Goldgelbe Cremeschnittentour

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Da ich noch eine Tageskarte kurz vor Ablaufdatum hatte, setzt ich mich am Samstag in den Zug ins Wallis, welches ich dieses Jahr bisher schändlich vernachlässigt hatte. Vor dem Lötschbergtunnel noch tristes Nebelwetter, erwartete mich im ab dessen südlichen Ausgang Sonnenschein pur, was will man mehr. Von Visp aus radelte ich der Saltina entlang bis kurz vor Stalden, von wo aus es dann mit dem Ziel Moosalp aufwärts ging.
 
 
Bis nach Zeneggen führte ein Strässchen durch abgeherbsteten Rebberge und den wunderbar gefärbten Eschwald. Ab Zeneggen wechselte dann der Untergrund zu naturbelassen, aber stets easy fahrbar mit angenehmer Steigung. Vorbei am Weiler Obri Hellala war der Weg noch ein gutes Stück fahrbar, bevor ein paar steile Schiebestücke folgten. Diese hätte man auch auf der Strasse umfahren können, auf der das Postauto von der Obri Hellala zur Moosalp fährt, aber dann hätte man die schöne Breitmatte verpasst.
 
 
Nach der langen Strecke im Wald, stand ich plötzlich auf dieser schönen Alp und es tat sich mir das erste Mal auf dieser Tour der Blick auf die Mischabelgruppe und das Saastal auf. Nach einer kurzen Pause ging es auf einem breiten Weg weiter zur Moosalp, wo ich mich schon auf das kulinarische Highlight der Tour freute.
 
 
Ich hatte ja schon viel über die Mutter aller Cremeschnitten im Restaurant Moosalp gehört und ich wurde nicht enttäuscht. Frisch, luftig, extrem lecker und mächtig gross, genau das richtige nach 1400 Höhemeter Aufstieg. Frisch gestärkt machte ich mich anschliessend auf den einfach zu fahrenden Höhenweg, begleitet von einem wunderbaren Panorama, welches nur kurz durch einen stockdunklen Tunnel unterbrochen wurde. Zum Glück hatte es einen Handlauf, an welchem ich mich entlang tasten konnte.
 
 
Ab der Alp Läger folgte dann ein super Singletrail durch den sich langsam goldgelben färbenden Lärchenwald. Diese Farbenpracht begleitete mich fast die ganze Tour, einfach herrlich zu dieser Jahreszeit in den alpinen Nadelwäldern unterwegs zu sein.
 
 
Nach dem Erreichen des Emdbachtobels war aber erstmal Schluss mit fahren, die nächsten 200 Höhenmeter aufwärts musste das Bike geschoben und getragen werden. Die ersten paar hundert Meter des folgenden Trails führten wiederum durch einen goldigen Lärchenwald, bis ich plötzlich an einem Steilhang stand. Zwar relativ einfach zu fahren, führte der Weg durch steile Wiesen und Felstücke, wo man besser nicht stürzte. Mit der nötigen Vorsicht aber durchaus fahrbar, nur ein paar kurze aber heftige Hügel zwangen mich aus dem Sattel.
 
 
Nach dem Bergdörfchen Jungen war der Trail dann wie umgekehrt. Technisch anspruchsvoll, enge Serpentinen, Stein und Wurzeln, aber dafür nicht mehr so ausgesetzt, so richtig nach meinem Geschmack. Dieser Teil von Jungen nach St. Niklaus runter, war für mich das Highlight des Tages und auch ein kleiner Sturz vermochte die Laune nicht zu dämpfen. So langsam müsste ich mir wirklich mal Gedanken über die Anschaffung von ein paar Knieschonern machen.
 
 
Je tiefer ich kam, desto schneller und flüssiger wurde der Trail. Obenab glänzte er noch mit einer schönen Aussicht über das Tal und das nächste Ziel, dann in den Wald eingetaucht und am Schluss noch schnell über ein paar Weiden, bis ich mit einem breiten Grinsen in St. Niklaus stand.
 
 
Trotz schon fortgeschrittener Uhrzeit -tja, wäre ich doch etwas früher aus dem Bett gekommen- hängte ich das Bike hinten ans Postauto und lies mich nach Grächen rauf chauffieren. Dort angekommen machte ich mich sofort auf der Stasse auf zur Hohtschugge, von wo der Downhill im Wald nach Stalden runter begann.
 
 
Der obere Teil des Downhill war nicht so mein Ding, für meinen Geschmack zu steil, zu rutschig und zu enge Spitzkehren. Aber er wurde je länger desto besser fahrbar und gegen Schluss, konnte ich es auf dem schnellen Waldweg nochmals richtig fliegen lassen.
 
 
Von Stalden aus ging es dann wieder der Saltina entlang zurück nach Visp, wo ich um 19 Uhr glücklich und müde den Zug nach Hause bestieg. Nach den verstauchen Zehen und dem anschliessenden Asphaltsturz mit dem Hardtail, war dies meine erste richtig grosse Herbsttour und ich hoffe, dass noch ein paar dieser goldgelben Touren folgen werden, bevor dann wieder die für uns Biker unbeliebteste Jahreszeit beginnt.
 


volle Distanz: 52.16 km
Maximale Höhe: 2183 m
Minimale Höhe: 651 m
Gesamtanstieg: 2282 m
Gesamtabstieg: -2281 m

6 Kommentare

  1. blackCoffee sagt:

    Schöne Tour, die ich vielleicht nächstes Jahr mal fahre 😉

    Habe die Knieschoner im Wallis auch schon wegen der Witterung angezogen und deren positiven Nebeneffekt geschätzt..;-)

  2. Ventoux sagt:

    Einfach nur ein Genuss diese Bilder anzuschauen, super danke. Und von dieser Cremeschnitte habe ich nun soviel gelesen, dass sie nun wirklich mal auf meinen Teller muss.

  3. rotscher sagt:

    Wow, wunderschön wie sich das Wallis im Herbst präsentiert … und ich sitze im Flachland meist unter dem Nebel. Nächstes Jahr muss ich unbedingt zu dieser Jahreszeit in die Berge, also ins Wallis. Und die Abfahrt von Jungu steht auch noch auf meiner Liste. Passt doch 🙂

  4. Sven sagt:

    Wenn Ihr früher dran seit als ich Schlafmütze, würde es sich anbieten, anschliessend von Stalden mit der Seilbahn rauf nach Gspon, um noch die Abfahrt über Gebidumpass/Giw/Hotee anzuhängen. War mal im Ride als Stalden-Rundtour drin: http://www.ride.ch/touren/stalden-rundtour

  5. Dirk sagt:

    Wieder mal ein super Bericht und tolle Bilder !

  6. Dein Nachbar sagt:

    Hallo Sven

    Bring mir das nächste mal so eine Cremeschnitte mit 😉

    Lg, dein Nachbar

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