Lej da la Tscheppa

27. April 2023
10 Jahre Halfmoon-Biking
14. April 2023
Chamanna da Tschierva
11. Mai 2023
10 Jahre Halfmoon-Biking
14. April 2023
Chamanna da Tschierva
11. Mai 2023
 

Einmal mehr findet der Hochtouren-Saisonabschluss im Oberengadin statt, wo ich mich jeweils im Hotel Rosatsch verwöhnen lasse. Wie jetzt Mitte September bin ich am liebsten hier, der Farbwechsel setzt langsam ein, die Tage sind noch lang und die spätsommerlichen Temperaturen angenehm warm. Heute möchte ich einem verborgenen Juwel hoch über dem Silvaplanersee einen Besuch abstatten. Der Bergsee hat auf der Karte schon länger mein Interesse geweckt und auf den Fotos sieht er einfach bezaubernd aus. Ich bin gespannt ob die Trails auch so bezaubernd sind und mache mich am Morgen auf in Richtung Silvaplana.

 

 

Bereits bei St. Moritz-Bad erwartet mich ein erstes Highlight, da steht doch tatsächlich ein De Tomaso P72 auf dem Hotelrasen. Der De Tomaso Pantera war eines der Traumautos meiner Kindheit und jetzt stehe ich vor einem der 72 Exemplare des neuesten Modells, welche zum 60. Geburtstag der Marke gefertigt werden und für rund eine Million über den Ladentisch gehen. Nachdem ich mich an der Flunder sattgesehen habe, fahre ich weiter bis zum Ende des Silvaplanersees, wo der Aufstieg auf einem Zickzackweg durch den Wald beginnt.

 

 

Im Wald treffe ich auf einen Jäger und frage ihn, wie meine geplante Abfahrtsroute denn beschaffen sei. Er meint da trage ich das Bike wohl auch wieder hinunter, aber ich lasse mich nicht entmutigen und setzt meinen Weg fort. Schon bald darauf habe ich die Baumgrenze erreicht, das Gelände wird allmählich felsiger und die Aussicht auf die Engadiner Seen immer besser. Schliesslich erreiche ich den glasklaren Lej da la Tscheppa, welcher mich etwas an den nicht weit entfernten Lägh dal Lunghin erinnert.

 
 

Der traumhaft schöne Bergsee im Talkessel La Tscheppa ist von gezackten Felskämmen umgeben und bietet eine wunderbare Aussicht auf die vergletscherten Gipfel der Berninagruppe. Die steife Brise lässt die Wasseroberfläche kräuseln und den Biker frösteln, darum schnell das Jäckchen angezogen, bevor ich mir die obligate Nusstorte am Seeufer schmecken lasse. Natürlich bin ich an solch einem Tag nicht alleine hier. Wanderer, Trailrunner und Fischer sind allesamt vertreten, nur nach weiteren Bikern halte ich vergebens Ausschau.

 

 

Die Abfahrt fängt vielversprechend an, unter dem Piz Polaschin hindurch schlängelt sich der Trail durch die schroffe Landschaft. Der Weg ist gesäumt von kleinen Tümpelchen und der Tiefblick auf den Silvaplanersee trägt das seinige dazu bei, damit das Herz höherschlägt. Auch wenn nicht ganz alles fahrbar ist, freue ich mich schon, dass der Jäger mit seiner Prophezeiung falsch lag.

 

 

Es folgen die Lejets da Muttaun, unzählige kleine Seechen schmücken die Muttaun-Hochebene und gegenüber funkelt der weisse Biancograt in der Sonne. Da es kürzlich etwas geschneit hatte, sind die Gipfel wunderbar angezuckert. Die Wiesen leuchten goldgelb und die Sträucher verfärben sich langsam rot, in Kombination mit den türkisblauen Seen im Tal ein herrliches Farbenspiel, welches man so wohl nur hier im Engadin findet.

 

 

Der Blick über die Seenplatte reicht bis zum Muottas Muragl und noch grinse ich, aber dies wird mir bald vergehen. So ganz unrecht hatte der Jäger leider doch nicht, über einen steilen verblockten Weg geht es abwärts in Richtung Julierpassstrasse und an Fahren ist hier nicht mehr zu denken. So stelle ich mir einen S5-Trail vor, definitiv nichts für Flachlandziegen, da haben höchstens die heimischen Wappentiere ihren Spass daran.

 

 

Nachdem ich die 300 Höhemeter zu Fuss vernichtet habe, kommt durch den Wald der Flow und somit das Grinsen wieder zurück und dieses hält bis zum Abendessen an. Nach über zwei Jahren Corona-Schikanen gibt es endlich wieder das allseits beliebte Vorspeisenbuffet, wo man sich nach Herzenslust bedienen kann.

Bleibt zum Schluss noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Tour. Eigentlich macht sie in beiden Richtungen nicht viel Sinn, da abwärts jeweils grössere Teile nicht fahrbar sind. Schön war es aber trotzdem, die Tour verkörpert das Engadin so wie ich es liebe und der Lej da la Tscheppa ist allemal ein Besuch wert, wenn vielleicht auch besser ohne Bike.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert