
Auf dem Hahnenmoospass kann ich wieder aufsitzen und fahre weiter in Richtung Metschstand. Die letzte kurze Tragetrecke hat es nochmals in sich und dann geht mir auch noch das Wasser aus, zum Glück geht es jetzt nur noch abwärts. Nicht nur die Gleitschirmpiloten nutzen hier die Thermik, auch eine Gruppe Modellsegler lässt vor meinem morgigen Ziel ihre Flugzeuge kreisen. Sie outen sich ebenfalls als Biker und schon bald taucht die Frage auf, ob ich nicht der von dem Bikeblog sei. Das grüne Fröschchen hat mich wieder einmal verraten. Als Abschluss gibt nun nochmals tausend Tiefenmeter feinste Singletrails, über Alpweiden und durch den Wald geht es zurück in die Lenk, wo schon das wohlverdiente Bierchen auf mich wartet.

Fazit: So manche Skitour bietet sich im Sommer als Biketour an. Wenn auch nicht alles fahrbar, ist das Albristhore für unsereins doch ein Lohnenswerte Ziel, mit einem Grat, der seinesgleichen weitherum suchen muss.
 

1 Comment

  1. Ventoux sagt:

    Eine wunderschöne Gegend zuhinterst in der Munichrine, die eigentlich mehr besucht werden sollte. Merci für die schönen Bilder und Eindrücke.

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