Vom Leiterepass zum Stockhorn

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Seit wir vor zwei Jahren beim Hinterstockensee waren, wollte ich unbedingt mal noch ganz rauf zum Stockhorn. Gesagt getan, letzte Woche nahm ich das Horn in Angriff. Von Thun aus ging es gemütlich los über Amsoldingen und Blumenstein, von wo aus im Wald der Aufstieg zum Gurnigel begann. Soweit noch alles eine eher gemütliche Biketour. Nach zweieinhalb Stunden waren die ersten 1000 Höhenmeter geschafft und ich stand mal ganz oben auf dem Gurnigel, welchen ich bisher nur im unteren Teil vom Bergrennen her kannte.
 
 
Weiter ging es in Richtung Gantrisch auf einem Strässchen bis zur Alp Obernünene, wo das Bike das erste Mal auf die Schultern wechselte. Tragend anstatt fahrend, kommt man automatisch mit den meisten Wanderern ins Gespräch und der einte oder andere outete sich interessiert auch als Biker. Zwischen dem Gantrisch und der Nünenenflue schlängelte sich der Weg rauf zum Leiterepass, ein Pass wie aus dem Bilderbuch. Ein schmaler Einschnitt im Fels unterbricht die Gantrischkette und stellt damit den Übergang vom Gurnigelgebiet ins Simmental dar.
 
 
Der anschliessende Höhenweg bis zur Oberen Walalp war leider entgegen den Beschreibungen nur zu etwa zwei Drittel fahrbar, der Weg war anscheinend früher einmal in besserem Zustand. Dafür waren die fahrbaren Abschnitte erste Sahne und während dem Schieben konnte ich umso besser das herrliche Panorama geniessen, da muss sich das Berner Oberland wahrlich nicht verstecken. Nach dem passieren von mehreren Alphütten und unzähligen Zauntoren, hatte ich dann die Obere Walalp erreicht und stand kurze Zeit später auf der Baachegg vor dem extrem steilen Schlusssaufstieg. Dieser war so ein richtig giftiger Chaib. Mit dem Bike auf den Schultern ging es gute 200 Höhemeter aufwärts über Stufen und Felstritte, ein echter Killer für die Beine, aber die grandiose Aussicht linderte die Qualen etwas. Nach dem Erreichen der Anhöhe war leider noch nicht Schluss, auf der anderen Seite des Stockhorns ging es weiter mit tragen, wenn auch nicht mehr ganz so anstrengend.
 
 
Endlich hatte ich das Gipfelrestaurant erreicht und gönnte mir einen kühlen Eistee und etwas zu Futtern. Auf die aus dem Fels raus gebaute Touriplattform hatte ich keine Lust. Ursprünglich hätte diese ja noch viel grösser werden sollen, zum Glück kam es nicht soweit, ich bin überhaupt kein Fan von solchen Bauten in den Bergen. Auch auf dem ausgebauten Gehweg noch zum Gipfel mochte ich nicht mehr, dafür war der Stuhl auf der Aussichtsterrasse viel zu bequem und Aussicht auf die beiden Stockenseen zu schön.
 
 
Vor der Abfahrt wollte ich dann noch meine leere Trinkblase auffüllen, aber auf dem WC war nichts mit Trinkwasser. Da sie dort alles heraufschaffen müssen, kostet der halbe Liter im Restaurant 2 Franken. Die nette Dame drückte aber ein Auge zu und spendierte mir etwas von dem kühlen Nass.
 
 
Endlich begann die Abfahrt, der Lohn für die ganze Plackerei. Ich startet etwas unterhalb des Restaurants auf die ersten Absätze und jede Spitzkehre die ich schaffte zu fahren, wurde von der Aussichtsterrasse durch Gejohle der trinkfreudigen Westschweizern quittiert. Runter bis zum Oberstockensee war es ein Genuss, endlich abwärts fahren und das auf Trails wie ich sie liebe. Dazu das super Panorama, der Oberstockensee hat in den Abendstunden so ganze ohne Leute etwas spezielles an sich.
 
