Rekognoslago

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Nach dem verregneten Mittwoch scheint am Donnerstag wieder die Sonne, aber auf den Mittag sind schon die nächsten Regenfälle angekündigt. Ich breche trotzdem auf ins Vallemaggia, mal schauen was geht, etwas rekognoszieren für die Tour zu dem schönen Lago, welche ebenfalls aus dem Ibex-Kochbuch stammt. Ich parkiere mein Binfordmobil hinter der Kirche und radle los in das Seitental hinein. Die Strasse windet sich über zahlreiche Kehren in die Höhe, bis ich das Haus dieses Tessiner-Piraten erreiche. Auf beiden Seiten ragen steil bewaldete Hänge empor, irgendwo dort rauf muss ich, was mich dort wohl erwarten wird.

 

 

Hinter dem Dorf geht es über eine Steinbrücke direkt hinein in den Märchenwald. Überall Moos und umgestürzte Bäume, das Klima tropisch feucht und der Weg gepflastert mit grossen Steinplatten, wie in einer anderen Welt. Anfangs ist die Steigung noch moderat, aber es wird immer steiler und der Weg führt zeitweise über solche Steintreppen nach oben. Was muss das für eine Arbeit gewesen sein, diese Treppen hier in dem unwegsamen Gelände zu errichten. Nach etwa 600 Höhenmeter komme ich plötzlich aus dem Wald heraus und stehe auf dieser wunderschön gepflegten Alpe.

 

 

Die waldfreie Kuppe gleicht einer Aussichtskanzel hoch über dem Maggiatal und die Holzbänkchen laden zum Verweilen ein. Während ich mir meine Salametti schmecken lasse, wandert der Blick hinauf in Richtung des Sees, wo sich bereits dunkle Wolken breitmachen. Ich schätze die Zeit für den weiteren Aufstieg ab und entscheide umzukehren, da es mit dem angekündigten Gewitter sonst knapp werden könnte. Ein kurzer Blick auf die Karte und schon ist ein Weg zur nächsten Alpe und somit auf die geplante Abfahrtsroute gefunden.

 

 

Zwischen den schmucken Rustici geht es durch die Graslandschaft zum Bach hinunter, wo das Wasser des angepeilten Lagos talwärts fliesst. Dort treffe ich auch auf die ursprünglich geplante Abfahrt und diese ist ganz nach meinem Geschmack. Wild und ungeschliffen geht es in bester Ticino-Manier vorbei an mehr oder weniger gut erhaltenen Steinhütten durch den Wald. Nach diesem Schmuckstück von einem Maiensäss wird es dann steiler und die Serpentinen zahlreicher, bis mich der Weg unten im Tal bei der Kirche wieder ausspuckt.

 

 

Zurück in der Ferienwohnung vergeht keine halbe Stunde und die Schleusen am Himmel öffnen sich. Mein Entscheid umzukehren war goldrichtig und so bleibt die Vorfreude auf einen der schönsten Bergseen des Tessins und auf eine tolle Abfahrt in ihrer vollen Länge, denn eines ist sicher, die Tour schreit nach einer Wiederholung und dann geht es ganz hinauf bis zum See. Heute bleibt der Grill kalt und ich muss das erste Mal drinnen zu Abend essen, da es so heftig regnet, dass ich nicht einmal auf dem gedeckten Sitzplatz trocken bleibe.

 

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