Was für ein Jahr

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Was für ein Jahr zwischen Lockdown und Gipfelglück, eine mikroskopisch kleine organische Struktur bringt unser auf stetiges Wachstum getrimmtes System beinahe an den Zusammenbruch und die Komikertruppe in Bern reagiert darauf planlos mit immer neuen fragwürdigen Massnahmen. Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, dass wir hier in der Schweiz einmal so krass in unserer persönlichen und unternehmerischen Freiheit eingeschränkt werden. Mit dem Frust zu dem Thema könnte ich mehr als einen Blogbeitrag füllen, aber widmen wir uns mit dem Biken doch lieber Dingen die uns Freude bereiten, denn dies unser liebstes Hobby kann uns zum Glück der glatzköpfige Pausenclown nicht auch noch wegnehmen.

Bevor die ganze Misere begann, durften Rotscher und ich in Zermatt noch zwei wunderbar unbeschwerte Tage im Schnee verbringen. Mit Beat von Fatbike-Zermatt pflügten und drifteten wir auf fetten Reifen durch die weisse Pracht und logierten im Hotel Matterhorn-Focus direkt prominent vor dem Horu. Ein ganz besonderes Erlebnis war dabei die Fahrt mit den Lampen durch die dunkle Nacht, so viel Spass hatten wir im Winter auf den Bikes schon lange nicht mehr.
 
 
Wie immer fiel der Startschuss in die Hochtourensaison südlich des Gotthards. Pünktlich auf die Ticinodays wurden die meisten Einschränkungen aufgehoben und wir konnten den Weg in die Sonnenstube wie geplant antreten. Diesmal trat ich den Weg aber nicht alleine an, sondern mit vier guten Freunden, welche dem Bikeschleppen ebenfalls nicht abgeneigt sind. Nach den ganzen aufgezwungenen Massnahmen war dies wie ein Befreiungsschlag, endlich wieder frei durchatmen. In unserer Wohnung hoch oben in Orselina standen wir sprichwörtlich über den Dingen und es folgte ein Feuerwerk der schönsten Gipfel und besten Trails rund um den Lago di Maggiore.
 
 
Nach den Ticinodays war ich nicht wirklich viel auf dem Bike unterwegs, denn bei gutem Wetter zog es mich meist an die heimischen Felswände, aber dazu später mehr. Ein paar schöne Touren ergaben sich trotzdem und ich schnupperte im Oberland Bernois Valais das erste Mal so richtig Höhenluft. Bei der Tour über den Lötschenpass entflammt meine Liebe zu dem magischen Tal neu und der Trubelstock, welcher schon länger auf meiner Wunschliste stand, läutete dann im August die langersehnten Sommerferien ein.
 
 
Die späten Sommerferien bescherten mir einmal mehr Bergwetter vom Feinsten und ich konnte nachholen, was ich in der letzten Zeit etwas vernachlässigt hatte. Der erste Biketrip führte mich erneut ins Lötschental, welches mehr Potential für hochalpine Schleppertouren hat als gedacht. Es folgte der alljährliche Abstecher ins Engadin nach Pontresina, wo ich im Hotel Rosatsch einmal mehr paradiesische Tage verbrachte. Danach ging es zurück ins Wallis, denn auch im Val d’Hérens hatte ich noch ein paar offene Projekte. Für den Abschluss der Hochtourensaison zog ich anschliessend ein paar Täler weiter, wo Beat und ich es uns in Zermatt nochmals richtig gutgehen liessen. Exemplarisch für den Sommer stehen diese zwei Bilder, kulinarische Leckerbissen vor Traumpanoramen, mehr braucht es nicht um Glücklich zu sein.
 
 
Klettern, das grosse Thema im vergangenen Jahr. «Ich kann mir gut vorstellen, Bouldern zukünftig als Ausgleich neben dem Biken etwas intensiver zu betreiben» - Wenn ich diesen Satz aus meinem letztjährigen Jahresrückblick lese, muss ich schmunzeln. Wie ihr HIER sicher schon gelesen habt, hatte es mich so richtig gepackt und ich war der Sucht nach den farbigen Griffen schnell vollends erlegen. Dann kam der Lockdown, die Boulderhallen mussten schliessen und ich auf Entzug. Also ging ich raus in den Wald und startete meine ersten Versuche an den Felsbrocken, welche dort überall herumliegen. Bei dem prächtigen Frühlingswetter war dies das beste Mittel gegen den drohenden Homeoffice-Koller und es dauerte nicht lange, bis ich mit ein paar Kollegen aus der Boulderhalle an der Gempenfluh das erstes Mal am Seil hing. Darauf folgte ein viertägiger Kletterkurs mit dem SAC in Meiringen und der Rest ist Geschichte. Ich hatte schon lange nicht mehr so viele Spass an etwas Neuem, das Klettern ist genau mein Ding und ich habe im letzten Jahr dabei viele tolle Leute kennen gelernt.
 
