Turbulente Zeiten

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Was für ein Jahr, schon zum dritten Mal eröffne ich jetzt den Jahresrückblick mit diesen Worten und es ist leider kein Ende in Sicht. Während seine Genossen Verzicht predigen, dringt der Coronaminister mit seinem Privatflugzeug in fremden Luftraum ein und die Gaskombikraftwerksträume unserer Pianistin platzen wie Seifenblasen. Aber dies hat ja niemand kommen sehen, dass die Rechnung irgendwann nicht mehr aufgeht, wenn man Grosserzeuger ersatzlos abschaltet und gleichzeitig den Konsum ideologisch getrieben fördert. Die ganzen Gewinne wurden über Jahre privatisiert und die Zeche zahlt jetzt einmal mehr der kleine Mann resp. die kleine Frau, um es mal gendergerecht auszudrücken. Da leiste doch auch ich gerne meinen Beitrag zum Stromsparen und treibe meine Bikes weiterhin mit Muskelkraft an. Gelegenheit dazu gab es gottseidank auch in diesen turbulenten Zeiten genug und es waren mitunter die glücklichsten Momente, wie zum Beispiel hier auf dem Titelbild, als ich der Tschiervahütte einen Besuch abstattete.

Schnee gab es im letzten Winter hier im Flachland kaum, dafür bescherte uns der Dezember heuer schon ein wunderschön verzuckerter Märchenwald. Mein blaues Racetool leistete mir dabei auch in der 15. Saison während der kalten Jahreszeit wieder treue Dienste und fast die Hälfte aller Kilometer habe ich erneut auf meinem günstigsten Bike zurückgelegt. Ob auf Asphalt oder der Waldautobahn, die schnellen Runden mit dem Gravelbike versüssten mir oft die Mittagspause im Homeoffice.

 

 

Im Frühling spriessen die ersten grünen Blätter, da durfte auch das grüne Mk12 mal wieder an die frische Luft. Die Frühlingsgefühle erhielten aber schon bald einen Dämpfer. Beim Klettern an der Falkenfluh hatte ich einen Sturz und verletzte mir keine zwei Wochen vor den Ticinodays den Zeigefinger. Zum Glück bestätigte sich der befürchtete Ringbandriss dann doch nicht und dem Weg in die Sonnenstube stand nichts mehr im Wege. Trotz eher durchzogenem Wetter waren die Tag am Lago di Maggiore einmal mehr super. Ich erhielt Besuch von Beat und Ariana, was mich sehr freute. Gemeinsam machten wir die Trails unsicher, verbrannten uns fast die Finger an den heissen Felswänden und genossen im Pool den einten oder andere kühlen Drink.

 

 

Es folgte die rekordverdächtige Hitzewelle, ideale Bedingungen für Hochtouren und ich musste die ganze Zeit arbeiten. Als dann endlich die langersehnten Ferien in Sicht kamen, erfolgte der nächste Dämpfer. Trotz doppelter Zwangsimpfung erwischte mich dieser elende Coronavirus doch noch und legte mich komplett flach. Ich kämpfte mich nur langsam zurück ins Leben und schnupperte in Davos das erste Mal wieder vorsichtig Höhenluft. Schritt für Schritt ging es anschliessend höher hinaus, für mich immer noch die Königsdisziplin, das Bike auf einen Gipfel zu tragen und dann vor solch einer Kulisse abzufahren.

 

 

Nach Davos zog es mich einmal mehr ins Val d’Hérens, welches mich immer wieder aufs Neue begeistert. Inmitten der weissen Viertausender befinden sich dort ein paar der schönsten Touren für unsereins, die ihre Bikes gerne aufwärts tragen. Auch der Rotscher ist ein solcher und mit ihm zusammen ging es anschliessend ins Val Ferret, bislang ein weisser Fleck auf unser beider Karten. Die zwei Touren dort waren ein Volltreffer und es hat mich sehr gefreut, dass wir beiden Üsserschwiizer es endlich mal wieder zusammen in unsere Zweitheimat geschafft haben. Der Abschluss der Hochtourensaison fand dann traditionell im Oberengadin statt und das Timing hätte nicht besser können. Dort wo ich auf dem Titelbild noch bei schönstem Spätsommerwetter den Anblick des Piz Bernina genoss, lag ein paar Tage später schon der erste Schnee.

