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Belvédère Scuol

10. Februar 2024
Inn
Monte Moro Pass
19. Januar 2024
Monte Moro Pass
19. Januar 2024
 

Belvédère, schöne Aussichten, die hat man in Scuol definitiv, ob vom Hotelzimmer aus oder auf dem Trail. Nach dem Aufenthalt in Saas-Fee verbringe ich einen Tag zu Hause um schnell die Bikeklamotten zu waschen und dann geht der Gourmet-Biketrip auch schon weiter ins Unterengadin. In meinem Stammhotel dem Belvair ist leider kein Platz mehr frei, aber im Belvédère kann ich noch ein Zimmer ergattern. Das altehrwürdige Hotel gehört der gleichen Familie und verfügt ebenfalls über einen direkten Zugang zum Bogn Engiadina. Am ersten Tag möchte ich eine Tour in einer neuen Variante unter die Räder nehmen, welche ich vor vier Jahren bereits einmal gefahren bin. Mit Blick auf die Baselgia San Geer überquere ich den Inn und mache mich an den Aufstieg durchs Val S-charl. Ich gebe kräftig Gas und erreiche schon nach einer Stunde den Weiler S-charl, hier biege ich links ab in Richtung Alp Sesvenna. Bei der Alphütte treffe ich auf zwei Mädels mit Bikes, welche im Gegensatz zu mir das Postauto bis S-charl genommen haben und darum noch nicht so ausgepowert sind. Die beiden möchten über die Fuorcla Sesvenna, während mein Ziel den Namen Fuorcla da Rims trägt.

 

 

Weit oben kann ich schon die Fora da l'Aua erkennen, aber der Weg dorthin ist steil und steinig. Es erwartet mich einer der härtesten Aufstiege seit langem und ich komme auf dem losen Untergrund nur mühsam voran. Ein entgegenkommender Wandere hält mich für verrückt und warnt mich, dass es oben noch viel schlimmer werde. Umkehren ist jetzt aber keine Option mehr und entgegen der Prophezeiung komme ich mit dem kettengesicherten Weg über die Felsen besser zurecht als mit dem losen Untergrund, da ich mich hier wenigstens festhalten kann. Ziemlich am Ende meiner Kräfte erreiche ich den wunderschönen Lajet da Lischana, wo es erstmal eine kurze Erholungspause gibt.

 

 

Nun geht es weglos weiter durch die Mondlandschaft, bis ich das rote Panorama-Bänkchen auf der Fuorcla da Rims erreiche. Ursprünglich wollte ich eigentlich noch auf den Piz Lischana, aber dieser bleibt wohl wegen dem Felssturz dauerhaft gesperrt und nur auf den Vorgipfel habe ich wenig Lust. So fällt die Pause und das Plauderstündchen mit den beiden Damen halt etwas länger aus, bevor ich mich an die nicht mehr enden wollende Abfahrt mache.

 

 

Zu der Abfahrt nach Scuol muss man wohl nicht mehr viel sagen, 1800 Tiefenmeter Trails vom Feinsten, alle Spielarten sind vertreten und ich komme aus dem Grinsen kaum mehr heraus. Zurück im Hotel geht es nach einem Tschliner-Bier direkt ins Bogn Engiadina, wo sich die müden Beine im warmen Thermalwasser erholen können, Belvédère auf den Piz Lischana inklusive.

Am zweiten Tag steht der Piz Minschun auf dem Programm, denn mit diesem habe ich noch eine Rechnung offen, nachdem ich ja letztes Mal restalkoholbedingt kapitulieren musste. Ich habe mich gestern Abend beim vergorenen Traubensaft extra zurückgehalten und bin heute richtig fit. Auch diesmal nimmt mir die Gondelbahn die ersten Höhenmeter ab und ich schwinge mich auf Motta Naluns in den Sattel. Rechts von der rostigen Palme kann ich mein Ziel schon erkennen, welches gerade im Schatten der einzigen Wolke liegt.

 

 

Via Alp Clünas umrunde ich den gleichnamigen Piz und gelange schliesslich zum Lai da Minschun. Hier beginnt der eigentliche Aufstieg, ich hänge das Bike am HookaBike ein und kämpfe mich den losen Steilhang hinauf. Von hier aus habe ich einen super Blick auf den gegenüberliegenden Piz Clünas, nach welchem ich das letzte Mal kapitulieren musste. Nach einer kurzen felsigen Passage stehe ich auch schon vor dem Gipfelhang und der Weg über den Südwestgrad macht jetzt schon Appetit auf die Abfahrt.

 

 

Der Weg ist erstaunlich gut ausgebaut, dafür dass es kein offizieller Wanderweg ist. Kurze Zeit später habe ich den Gipfel erreicht, wo mich heute einmal kein Kreuz sondern ein kleines Häuschen erwartet, worin das Gipfelbuch verwahrt wird. Die paar Wanderer machen sich gerade an den Abstieg und so habe ich den Gipfel ganz für mich allein. Ich entledige mich der überflüssigen Kleidung, packe meinen Proviant aus und lege mich in die Sonne. Herrlich, Belvédère auch hier, der Panoramablick auf die Gipfel der Silvrettagruppe ist Extraklasse.

 
 

Tiefenentspannt mache ich mich nun an die Abfahrt und der Gipfelhang ist wie erwartet ein Träumchen. Es folgt die etwas ausgesetzte Felspassage und dann erblicke ich einen verlockenden Weg auf den gegenüberliegenden Minschun Pitschen. Um den kleinen Bruder des Piz Minschun auch noch mitzunehmen bin ich aber zu lange in der Sonne gelegen und mache mich darum gleich an den Abstieg zum See hinunter.

 

 

Nach der Northshore noch ein letzter Blick zurück zum Gipfel und dann folgt der ausgebaute Trail zur Alp Laret. Wie schon beim letzten Mal biege ich nun auf den Höhenweg ein und vernehme schon bald darauf ein komisches Geräusch. Kruzifix, da ist mir doch tatsächlich eine Speiche gerissen, der erste Defekt an dem Carbonlaufradsatz in den letzten 5 Jahren. Egal, ich knipse den Rest mit dem Seitenschneider ab und weiter geht es in Richtung Motta Naluns.

 

 

Heute möchte ich einmal den Weg durch die Clozza-Schlucht ausprobieren und verlasse kurz unter der Bergstation den offiziellen Biketrail. Zuerst erwartet mich ein superschöner Weg durch den Wald, bevor ich bei Flönas in die wilde Schlucht eintauche, wo das gleichnamige Mineralwasser entspringt. Auch der heutige Biketag endet im warmen Thermalwasser und beim Abendessen kann ich es nochmals richtig krachen lassen, da ich ja morgen wieder die Heimreise antrete. Als Abschluss gibt es zum Dessert von dem superfeinen Chaschölin da füm und wie schon bei meinem letzten Besuch, nehme ich mir gleich noch eins von den geräucherten Geisskäslein mit nach Hause.

 

3 Comments

  1. Michi sagt:

    Ein Foto von der roten Panoramabank wäre noch wünschenswert. Ansonsten grandios !!!

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