Nix klaro am Claro

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Dans les Vosges
5. Juni 2019
Giorno della Capanne
30. Juni 2019
 
Endlich ist es soweit, die Ticinodays stehen vor der Tür, darauf habe ich mich die ganzen letzten Monate schon gefreut. Im letzten Jahr war ich ja vorwiegend allein auf den abenteuerlichen Pfaden der Sonnenstube unterwegs, heuer wird dies etwas anders sein. Es haben sich diverse Freunde angekündigt, um mit mir zusammen die Tessiner Trails unsicher zu machen. Da beide Ferienwohnungen der Vorjahre schon besetzt waren, musste ich mir etwas Neues suchen und wurde in Minusio fündig. Nach einer gemütlichen Fahrt treffe ich am Freitagnachmittag am Lago di Maggiore ein und werde von der Familie Zulauf freundlich empfangen. Das mit viel Liebe eingerichtete Studio ist ein Bijou und der Blick über den See einfach traumhaft, hier lässt es sich aushalten. Ich richtige mich ein, gehe noch kurz nach Tenero einkaufen und werfe schon bald darauf ein erstes Mal den Grill an. Mit der leckeren Salsiccia-Ticinese bin ich jetzt auch kulinarisch angekommen. Bei einem Glass Wein lasse ich die Ferienstimmung auf mich wirken und da trifft auch schon Ändu ein, er wird mir die nächsten Tage Gesellschaft leisten und freut sich auch schon mächtig auf die Ticinotrails.
 
 
Am nächsten Morgen treffen wir in Castione auf Rotscher und David, somit wäre die Truppe für die nächsten Tage komplett. Das kleine gelbe Bähnchen erspart uns die ersten Höhenmeter und man glaubt es kaum, pro Fahrt haben drei Personen mitsamt ihren Bikes darin Platz. Oben angekommen montieren wir unsere Tragehilfen und marschieren los, durch den Wald geht es steil nach oben. Von dem nächtlichen Regenschauer ist noch jede Menge Feuchtigkeit übrig, welche unter der Sonneneinstrahlung für ein schwülwarm subtropisches Klima sorgt.
 
 
Nach der langen Winterpause sind wir das Tragen nicht mehr gewohnt und müssen uns erst noch etwas warmlaufen. Bei der Capanna habe wir die ersten 700 Höhenmeter hinter uns und der Motor läuft wieder wie geschmiert, da verschieben wir die Einkehr lieber auf später und ziehen gleich durch. Vorbei an riesigen Felsbrocken geht es weiter aufwärts und wir fragen uns schon von weitem, was da wohl für zwei komische Tiere stehen. Beim Näherkommen wird uns klar, es sind tatsächlich zwei Alpakas, welche die vier Typen mit den Bikes auf dem Rücken kritisch beäugen.
 
 
Dass der favorisierte Gipfel wohl (noch) nicht ganz drin liegen würde, damit haben wir gerechnet. Unsere Devise ist einfach einmal zu schauen was geht und die uns unbekannte Gegend zu rekognoszieren. Wir queren hinüber zum Passo und erkennen schnell, heute ist nix klaro am Claro. Am Gipfel kleben hartnäckig Wolken fest und auch an Schnee liegt noch so einiges in der nicht ganz trivialen Aufstiegsroute.
 
 
So bringt das nichts, der anvisierte Pizzo muss noch warten und wir disponieren kurzfristig um. Wir fahren wieder ein Stück zurück, schultern die Bikes erneut und peilen den Nachbarsgipfel an, welcher uns da so schön anlächelt. Somit kommen wir doch noch zu unserer dingend benötigten Gipfeldosis. Der Piz ist recht einfach erreichbar und schon bald stehen wir oben bei der metallenen Pyramide.
 
 
Der Gipfel liegt genau auf der Kantonsgrenze zwischen Graubünden und dem Tessin, durch den Dunst hindurch könne wir auf der einen Seite ins Calancatal und auf der anderen auf Bellinzona hinunterblicken. Wir geniessen die erste Gipfelrast der Saison, futtern etwas und verewigen uns im Gipfelbuch. Die anschliessende Abfahrt ist ganz nach unserem Geschmack, wie haben wir das vermisst in den letzten Monaten, alpines Biken vom Feinsten.
 
 
Biken oberhalb der Baumgrenze ist doch einfach am schönsten, der Blick kann in die Weite schweifen und die Steine laden zum Spielen ein. Unser Ersatzgipfel ist ein wahrer Glücksgriff und bis zur Capanna hinunter komplett fahrbar, die verschobene Einkehr wird jetzt nachgeholt. Während die Sonne immer mehr durchdrückt, gönnen wir uns ein kühles Getränk und ein Stück vom hausgemachten Kuchen, bevor es weiter talwärts geht.
 
 
Wir haben immer noch gut 1600 Tiefenmeter vor uns und diese haben es in sich. Wie so oft im Tessin ist es untenrum im Wald anspruchsvoller als oben am Berg, verblockt und voller Wurzeln verlangt uns der Trail alles ab. Die Lichtungen mit den typischen Steingebäuden bieten da jeweils eine willkommene Gelegenheit zum Durchatmen. Ganz schadlos überstehen wir die Abfahrt dann doch nicht, Ändu kommt leider nicht um eine Bodenprobe herum und David verteilt nach einem heftigen Drop seine Dichtmilch im Wald.
 
 
Unten in Castione klatschen wir ab, dies war mal ein Start von 0 auf 100, jetzt sind wir bereit für die kommende Hochtourensaison und die Abenteuer der nächsten Tage. Darum liebe ich das Tessin so, während andernorts noch Schnee liegt, kann man hier schon die Gipfel stürmen und an den fahrtechnischen Skills feilen. Nachdem Rotscher und David im Hotel eingecheckt haben, kommen sie noch zu uns in die Ferienwohnung hoch und wir lassen den Tag beim einten oder anderen Bierchen und Grilladen ausklingen. Besser hätte der Auftakt zu den diesjährigen Ticinodays nicht sein können und wir freuen uns schon auf morgen.
 

3 Comments

  1. ROTSCHER sagt:

    Passend zur Wanderung auf den Gipfel habe ich natürlich die roten Socken montiert 🙂 … ein wirklich super cooler Biketag mit euch … im Tessin, sowieso im Sopraceneri geht es immer von 0 auf 100, zumindest fernab der Bikerautobahnen … auf zum nächsten Streich 😉

  2. David sagt:

    Ja es war eine geniale Tour, das nächste Mal reichts ja vielleicht noch für den grösseren Gipfel! Wie du sagst, von 0 auf 100 … und 100% Trailanteil, sogar beim Aufstieg 😁👌🏻

  3. Sven sagt:

    Hat wie immer mega Spass gemacht mit euch drei und Rotschers Taktik ist voll und ganz aufgegangen, keine einzige Rotsocke hat sich beschwert 😆 … das schreit förmlich nach einer Wiederholung im nächsten Jahr, das Sopraceneri hat noch so viele Gipfel mit 100% Trailanteil zu bieten und mit etwas Glück sind diese auch fahrbar 😇

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