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Sonne satt im Ticino

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10. Mai 2026

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Wie immer im Juni, zieht es mich für eine Woche ins Ticino. Heuer geht es bereits zum zweiten Mal in die schöne Ferienwohnung in Gordemo. Die Vorfreude ist gross und die Wettervorhersagen versprechen Sonne satt. Da ich diesmal wieder antizyklisch am Freitagvormittag fahre, komme ich ohne Stau auf der anderen Seite des Gotthards an und habe bereits am frühen Nachmittag das ganze Gepäck mit dem antiken Treppenlift zur Wohnung hinauf transportiert. Noch ein letzter kurzer Abstecher nach Tenero zum Einkaufen und die Ferien fernab der Menschenmengen können beginnen.

Am ersten Tag gehe ich es gemütlich an, erstmal etwas akklimatisieren nach der langen Winterpause. Ich rollte hinüber zur Staumauer, wo der Aufstieg zum Seerosenteich auf Monti di Motti beginnt. Im Grotto gönne ich mir eine kühle Gazosa und ein Stück des leckeren Kuchens, bevor es wieder talwärts geht. Die direkte Abfahrt nach Gordemo wollte ich schon lange einmal ausprobieren und sie ist ein Volltreffer. Es hat alles dabei was einen zünftigen Ticinotrail ausmacht und mit einem breiten Grinsen spuckt mich dieser direkt bei der Ferienwohnung wieder aus, wo bereits der Pool auf mich wartet.

 

 

Am nächsten Tag mache ich mich auf in das wildromantische Val d’Osola. Ich war bereits letzte Jahr hier, wurde aber damals leider durch einen Regenschauer ausgebremst. Heute sind keine Regenwolken in Sicht und ich komme gut voran, da ich mein altes Liteville dabeihabe, welches sich so schön leicht trägt. Nachdem ich den Wald verlassen habe, wird die Landschaft wieder lieblicher und gibt den Blick frei auf den Monte Zucchero, welcher den Talabschluss bildet. Hier ganz hinten im Tal liegt auch die Capanna Osola, eine dieser wunderschönen Selbstversorgerhütten, wie man sie nur im Ticino vorfindet.

 

 

Die anschliessende Abfahrt ist super und es ist viel mehr fahrbar, als ich beim Aufstieg erwartet habe. So langsam komme ich wieder rein und gewinne Vertrauen in das Bike, nachdem ich den ganzen Winter über ja nur mit dem Gravelbike und Hardtail unterwegs war.

Trotz Warnung von Papa Ibex starte ich am dritten Tag in ein abgelegenes Seitental bei Lavertezzo. Der Weg ist von Anfang an wild und teilweise ausgesetzt, während es dem Riale di Carecchio entlang aufwärts geht. Bei der kleinen Alpsiedlung kapituliere ich und kühle die heissgelaufenen Füsse im kalten Wasser, welches hier über die glattgeschliffenen Felsen fliesst. Abwärts ist dann wie erwarte nicht allzu viel fahrbar, bis auf das versöhnliche Finale durch den Weiler Rancone mit seinen malerischen Häusern aus Stein.

 

 

Am Dienstag ist Ruhetag und Biernachschub holen angesagt. Nachdem ich den ganzen Proviant in der Wohnung verstaut habe, mach ich mich auf den Weg nach Giubiasco, wo sich das Alpha-Boulder befindet. Die kleine, aber feine Boulderhalle ist immer wieder ein Besuch wert und ich versuche mich an den transparenten Bouldergriffen, welche bereits bei der WM in Bern zum Einsatz kamen.

Ausgeruht schnappe ich mir am nächsten Tag den schweren Last-Panzer und mache mich auf den Weg ins Val Redòrta, wo ich im letzten Jahr bereits auch schon unterwegs war. Im Gegensatz zum letzten Mal, halte ich mich aber diesmal bei Püscennegro links und steige weiter auf bis zur Alpe di Mügaia, wo ich Mittagsrast mache.

