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Wie immer im Sommer verbringe ich fast jede freie Minute auf dem Bike und bin dementsprechend mit den Blogbeiträgen im Rückstand. Wenn ich etwas Zeit finde, werde ich wie jetzt hier über die neusten Aktivitäten berichten und Euch mit den restlichen Erlebnissen dann den Winter versüssen. Auf meinem Instagram-Account könnt Ihr sonst mitverfolgen, wo ich mich im Moment gerade herumtreibe.

Bei der onTour-Aktion meines Bloggerkollegen Rotscher, kann man sich jeweils für gemeinsame ausgesuchte Touren melden. Am letzten Sonntag stand wieder einmal eine solche auf dem Programm, diesmal unter dem Label onQuältour. Die Anzahl der möglichen Kandidaten für solche Abenteuer ist jeweils überschaubar und so quetschen nur David und ich unsere Bikes in das kleine Seilbähnchen, welches uns ins Dorf hinaufbringt, wo Reiseführer Rotscher schon auf uns wartet. Wir schwinge uns gleich in die Sättel und beginnen den Aufstieg, plaudern können wir ja auch während dem Pedalieren.
 
 
Der Duft des Wallis zieht durch unsere Nasen während wir die ersten Höhenmeter bis zur unteren Alp absolvieren. Ab hier ist fertig mit Fahren und wir gehen auf dem steilen Alpweg zum Schieben über. Bei der oberen Alp wird aber auch dies zu mühsam und wir fahren die Teleskopstangen unserer PeakRider aus. David und ich konnten die Tragehilfen ja schon im Tessin ausgiebig testen, Rotschers Gipfelreiter kommt heute erstmals zum Einsatz. Auf dem Wanderweg geht es nun weiter aufwärts, knapp 300 Höhenmeter trennen uns von dem gut sichtbaren Kreuz, welches aber noch weit unter dem Gipfel steht. Zwischenzeitlich können wir sogar ein kurzes Stückchen fahren.
 
 
Bei besagtem Kreuz halten wir kurz an und geniessen den Blick ins Rhonetal, bevor die nächsten 500 Höhenmeter in Angriff genommen werden. Schritt für Schritt schreiten wir nach oben, der Weg verliert sich immer mehr und die Gesteinsbrocken werden immer grösser. Bei einer kurzen Pause lassen wir den Blick aufwärts schweifen, das Ziel türmt sich in Form eines riesigen Steinhaufens vor uns auf.
 
 
Hier sind wir ganz in unserem Element, die unberührte Steinlandschaft lässt die Herzen höherschlagen und nicht nur uns geht es so, auch der Wolf fühlt sich hier wohl und hat bereits ein ganzes Rudel gegründet. Zwischen all den Steinen erfreuen einzelne Farbtupfer das Auge, mich faszinieren diese Kontraste immer wieder, wenn ich an solch unwirklichen Orten farbenfrohes Leben finde.
 
 
Auf dem weiteren Weg nach oben sind wir froh, dank dem PeakRider beim Überwinden der steinernen Hindernisse die Hände frei zu haben. Unzählige Schweisstropfen später haben wir dann das erstes Horn auf über 2800müM erreicht, die Quälphase ist damit vorbei und die Genussphase kann beginnen. Wir machen es uns auf dem Gipfel gemütlich und geniessen die grenzenlose Freiheit, wie man sie nur in den Bergen verspürt.
 
 
Während wir unseren Proviant verzerren geht des Gipfelraten los, ringsherum Berge und Touren welche wir schon befahren haben und solche die noch auf unserer Wunschliste stehen. Das Horn hinter uns hatten wir zuerst auch noch ins Auge gefasst, macht aber mit dem Bike nicht wirklich Sinn und wir lassen es darum sein.
 