 

 

Im Herbst schaffte ich es leider nicht mehr in die Berge, da ich die wenigen schönen Tage nutzte um meinen Gartensitzplatz herzurichten und dabei ereilte mich der nächste Tiefschlag. Im Kampf gegen die herunterfallende Eisenbahnschwelle zog der grosse Zeh den Kürzeren und ich war um die Erkenntnis reicher, dass Sneakers eben doch keine Stahlkappenschuhe sind. Somit war schon die nächste Zwangspause angesagt, da sich ein geschwollener Zeh schlecht mit engen Sportschuhen verträgt. Mittlerweile ist der Zehennagel aber abgefallen, ein neuer wächst nach und ich konnte doch noch etwas mit der weissen Rasierklinge durch das bunte Laub pflügen, bevor mich eine hartnäckige Grippe erwischte.

 

 

Abseits des Bikens und der eigenen Wohlfühl-Bubble gab es leider wenig Erfreuliches, weder in der heimischen noch in der Weltpolitik. Wir erleben gerade turbulente Zeiten und ich habe leider wenig Zuversicht, dass sich dies in absehbarere Zeit ändern wird. Die fetten Jahre sind vorbei, jedenfalls für einen grossen Teil der Bevölkerung und dabei geht es uns ja immer noch gut, wenn ich an die Opfer dieses unsäglichen Stellvertreterkrieges denke. Da ist es umso wichtiger einen Ausgleich zu haben, um abzuschalten und den bedrückenden Gedanken zu entfliehen. Dies kann ich am besten draussen in der Natur und in den Bergen, da ist die Welt (noch) in Ordnung und die Stimmung hellt sich meist schlagartig auf.

Leider hält auch der Abwärtstrend bei den zurückgelegten Kilometern auf dem Bike an. Ich habe es doch tatsächlich geschafft, die bescheidene letztjährige Leistung nochmals zu unterbieten. Es kamen bisher gerade einmal 2647 km und 62'400 hm bei 66'800 tm zusammen. Dazu kommen noch 733 km und 17'700 hm vom Joggen, was die Gesamtbilanz wieder etwas aufbessert. Aber das Ausschlaggebende ist ja die Quality-Time und von der gab es trotz der zahlreichen Dämpfer zum Glück genug. Bei all den Verletzungen und Erkrankungen ist mir einmal mehr bewusstgeworden, wie wichtig die Gesundheit ist. Diese kann man für kein Geld der Welt kaufen und sie ist unser höchstes Gut.

In dem Sinne wünsche ich uns allen wieder etwas mehr Ruhe, Frieden, Stabilität und Besinnung auf das Wesentliche. Geniesst die schönen Dinge des Lebens, bleibt gesund und in euren Gedanken frei, auf ein hoffentlich besseres neues Jahr!

 

4 Comments

  1. ROTSCHER sagt:

    Hallo Sven. Tausend Dank für deinen Rückblick und die Worte. Ich habe vieles schon ausgeblendet. Gut so, sonst kommt der Ärger wieder hoch.
    Ich glaube fast, ich darf meine Saisonbilanz nicht zeigen. So wenig Kilometer habe ich noch nie geschafft. Aber du sagst es richtig, die Quality-Time ist wichtig. Dazu zählt für mich klar unsere Tage im Unterwallis. Das war richtig cool mit dir. Ich hoffe, dass sich in der kommenden Saison auch wieder gemeinsame Touren ergeben.
    Lieber Sven, alles Gute im neuen Jahr, vor allem sehr viel Gesundheit und frische Bergluft. Bis bald … 😉

    • Sven sagt:

      Oh ja, unsere Tour über den Pass mit dem prächtigen steinernen Farbenspiel war Quality-Time pur 🤩 davon bitte im nächsten Jahr mehr, wie auch von der Bergluft, der besten Medizin überhaupt!

      Ich wünsche auch dir alles Gute fürs 2023, mit hoffentlich vielen beschwerdefreien Stunden auf dem Bike.

  2. Ventoux sagt:

    Hoi Sven, vorwärts schauen und jeden Ärger mit einem Kick in die Tonne ausblenden. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass vieles wieder besser wird. Du bist ja ein richtiges Multitalent geworden, ich warte nur noch auf deine Teilnahme beim Ninja Warrior. Geniess weiterhin deine Aktivitäten mit jeder Faser und vor allem bleib gesund.

    • Sven sagt:

      Ob talentiert müssen andere beurteilen 😄 mir macht es einfach nur Spass und dies ist das wichtigste. Darum wäre auch „Ninja Warrior“ nichts für mich, da muss man viel zu verbissen trainieren und es findet nur drinnen statt.

      Ich wünsche auch euch beiden für die Zukunft eine grosse Portion Gesundheit, damit du den neuen Lebensabschnitt noch möglichst lange in vollen Zügen geniessen kannst!

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