Bella Capanna

20. Juli 2018
Alto Sopra Vallemaggia
15. Juli 2018
Monte Tamaro
28. Juli 2018
 
Gestern durfte das Bike einmal ruhen und der Fahrer tat es ihm gleich, sind ja schliesslich Ferien. Ich fuhr mit dem Auto nach Rivera, wo ich es mir im Splash & Spa einen Tag lang gutgehen liess. Der Rutschen- und Badebereich war nicht so mein Ding, zu viel Lärm und Trubel. Der Spa-Bereich hingegen war ganz nach meinem Geschmack. Es hat eine grosse Anzahl an verschiedenen Saunen, ein Kälteraum mit Eis und Schnee, ein Jod-Solebecken und einen schönen Aussenbereich, wo man gemütlich in der Sonne relaxen kann.

Frisch ausgeruht will ich es heute nochmals wissen, ich habe da noch so einen Tipp für eine Männertour bekommen, welche ich unbedingt ausprobieren möchte. Der erste Teil führt mich auf altbekannten Pfaden auf Seeniveau hinunter, um anschliessend auf einem Asphaltsträsschen wieder 1000 Höhenmeter aufzusteigen. Trotz dem Ruhetag von gestern, geht dies nicht mehr ganz so locker flockig wie am ersten Tag. Bei dem schönen Monti ist aber noch nicht Schluss, es geht vorbei an der nächsten kleinen Siedlung weiter den Berg hinauf.
 
 
Farnfelder, Graslandschaft und lichter Baumbestand wechseln sich ab, während ich mein 301 nach oben schiebe. Schon bald darauf komme ich in den Wald und hänge das Bike an den HookaBike, dies ist kräfteschonender als es jeweils über die Hindernisse zu heben. Ich erreiche ich eine Lichtung mit dieser schönen Alpe, ein herrliches Plätzchen zum Rasten. So wie es scheint, ist diese Alpe zeitweise sogar bewirtet. Hier eine feine Steinpilzpolenta geniessen, dazu würde ich jetzt auch nicht nein sagen. Leider ist aber alles verschlossen und ich stärke mich halt mit einem Riegel, fülle am Brunnen die Trinkblase auf und mache mich wieder auf den Weg.
 
 
Oberhalb der Waldgrenze kann ich den Blick endlich wieder in die Weite schweifen lassen. Auf dem schmalen von Alpenrosen gesäumten Pfad gewinne ich weiter an Höhe, zur Linken ein weiteres wildes Tal und darüber auf dem grünen Plateau eine Alpe. Der Weg wird allmählich flacher und führt später sogar abwärts, ein paar der soeben erarbeiteten Höhenmeter werden wieder vernichtet.
 
 
Weit oben kann ich schon die Schweizerfahne neben der Hütte sehen, von ihr trennen mich noch 150 Höhenmeter, ein Klacks. Ich hänge das Bike erneut an den HookaBike und nehme den Rest in Angriff. Brannte unten in der Magadinoebene beim Aufstieg noch die Sonne auf mich nieder, so nahm die Bewölkung mit steigender Höhe immer mehr zu. Hier auf fast 2000müM ziehen die Wolkenfetzen gerade noch knapp über die Hütte hinweg.
 
 
Die Selbstversorgerhütte ist traumhaft schön, die schönste die ich je gesehen habe, da hatte der Reiseführer nicht zu viel versprochen. Fast ein bisschen wie ein kleines Dörfchen, auch wenn es nur zwei Gebäude sind. Im Hauptgebäude befindet sich der Aufenthaltsraum mit Schlafgelegenheiten und im Nebengebäude die sanitären Anlagen mit weiter Schlafplätzen. Verbunden sind die Häuschen durch einen Steinplattenweg und alles stilgerecht umzäunt, da hat jemand viel Herzblut investiert beim Bau.
 
 
Die heimischen Paarhufer schlagen von hier aus den Weg auf den nächsten Gipfel ein. Dieser ist aber nichts für mich, zu weit entfernt von meinem gewohnten Terrain. Darum möchte ich eine andere Variante ausprobieren und über den nahen Übergang ins nächste Tal abfahren, dies sieht auf der Karte recht vielversprechend aus. Aber auch dieses Vorhaben muss ich wohl auf ein andermal verschieben, über der Bocchetta hinter der Hütte ziehen immer dunklere Wolken auf und der lange Aufstieg ist auch nicht ganz spurlos an mir vorübergegangen. Wie schon im Valle Selvaggia überlege ich lange hin und her, bevor ich mich fürs Umkehren entscheide.
 
 
Dafür habe ich jetzt genügend Zeit, um hier oben an diesem wunderschönen Plätzchen etwas länger zu verweilen. Ich hole mir in der Hütte was zu trinken und verputze den mitgebrachten Thonsalat. Die Himmelsstimmung ist ganz speziell mit der Sonne, die immer mal wieder zwischen den Wolkenfetzen hindurchdrückt. Während ich da so sitze, flitzt plötzlich ein Trailrunner vorüber. Er kommt vom nahen Passo herunter, lässt die schöne Hütte einfach links liegen und rennt weiter. Ich hingegen könnte noch lange hier sitzen bleiben und spiele mit dem Gedanken, ein andermal in der Hütte zu übernachten, um dem nahen Gipfel in der Hike&Bike-Variante einen Besuch abzustatten.
 