 
Nachdem ich mich letztes Jahr zurückhalten konnte, hat mein Fuhrpark heuer wieder Zuwachs bekommen. Ein Gravelbike braucht zwar niemand wirklich und schon gar nicht, wenn man bereits ein superleichtes Hardtail besitzt. Trotzdem liebäugelte ich schon länger mit einem solchen und habe den Kauf keine Sekunde bereut. Anfänglich war der gebogene Lenker zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile liebe ich mein neues Leichtgewicht aus dem Hause Koba. Für schnelle Runden auf Asphalt und Forstwegen gibt es nichts Besseres und man kann damit sogar auch mal einen kleinen Trail mitnehmen. Gerade jetzt während der erneuten Homeoffice-Phase, nutze ich oft die Mittagspause, um damit eine kurze Runde bei Tageslicht zu drehen.
 
 
Ein Jahr mit Höhen und Tiefen geht zu Ende, da sind viele schöne Bike-Erlebnisse, aber auch diese Krise, die allgegenwärtig über uns schwebte und einem mit Sorge in die Zukunft blicken lässt. Während viele um ihre Existenz bangen, bin ich froh einen einigermassen sicheren Job zu haben, auch wenn dieser immer noch frustrierend ist. Plötzlich ist Homeoffice möglich und es funktioniert sogar, während uns früher nicht zugetraut wurde, dass wir auch zu Hause genügend arbeiten. In solchen Zeiten ist es wichtig gute Freunde und Hobbies zu haben, welche einem Spass bereiten und wo man Zeit draussen verbringen kann, damit einem nicht vollends die Decke auf den Kopf fällt. Mir persönlich hat das Biken und Klettern dabei sehr geholfen, um in diesem schwierigen Jahr nicht komplett in Frust und schlechten Gedanken zu versinken.
 
 
In der Horizontalen ist auch dieses Jahr mit 3520 km wieder einiges zusammengekommen, aber in der Vertikalen habe ich mit 97'400 hm die magische Grenze knapp verpasst. Da machen sich die komplett fehlenden Herbsttouren bemerkbar, nach dem Besuch in Zermatt war ich kein einziges Mal mehr in den Bergen. Zu einem ist dies dem nasskalten Herbstwetter geschuldet, aber auch dem Klettern. Wenn ich die erklommenen Meter an den Felswänden auch noch dazu zähle, dann komme ich locker wieder auf die üblichen hunderttausend Höhenmeter. Allgemein habe ich dieses Jahr das Biken zugunsten der Kletterei etwas vernachlässigt und auch die gemeinsamen Touren kamen zu kurz, aber so ist dies halt, wenn man einer Sucht neu erlegen ist. Ich freue mich schon darauf, in der nächsten Saison wieder mehr gemeinsame Abenteuer in den Bergen zu erleben und dabei auch wieder einmal in einer Hütte zu übernachten.

Was wünsch ich uns für das nächste Jahr? Dass wieder etwas Normalität einkehrt und dass das unbeschwerte Leben zurückkehrt, dass die versprochene Hilfe auch beim kleinen Mann und nicht nur bei der Abzockergilde ankommt, dass wir nachhaltig Lehren aus dem ganzen Schlamassel ziehen werden und natürlich wieder möglichst viele glückliche Stunden auf den Bikes draussen in der Natur.

In diesem Sinne wünsche ich Euch Allen schöne Festtage, Gesundheit und einen guten Rutsch ins 2021, welches ja nur noch besser werden kann ;)
 

9 Comments

  1. Michi sagt:

    Wieso jetzt schon ein Jahresrückblick? Es hat doch noch eine Woche 😎😎😎

    Ich lese schon einige Jahre Deine Tourenberichte und tue dies auch immer noch sehr gern. Und seit August kenne ich Dich sogar persönlich 🤝

    Für 2021 wünsche ich Dir Gesundheit, gutes Wetter, offene Kletterhallen und geniale Trails 🍀

    • Sven sagt:

      Warum nicht, in der einen Woche wird wohl nichts weltbewegendes mehr passieren und jetzt wo die Kletterhallen geschlossen sind, habe ich viel übrige Zeit. Auch Euch alles Gute und bis vieleicht nächsten Sommer irgendwo irgendwann 😉