 

 

Die Alphütte am Fusse des Monte Zucchero bietet einen wunderbaren Blick über das Val Redòrta und eine Flasche Wein steht für durstige Besucher auch bereit. Da ich aber noch eine zünftige Abfahrt vor mir habe, lasse ich den Wein sein und begnüge mich mit lauwarmem Wasser aus dem Trinkrucksack. Der Pfad zurück ins Tal ist Vergnügen pur, am Wegesrand blühen Blumen und überall fliegen Sommervögel in den verschiedensten Farben herum.

 

 

Auf die Spitzkehrenorgie im unteren Teil freue ich mich besonders und nach zwei Jahren der Sperrung ist nun auch endlich der Wanderweg der Redòrta entlang wieder freigegeben. So komme ich nun doch noch in den Genuss des imposanten Froda-Wasserfalles, welcher sich hier über 70m in ein smaragdgrünes Auffangbecken stürzt.

 

 

Da sich für die nächsten Tage hoher Besuch angekündigt hat, nehme ich es am Donnerstag gemütlich und lasse mich mit dem Bähnli auf den Cimetta chauffieren. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Gipfel des Cima della Trosa, welcher neuerdings auf der Landeskarte nur noch El Trosa heisst. Die Abfahrt ist immer wieder cool und im Grotto bei Monti di Lego kehre ich auf eine kühle Gazosa ein, bevor die eigentliche Herausforderung nach Contra hinunter beginnt.

 

 

Auf das Wiedersehen mit Rotscher und Nadja freue ich mich, da wir uns seit den letztjährigen Ticinodays nicht mehr gesehen haben. Unser Plan für den Freitag wäre eigentlich der Sassariente gewesen, aber infolge der hohen Temperaturen und des späten Startens opfern wir den Gipfel zugunsten des Kuchens auf Monti di Motti. Die Abfahrt nach Gordemo ist so gut, dass ich sie gerne noch ein zweites Mal unter die Räder nehme und der positive Nebeneffekt des ausgelassenen Gipfels, wir haben noch genug Zeit um mit ein paar Bierchen ausgiebig im Pool zu planschen.

 

 

Am letzten Tag möchte ich Rotscher und Nadja das wilde unberührte Val Pincascia zeigen. Als Ziel haben wir uns die Capanna Fümegna vorgenommen, in vollem Bewusstsein, dass dies eine rechte Plackerei wird. Wie schon gestern macht uns aber auch heute die Hitze zu schaffen und so lassen wir es dann bei der Alpe Pincascia gut sein und legen uns in den Schatten auf die zeckenverseuchte Wiese. Nachdem wir alle Spinnentiere wieder entfernt haben, machen wir uns auf den Rückweg, welcher ein regelrechtes Schmankerl ist.

 

 

Weiter vorne bei der Wegverzweigung hat es einen wunderschönen natürlichen Pool, da können wir natürlich nicht Wiederstehen und kühle uns etwas ab. Herrlich, nach dem Bad in dem klaren Bergquellwasser fühlen wir uns wie frisch geboren und setzen die wilde Fahrt fort. Vorbei an topgepflegten Rustici geht es weiter talauswärts und just als wir Lavertezzo erreichen, fallen die ersten Regentropfen.

 

 

Vorne am See zurück in der Ferienwohnung herrscht dann wie immer wieder Sonnenschein und wir geniessen noch ein letztes Mal das mediterrane Ticino-Feeling, bevor es am Sonntag leider wieder zurück nach Hause geht, wo uns eine brutale Hitzewelle erwartet. Acht Tage lang Sonne satt, dies ist auch in der helvetischen Sonnenstube nicht selbstverständlich und wir haben es in vollen Zügen genossen. In dem Sinne bis im nächsten Jahr, die Wohnung ist wieder gebucht und ich rechne fest mit euch beiden.

 

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