 
Im Gegensatz zum wilden Tal mit David, ist hier der Rückweg auf der Aufstiegsroute komplett fahrbar und die Enttäuschung über den Rückzug hält sich somit in Grenzen. Die Abfahrt macht von Anfang an mächtig Spass, direkt unterhalb der Hütte ist sie gespickt mit grossen Steinen und Absätzen, genau die richtige Mischung für mich. Ich muss nur ganz vereinzelt absteigen und geniesse den Ritt zwischen den Alpenrosen hindurch nach unten.
 
 
Auf der ganzen Abfahrt werde ich einzig von einem fiesen Gegenanstieg ausgebremst, hier muss das Bike etwa 80 Höhenmeter den Hang hinaufgetragen werden. Danach geht es auf diesem schönen Singletrail weiter zur nahen Forcola. Die Wolken sind hier unten schon etwas weniger dicht und die Sonne zeigt sich wieder vermehrt, wenn auch noch etwas zaghaft.
 
 
Nach der Forcola tauche ich in den Wald ein, der Spass geht weiter. Ich komme wieder an der schönen Alpe vorbei, leider noch immer unbewirtet, also ist nichts mit einem kühlen Drink. Es folgt der Teil durch die Graslandschaft und die Farnfelder, bis ich zu diesem kleine Kappelchen komme. Hier leg ich auf dem Bänkchen eine kurze Verschnaufpause ein und lasse den Blick über die Magadinoebene schweifen.
 
 
Unterhalb des schönen Montis nehme ich die Strasse, auf welcher ich bis zum kleinen Seechen vom ersten Tag fahre. Der Downhill von dort aus ist so gut, dass ich ihn heute gleich nochmals unter die Räder nehme. Vorbei an den Rusticos geht es talwärts und ich stoppe nur kurz beim Rivellabrunnen, um mir eine Erfrisch zu genehmigen. Da kommen Kindheitserinnerungen auf, das Rivella Rot aus den kleinen Dosen schmeckt immer noch gleich gut wie als kleiner Knirps.
 
 
Unten im Tal ist der Sommer wieder zurück, die Sonne strahlt und ich wechsle auf der Staumauer die Talseite. Jetzt kann ich es rollen lassen, bis zur Ferienwohnung geht es nur noch abwärts. Beim gemütlichen Teil des Tages lasse ich die Tour gedanklich nochmals an mir vorüberziehen. Auch wenn ich heute schon zum zweiten Mal eine Tour nicht wie geplant zu Ende fahren konnte, wird sie mir noch lange in bester Erinnerung bleiben. Die Hütte dort oben ist einfach traumhaft schön und ich werde ihr irgendwann sicher nochmals einen Besuch abstatten.
 

7 Kommentare

  1. Spoony sagt:

    Sehr schöner Bericht dieser Entdeckertour und dann gleich noch mit Selfies! Die Hütte scheint wirklich interessant zu sein! Für mich angesichts der Tragepassagen aber eher ohne Bike. Übrigens ist Umkehren bei diesen Wetterverhältnissen nie eine schlechte Idee.

    • Sven sagt:

      Hehe, und das ganz ohne Selfiestick 😁 Die Hütte ist definitiv auch als Wanderziel lohnenswert, gäbe eine super 2-Tagestour ab.

      Ja, im Zweifelsfall in den Bergen lieber einmal zu viel umkehren als etwas riskieren. Gewitterrisiko bestand hier zwar keins, aber mein Gefühl sagte mir trotzdem, dass ich wohl besser umkehre. Das ist im Tessin noch oft so, während unten Sonnenschein herrscht, ziehen über die Gipfel der Nordtäler Wolken.

  2. spectres sagt:

    Hi Sven
    Wenn man, wie Du, Explorertouren macht, dann heisst das, dass man Pläne ändern (können) muss bzw. sollte. Manchmal bedeutet es auch, dass runter mehr zu tragen ist als man dachte (weil die erhältlichen Unterlagen zu wenige Details enthalten). Und die Tour war ja auch so toll.
    Auf alle Fälle eine schöne Ecke.

    Ciao, bernhard

    • Sven sagt:

      Das ist so, ein Plan B und eine Karte in der Tasche zu haben ist bei solchen Vorhaben nicht verkehrt. Das ist ja gerade das interessante daran 😎 beim Start am Morgen nicht zu wissen was einem erwartet und wo einem die Tour schlussendlich hinführen wird.

  3. ROTSCHER sagt:

    Sehr schöne Eindrücke. Das Tessin bietet ja vor allem für Liebhaber des Biketragens einiges 😁 Mit Höhen um die 2000 Meter ist es auch vorzüglich geeignet für Frühsommer-Abenteuer, wenn in den Alpen noch eher etwas Schnee liegt.
    Die Hütte sieht echt schön aus und lädt wirklich zu einer Übernachtung ein. Vor allem wenn sie nicht überfüllt ist und man seinen Frieden hat … Entspannung pur.
    Und das einsame Täli auf der anderen Seite würde mich natürlich auch gluschten 😉 Gib mir also Bescheid wenn du dieses Vorhaben planst. Vielleicht nächstes Jahr?

    • Sven sagt:

      Genau, diese Frühsommer Abenteuer sind es 😎 die mich neben dem unvergleichlichen DolceVita-Feeling immer wieder an den Lago di Maggiore ziehen. Während oben noch viel Schnee liegt, geht da die Bikebergsteigsaison schon im Juni los 👌

      Die Ticinodays 2019 kommen bestimmt, ich gebe dann Rauchzeichen in die Ostschweiz 😉

  4. blackCoffee sagt:

    Diese Hütten haben immer ihren eigenen Reiz – wäre schön sie für eine Mehrtagestour einzuplanen…

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