Lachs heissgeräuchert

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Keine zwei Wochen vor den traditionellen Ticinodays verletze ich Depp mir den Zeigefinger bei einem Sturz beim Klettern. Die Stimmung ist dementsprechend auf dem Tiefpunkt und hellt sich erst wieder auf, als sich beim Ultraschalltermin die befürchtete Diagnose "Ringbandriss" nicht bestätigt. Zum Glück schreitet die Heilung schnell voran und ich kann so fast beschwerdefrei den Weg in die Sonnenstube antreten. Wie schon in den vergangenen Jahren habe ich wieder das schöne Gartenstudio in Minusio gemietet, wo ich mich mittlerweile wie zu Hause fühle. Für den ersten Tag habe ich mir ein Ziel aus der Familie der Salmoniden ausgesucht und wie könnte es auch anders sein, den Tipp dazu bekam ich vom Bocuse des Ticino-BBS höchstpersönlich.

 

 

Die ersten paar hundert Höhenmeter kann ich noch gemütlich auf der Strasse absolvieren und danach darf der grüne Grashüpfer für den restlichen Aufstieg am HookaBike platznehmen. Der Weg steigt im schattigen Wald schön konstant an und schon nach kurzer Zeit bin ich wieder drin, in dem fast schon meditativen Trott des Bikeschleppens. Den Blick vor mir auf den Boden gerichtet, erschrecke ich mich, als auf dem Wanderweg plötzlich ein toter Wildschweinfrischling liegt. Leider ist im Rucksack kein Platz, sonst hätte ich mir den Braten für das Abendessen gleich eingepackt. Etliche Schweisstropfen später lichtet sich dann der Wald und gibt den Blick frei auf den Gipfel.

 

 

Ich habe den grasbewachsenen Gipfel mit dem riesigen Gipfelkreuz ganz für mir allein und mache es mir auf dem steinernen Podest in der der Sonne gemütlich. Die Aussicht über das Maggiadelta und auf unzählige schon befahrene Gipfel ist super, nur ist es leider etwas dunstig. Das menschliche Auge kommt damit zum Glück besser klar als die Kamera und darum werden die Panoramabilder heute nur auf der humanoiden Festplatte abgespeichert. Nach einer ausgiebigen Rast mache ich mich langsam bereit für die Abfahrt.

 

 

Der Trail schlängelt sich zuerst lieblich durch die Graslandschaft und taucht dann kurz in den Wald ein, bevor ich die erste verfallene Siedlung erreiche. Ich bahne mir den Weg durch die Farnfelder, tauche erneut in den Wald ein und erreiche die nächsten Steinhäuser, welche sich in einem deutlich besseren Zustand befinden. Das Tessin präsentiert sich mir wie aus dem Bilderbuch und bisher war noch alles fahrbar. Dass sich dies aber hier schnell ändern kann, weiss ich nur zugut und M. Bocuse hatte mich schon vorgewarnt.

 

 

Es folgt ein kurze Schiebestrecke bergauf und dann wird der Ton schon etwas rauer. Der Bergrücken bietet zwar einen wunderbaren Tiefblick ins Maggiadelta, stellt aber meine Fahrkünste das erstes Mal so richtig auf die Probe. Nach der Winterpause bin ich ein wenig eingerostet und brauche etwas Zeit, um wieder Vertrauen in mich und das Bike zu kriegen. Je tiefer ich komme desto heisser wird es, der Hang ist direkt der Sonne ausgesetzt und gleicht einem Glutofen. Der Schweiss fliesst nun in Strömen, ich fühle mich wie ein heissgeräucherter Lachs und rieche wohl auch langsam so.

 

 

Ich erreiche den nächsten grösseren Weiler und halte mich rechts, da ich gehört habe, dass die direkte Abfahrt nur etwas für waschechte Ibexen sei. Die folgende Querung ist wie erwartet nicht fahrbar und der kurze Gegenanstieg zu dieser malerischen Siedlung natürlich auch nicht. Wie auf einem Balkon thronen hier die akkurat herausgeputzten Rustici über der grünen Ebene, wo die Maggia und Melezza sich vereinen.

 

 

Die Hitze drückt und der verblockte Weg (über-) fordert mich. Wie so oft im Ticino beginnen die Trails oben am Berg zahm und wandeln sich auf dem Weg nach unten zu einem regelrechten Monster. Ich steige immer wieder auf, fahre ein paar Meter und muss dann erneut kapitulieren. Dies zieht sich bis unten durch und der fahrbare Anteil liegt gefühlt unter fünfzig Prozent. Dem Fischkopf würde ich als Aussichtsgipfel jederzeit wieder einen Besuch abstatten, aber dann wohl lieber zu Fuss, ohne dem sperrigen Extragepäck. Als ich zurück in die Ferienwohnung komme, wartet Beat dort schon auf mich. Wir greifen uns ein kaltes Bier, verziehen uns damit in den Pool und schmieden Pläne für den nächsten Tag.

 

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