
Le Bouquetin
15. März 2026Für den Abschluss meiner Sommerferien zieht es mich einmal mehr nach Zermatt. Ich war das ganze letzte Jahr nie dort, also höchste Zeit dem Horu und Beat wieder mal einen Besuch abzustatten. Wie schon bei meinem letzten Aufenthalt logiere ich im Resort La Ginabelle, wo ich mich verwöhnen lasse. Am ersten Tag geht es gleich hoch hinaus zum ewigen Eis, da ich vor geraumer Zeit bei Beat ein paar Fotos gesehen habe, welche mich sofort angefixt haben. Mit der Seilbahn schweben wir hinauf zum Trockenen Steg, wo der Aufstieg über den Gletscher beginnt. Erst noch fahrend auf der breiten Ratrac-Spur, wechseln die Bikes später auf die Schultern, während der weisse Schnee unter uns in der Sonne glitzert.
Mit dem Erreichen der Skilift-Bergstation auf dem Sattel ist aber noch nicht Schluss, wir steigen weiter auf dem Horn entgegen. Von hier aus kann man gut sehen, warum der Trockene Steg diesen Namen trägt. Seit dem Ende der kleinen Eiszeit hat sich der Theodulgletscher immer weiter zurückgezogen, wodurch ein gigantischer Felsriegel freigelegt wurde, welcher nun wie ein (trockener) Steg hoch über Zermatt thront. Das sich zurückziehende Eis legt auch immer wieder Fundstücke wie Münzen und Waffen frei, welche aus dem Spätmittelalter stammen, als der Theodulpass komplett eisfrei war und als wichtige Verbindung ins Valtournenche genutzt wurde.
Oben auf dem Horn weht ein zugiges Lüftchen und es ziehen langsam Wolken auf. Das grosse Horu ist bereits durch diese verhüllt, aber auf der anderen Seite ist das kleine Horu noch frei von Gewölk. Ebenfalls noch freie Sicht haben wir auf das Breithorn und die Dufourspitze, den höchsten Gipfel der Walliser Alpen. Zum Greifen nah ist unter uns auch der Theodulpass und das Rifugio del Teodulo, wo ich bei einem meiner früheren Zermattaufenthalte erstmals auf Gletschereis unterwegs war. Das Gestein in den verschiedensten Grau- und Brauntönen ist herrlich anzusehen und das weisse Schneetopping setzt dem ganzen noch das Krönchen auf, wie ein Bild vom Herrgott persönlich gemalt.
Allzu lange verweilen wir aber nicht oben auf dem Horn, da der Wind uns ganz schön frösteln lässt. Beat der alte Poser startet mit einem Nose-Wheelie in die Abfahrt und ich folge ihm. Bis zur Bergstation geht es durch feinsten hochalpinen Schotter, hüeru güet. Nun wird der Untergrund weiss und der noch leicht gefrorene Firn knirscht unter unseren Reifen. Wie geil ist das denn, in gemächlichem Tempo geht es über das ewige Eis talwärts. Gletscherbefahrungen sind immer etwas Besonderes, aber diese hier ist definitiv eine der besten, welche ich je unter die Räder bekam.
Black Ice, when the devil come a calling, I ain't gonna be around ... nach Fear of the Dark und Run to the Hills, sind es diesmal die Jungs von AC/DC, welche uns den Soundtrack zur Abfahrt liefern. Im unteren aperen Bereich des Gletschers ist der dünne Firn bereits dahingeschmolzen und das Eis erscheint fast Schwarz. Das Schmelzwasser spritzt und die Bremsen quietschen, bis wir auf dem Trockenen Steg wieder festes Gestein unter die Rädern bekommen.
Ein letzter Blick zurück hinauf zu Satteln und Horn, wo wir vor kurzem noch standen. Aber der Spass ist noch lange nicht vorbei, denn nun folgt das Finale über die glattgeschliffenen Felsen. Als Local kennt Beat natürlich die beste Linie und ich folge ihm bis hinunter nach Zermatt, wo bereits der kühle Gerstensaft auf uns wartet. Der erste Tag war ein Volltreffer, danke dir Beat fürs Guiden, es macht immer wieder Spass mit dir zusammen fernab der ausgetretenen Pfade unterwegs zu sein.