  2. ROTSCHER sagt:

    Das hätte wohl niemand gedacht, dass wir uns in der verwöhnten Schweiz mal so einschränken müssen, dass wir plötzlich um den Job bangen müssen und das Geld nicht immer selbstverständlich fliesst. Das gute Corona wird uns auch im ganzen 21 beschäftigen. Ich bin gespannt was und wann nächstes Jahr möglich ist. Und ja, ich habe auch so meine Mühe mit Einschränkungen, Masken etc. … aber ich möchte den Job auch nicht tauschen und für die Entscheidungen verantwortlich sein. Recht machen kann man es nicht allen. Daher habe ich auch ein gewisses Verständnis und lasse es über mich ergehen.
    Dafür finde ich es richtig toll, dass du einen super Ausgleich zum Biken gefunden hast. Die Konsequenz daraus ist , dass man dich nicht so oft auf dem Bike gesehen hat. Da hast du auf der Einten oder Anderen Tour in den Bergen gefehlt 😁😉 … was im neuen Jahr nachgeholt werden kann. Ich freue mich jedes Mal, wenn wir uns treffen und zusammen unserem Hobby frönen können.
    Ich wünsche dir eine gute und kurzweilige Winterszeit und bleibe gesund und munter 👍 … und wenn die Kletterhalle wieder geschlossen hat, lass es tüchtig graveln 😎

    • Sven sagt:

      Die Bikes auf einen Berg zu schleppen kann uns zum Glück niemand verbieten. Von dem her wird auch nächstes Jahr so einiges möglich sein, was mit Muskelkraft erreichbar ist. Der Rest liegt leider ausserhalb unseres Einflussbereiches, lassen wir uns mal überraschen. Ein Gutes hat das Ganze aber auch, dank dem Homeoffice-bedingten Bewegungsdrang bin ich körperlich so fit wie noch nie, neulich war ich sogar das erste Mal in meinem Leben joggen 😆

      Ja mir haben die gemeinsamen Abenteuer mit euch Verrückten auch gefehlt 😐 dies wird definitiv im neuen Jahr nachgeholt, Ideen sind genug vorhanden 😉

      Ich hoffe auch Du und deine Familie kommt gesund und ohne Winterblues durch die dunkle Jahreszeit, bis bald.

  3. blackCoffee sagt:

    Flexibel bleiben zahlt sich aus, wieso nicht mal etwas neues probieren? Etwas bouldern, graveln oder joggen (mit Bike auf dem Rücken?) ist die „bessere“ Medizin.
    Hoffe wir finden auch im neuen Jahr ein paar Zeitfenster um beim gemeinsamen Hobby etwas zu fachsimpeln oder einfach das Leben zu geniessen..

    Liebe Grüsse

    • Sven sagt:

      Trailrunning mit dem Bike auf dem Rücken, vieleicht der neue Trend im nächsten Jahr 🤣

      Das hoffe ich auch, das letzte Mal sahen wir uns ja alle bei den Ticinodays. Ich hoffe schwer, dass wir im 2021 wieder etwas unbeschwerter das Leben geniessen können, mit mehr sozialen Kontakten und mehr menschlicher Nähe.

  4. Spoony sagt:

    Hoi Sven
    Zuerst mal wieder einen grossen Dank für all dir Blogbeiträge, die du im 2020 geschrieben hast. Sie waren und sind mir immer ein guter Begleiter um kurz mal aus meinem eigenen Alltag auszubrechen und zu träumen, wenn auch nur am Bildschirm. Lass dich nicht zu sehr vom Negativen beeinflussen und wie du schreibst sind die Outdooraktivitäten die beste Medizin gegen den Coronakoller. Viel Freude beim Klettern, etwas was mich vor Jahren auch stark faszinierte, aber man kann nicht alles tun. In diesem Sinne wünsche ich Dir und deinem Umfeld für das nächste Jahr alles Gute und viele schöne Momente!
    Grüsse Spoony

    • Sven sagt:

      Hoi Urs, das freut mich natürlich immer wieder, wenn meine Blogbeiträge zum Träumen anregen, ein schöneres Kompliment gibt es kaum 😊

      Auch dir und deiner Familie alles Gute für das kommende Jahr und wäre cool mal wieder ein paar solch schöne Momente zusammen auf dem Bike zu erleben, ist schon ewig her seit den Bike-Meet in Zermatt.

  5. Alex sagt:

    Hallo Sven

    Coole Sachen hast du da gemacht, ich hoffe wir können mal wieder zusammen eine Runde biken gehen.

    Gruess Alex

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