 
Jetzt geht es an die Abfahrt und wir sind gespannt wie sich diese uns präsentieren wird. Beim Blick von oben ist kein Pfad erkennbar, nur viele Steine und weit unten das nächste Horn. Zuerst überqueren wir zu Fuss ein kleines Steinfeld, bevor es fahrend weitergeht. Der meist weglose Ritt den Bergrücken hinunter ist einfach nur genial und zu unserem Erstaunen fast komplett fahrbar. Das ist Mountainbiking wie wir es lieben, gleichzeitig die beste Linie im steinigen Gelände suchen und die Physik im Griff behalten, die drei Liteville-Wölfe sind hier voll und ganz in ihrem Element.
 
 
Beim zweiten Horn des Tages hat es dann auch ein Gipfelkreuz und wir machen nochmals Rast, eine gute Gelegenheit für ein Generationenfoto. Die Liteville-Evolution der letzten vier Jahre reiht sich hier vor schönster Walliser Kulisse auf, hier gehören sie hin und hier fühlen sie sich wohl unsere 301.
 
 
Der Blick ins Rhonetal ist hier auf diesem Horn fast noch besser, das Wallis liegt uns einmal mehr zu Füssen. Mir sticht sofort der Schriftzug "Dort ist ein Mann" auf dem Rollfeld des Flughafens ins Auge. Reiseführer Rotscher klärt uns Üsserschwiizer über den geschichtlichen Hintergrund dieses Wortspieles auf. Natürlich darf auch ein Eintrag im Gipfelbuch nicht fehlen, bevor wir uns in den zweiten Teil der Abfahrt stürzen.
 
 
Den Weg hinunter in den Kessel sahen wir schon vom Aufstieg aus, da schaute er einfacher aus als er sich uns jetzt präsentiert, steil und technisch verlangt er uns alles ab. Wir müssen immer mal wieder absteigen, dies macht uns aber überhaupt nichts aus, lieber gefordert sein als einfach nur talwärts rollen, schliesslich wächst man ja mit jeder Herausforderung.
 
 
Nachdem wir auch diese Challenge gemeistert haben, rollen wir unten im Kessel über die Grasfläche. Den hochalpinen Teil haben wir somit erfolgreich absolviert, aber der Spass ist noch lange nicht vorbei. Der Weg führt weiter durch den lichten Baumbestand nach unten, nicht mehr ganz so steil und technisch, aber immer noch alles andere als ein Flowtrail, heute können wir richtig an unseren Fahrskills feilen.
 
 
Weiter unten stossen wir auf einen verfallenen Stall, welcher dort auf einer Wiese am Waldrand steht. Der Weg wird immer flüssiger, wir tauchen in den Wald ein und können die Bremsen jetzt öfters mal offenlassen. Von hier ist auch mein letztes Foto, der folgende Trail ist einfach zu gut um immer wieder anzuhalten.
 
 
Fast lautlos lassen wir es über den Nadelteppich fliegen, die Stille wird nur durch ein paar spontane Juchzer unterbrochen. Es folgt ein kleiner See, wo ein paar Einheimische gerade auf dem Rückweg vom Sonntagsausflug sind. Auf die Frage wo wir herkommen, zeigen wir auf die beiden Hörner. Erst glauben sie uns nicht und meinen dann schmunzelnd, entweder seien wir Lügner oder Spinner. Wir plaudern noch etwas während ein paar fiesen Mücken uns attackieren, also lieber schnell weiter. Rotscher präsentiert uns einen genialen Trail nach dem anderen, bis wir wieder unten im Dorf sind.

Jetzt könnten wir entweder die Seilbahn oder den nächsten Trails ins Tal nehmen, die Entscheidung fällt ins nicht schwer. Fast in der Falllinie geht es der Seilbahn entlang nach unten, viel Staub und Tempo, die Bremsen glühen und die Fahrer grinsen, so muss das sein. Unten im Tal ist dann die Gluthitze zurück und unsere Kehlen staubtrocken, Abhilfe schafft da ein kühles Blondes. Da es noch etwas dauert bis der nächste Zug fährt, bestellen wir uns dazu noch eine Pizza und lassen so den Biketag in der Gartenwirtschaft ausklingen. Diese Experimentaltour zu den beiden Hörnern war ein Volltreffer, es macht immer wieder mega Spass mit Euch beiden unterwegs zu sein, solche Tage mit Freunden in den Bergen sind unbezahlbar.
 