 
Auf der anderen Seeseite ging es leider nochmals aufwärts, das letzte Mal Bike schleppen an diesem Tag, langsam hatte ich genug. Als Entschädigung folgte dann die Abfahrt nach Erlenbach, da waren die müden Beine plötzlich wie weggeblasen. Dem Wanderweg entlang ging es immer wieder die Strasse kreuzend durch den Wald, gefolgt von einem schnelleren Teil über Alpwiesen, bevor der Weg erneut über Stock und Stein in den Wald wechselte usw. Ein Traumfinale, welches von mir aus noch lange so weiter hätte gehen dürfen.
 
 
Da in Erlenbach der nächste Zug erst 45min später fuhr, radelte ich währenddessen lieber nach Thun zurück, anstatt am Bahnhof zu warten. Der Veloweg der Simme entlang war schön zu fahren und es ging zum Glück nur noch abwärts, gerade richtig um das Erlebte in Gedanken nochmals Revue passieren zu lassen.

Fazit: Eine ausserordentlich schöne Tour, vor allem Landschaftlich, aber halt auch einmal mehr eher eine Bikewanderung. Die fahrbaren Trails waren aber Spitze. Für Leute die das Bike nicht so gerne tragen, eher weniger zu empfehlen.
 


volle Distanz: 62.44 km
Maximale Höhe: 2126 m
Minimale Höhe: 558 m
Gesamtanstieg: 2219 m
Gesamtabstieg: -2219 m

6 Kommentare

  1. Ventoux sagt:

    Schöner Bericht und Bilder. Diese Tour habe ich bereits in den 90-er Jahren gemacht. Entgegen Deiner Vermutung war der Weg vom Leiterepass bis zur Walalp nie besser. Es hatte schon damals viele verblockte Stellen und ich musste viel laufen.

    • Sven sagt:

      Hoi Pesche, gut zu wissen, dann war die Beschreibung wohl schon beim Erscheinen im Ride etwas beschönigend „der nun anstehende Höhenweg zur Walalp ist Weltklasse, flowige Abschnitte wechseln sich ab mit kniffligen Passagen“. Damals warst du quasi als Pionier wohl noch mit Elastomergabel und so unterwegs, von dem her müsste ja mit dem heutigen Material (fast) alles fahrbar sein 😀

  2. ROTSCHER sagt:

    Wow, das sieht super aus. Das wäre für mich eine ideale Tour auf dem Weg ins Wallis 🙂 Aber es ist wohl schon lange her als die im Ride war, oder? Ich habe die Daten jedenfalls nicht. Hau sie mir doch mal rüber 😉 Danke! Und weiter so mit den tollen Beiträgen und Vorschlägen 🙂

  3. blackCoffee sagt:

    Hi Sven, schöner Bericht von einem Pass, den ich mir vielleicht auch noch mal antue..;-) Habe aber auch schon gehört, dass der Morgetepass die bessere Alternative für den Weg ins Simmental sein soll..
    Jedenfalls habe ich das Traumfinale nach Erlenbach runter auch noch in guter Erinnerung..

    • Sven sagt:

      Hoi Ändu, Morgetepass muss ich mir mal merken, merci für den Tipp. Die Abfahrt vom Hinterstockensee nach Erlenbach hat mir fast noch ein klein wenig besser gefallen, kommen dann ja unten zusammen die beiden Abfahrten.

  4. Spoony sagt:

    Schöne Gegend das Stockhorn, obwohl ich dort bisher nur mit den Wanderschuhen unterwegs war. Und bezüglich Ride: Wenn die auch nur ansatzweise ein ’schwieriges‘ Wort in den Mund nehmen, weiss man als Durchschnittsbiker jeweils was man zu schieben und zu tragen hat. 😆

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