12 Kommentare

  1. Spoony sagt:

    Sieht mir nach einer sehr tollen Tour aus – aber definitiv schon etwas nahe der Kategorie Bikesteiger. In jedem Fall schön, dass du hier im Blog weitermachst und es nicht bei einigen Bildli im Instagram belässt.

    • Sven sagt:

      Ja, da hatte Rotscher uns eine ganz besondere Walliser Delikatesse präsentiert 😎
      Instagram ist eine nette (vergängliche) Ergänzung, aber der falsche Ort um Geschichten zu erzählen und Erlebnisse dauerhaft festzuhalten.

  2. blackCoffee sagt:

    Sehr schöne Tour – danke für’s Teilen….;-)

  3. ROTSCHER sagt:

    Wow, das ging ja schnell mit dem Beitrag 😉 Bei mir dauert das etwas länger … aber ganz toller Bericht. Ich lebe gleich wieder auf … zurückversetzt auf den Berggipfel. Dieser Tag geht bei mir sicher in die Top-Touren vom 2018 ein. Ich habe es in vollen Zügen genossen … alles hat gepasst, Gipfel, Kollegen, Trails, Bierchen, Pizza 😁
    Sehr gerne wieder!
    Nebenbei: Nur der Blog wiedergibt ein Tag so wunderbar wie er war …

    • Sven sagt:

      Dieser Tag war definitiv eines der Highlights der bisherigen Bikesaison 👍 DANKE fürs guiden, ich bin jederzeit wieder dabei wenn es heisst onQuältour. Im Gegensatz zu einem gewissen anderen Guide, mussten wir hier weder umkehren noch das Bike wieder herunterschleppen 🤣

      • IBEX73 sagt:

        Mooooment! Das lasse ich so nicht auf mir sitzen.
        1.Valle Selvaggia: Zeitliche fehlplanung der Selfguide-Gäste.Abfahrt zu 99,9% fahrbar
        2.Bellavista Valle M.: Fahrtechnisches Unvermögen des Gastes-Abfahrt zu 99,9% fahrbar.
        3.Bella Capanne: Für das Wetter kann der Guide am wenigsten etwas…..

        Unterschrieben mit einem fetten,unverschämten Grinser….Thomas

        • Sven sagt:

          Die Kunst über sich selbst zu lachen 😅 Der Blogger meinte eigentlich grinsend sich selbst, war er an dem Tag doch der Guide, welcher seinen Gast auf die Tour ins Valle Selvaggia schleppte. Herrn Ibex trifft da keine Schuld, der hatte nur die Rolle das Inspirateurs 😉

    • David sagt:

      Ja, ein toller Bericht für eine tolle Tour! Danke euch beiden, war von A bis Z super. Der Peakrider wird langsam aber sicher zu einem treuen Begleiter für die schönsten Touren, abseits der ausgefahrenen Pfade.

  4. Ventoux sagt:

    Da kribbelts aber gewaltig in den Beinen und Fingern, wenn ich diese wunderschönen BIlder sehe. Wobei ich da wohl technisch an meine Grenzen gestossen wäre. Hoffe es klappt noch im Herbst mal was Gemeinsames zu machen.

  5. spectres sagt:

    Salü zäme

    Yepp, das ist definitiv eine tolle Tour. Die beiden Gipfel habe ich vor fünf Jahren auch gemacht, bin aber die Schlussabfahrt anders runter.
    Die Abfahrt von Horn 1 zu 2 wie auch die vom 2 im oberen Teil runter habe ich gleich erlebt.

    Gratuliere Euch zu dieser tollen Tour.

    Happy trails, bernhard

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