parallax background

Viva Engiadina

30. Januar 2026
Alle Jahre wieder
27. Dezember 2025
Le Bouquetin
15. März 2026
Alle Jahre wieder
27. Dezember 2025
Le Bouquetin
15. März 2026
 

Nach Saas-Fee geht der Gourmetbiketrip weiter ins Engiadina, wo sich in Pontresina meine kleine heile Oase befindet, um dem Weltgeschehen zu entfliehen. Nach über 10 Jahren fühle ich mich hier schon wie daheim und freue mich auf ein paar schöne Tage unter Freunden im Hotel Rosatsch. Am ersten Tag mache ich mich auf den Weg hinauf zum ewigen Eis des Pers, das letzte Mal war ich vor 7 Jahren dort oben, höchste Zeit der schönen Teufelin wieder einmal einen Besuch abzustatten.

 

 

Mit der RhB tuckere ich hinauf zur Talstation Diavolezza, wo der Aufstieg zu Fuss beginnt. Während die Wandersleute in der Gondel über mich hinwegschweben, schiebe und trage ich mein Bike einsam die 900 Höhemeter hinauf, bis ich bei der Bergstation wieder in den Touri-Trubel eintauche. Aber hier ist es mir zu laut und so marschiere ich gleich weiter dem benachbarten Gipfel zu. Vor der etwas mühsamen und unfahrbaren Querung dann die Frage: Gipfelglück oder eine ausgedehnte Rast?

 

 

Ich entscheide mich für die Rast und lasse den Gipfel zugunsten einer längeren Pause vor diesem Traumpanorama sausen. Für mich ist dies mit Abstand der schönste Platz im Engiadina, der Blick in den Festsaal der Alpen ist einfach immer wieder aufs Neue überwältigend und ich könnte ewig träumend hier sitzen bleiben. Der Trail zurück bis zur Bergstation ist super und bietet jede Menge Möglichkeiten für einmalige Fotos vor dieser weiss funkelnden Gipfelpracht.

 
 

Der weitere Weg über den Corn Diavolezza ist (für mich) nicht komplett fahrbar, aber dies macht nichts, denn die Zeit im Satteln entschädigt für die unfahrbaren Passagen und der Blick auf die tiefblauen Seen und den Berninapass ist einfach herrlich.

Am zweiten Tag möchte ich den Hahnensee-Trail unter die Räder nehmen, da dieser mir auch nach einem Jahrzehnt hier im Engiadina immer noch fehlt. Die Corvatsch-Bahn nimmt nur auf den ersten beiden Fahrten am Morgen Biker mit, aber so früh aufstehen in den Ferien geht ja gar nicht. Also wähle ich halt die BBS-Langschläfervariante und fahre nach einem ausgiebigen Frühstück das Val Roseg hinauf, bis das Bike beim Restaurant für die nächsten paar hundert Höhenmeter auf die Schultern wechselt.

 

 

Oben auf der Fuorcla Surlej gibt es erstmal eine Stärkung, bevor ich mich in den Hahnenkampf stürze. Der Hahn zeigt von Anfang an seine Sporne, aber im positiven Sinn. Ich werde voll gefordert und steige an der einten oder anderen Stelle auch mal ab. Die kurzen Gegenanstiege wären mit genügend Kraft oder Motorunterstützung sicher fahrbar, aber ich spare mir die Körner lieber auf und schiebe. Bei diesem Panorama kann ich den Aussichtspunkt natürlich nicht einfach links liegen lassen und lege nochmals eine kurze Pause ein, bevor es hinunter zum namensgebenden Güggel-See dem Lej dals Chöds geht. Die zahlreichen Kommentare im Hochglanzmagazin haben nicht zu viel versprochen, der Hahnensee-Trail ist echt top und mit etwas Übung wohl auch fast komplett fahrbar.

 
 

Sassal Mason ist auch so ein Ort, wo ich es in meiner langen Zeit hier noch nie hingeschafft habe. Darum verbinde ich dies mit einem weiteren Wunschziel und lasse mich am dritten Tag mit der RhB auf den Berninapass chauffieren. Dem Lago Bianco entlang radle ich gemütlich los und nehme anschliessend die kleine Steigung unter die Räder, welche mich zur Alpe Sassal Mason bringt. Hier stehen zwei sogenannte Crotti aus dem Jahre 1876. Die runden Steinhäuser wurden ursprünglich als Milchkeller genutzt und beherbergten schon Persönlichkeiten wie Otto von Bismark und den Baron Rothschild.

 

 

Mein Wunschziel der Lagh da Caralin liegt direkt gegenüber und früher führte von hier aus auch ein direkter Weg dorthin. Aber leider wurde dieser Weg durch mehrere Felsstürze beschädigt und ist nun unpassierbar. Darum fahre ich erst einmal zum Lagh da Palü hinunter, um von dort aus den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Zu dem noch jungen Bergsee wollte ich schon lange, seit ich das erste Mal von der Alp Grüm aus zum Gletscherschliff und den wunderschönen Wasserfällen rübergeschaut habe.

 

 

Aber leider wurde auch dieser Wanderweg hinauf zum Lagh da Caralin von Unwettern beschädigt und musste verlegt werden. Mitten im Wald kapituliere ich und kehre um, so macht dies keinen Sinn, was mir auch ein entgegenkommender Wandere bestätigt. Zum Glück hat es bei der Bahnstation Cavaglia einen kleinen Kisok mit kaltem Bier, um die Enttäuschung über den verpassten Bergsee hinunterzuspülen.

Regen im Paradies, der letzte Tag beginnt grau und nass. Ich sitze frustriert im Hotelzimmer und bin schon drauf und dran mich in die nahegelegene Kletterhalle aufzumachen, als am Nachmittag dann doch noch die Sonne durchdrückt. Also schnappe ich mir mein Bike und mache mich auf zum Lieblingsplätzchen von Ralph dem Hoteldirektor, welches hoch über Pontresina liegt. Oben angekommen lasse ich mir das letzte Stückchen Nusstorte aus dem Rucksack schmecken und schaue den dunklen Wolken zu, welche langsam über den Piz Languard hinwegziehen.

 

 

Die Abfahrt ist ein Bijou und macht immer wieder superviel Spass, auch wenn heute infolge Nässe nicht ganz alles fahrbar ist. Kurz vor Pontresina fahre ich auf eine Waldlichtung zu, wo gerade ein Hochzeitsapéro im Gange ist. Ich höre Musik, da spielt doch jemand Hey Jude, was mich als alter Beatles-Fan natürlich sofort triggert. Ich setzte mich etwas abseits hin und lausche den schönen Klängen. Da kommt plötzlich der Bräutigam mit zwei Bier in der Hand auf mich zu und stösst mit mir an. Einfach genial, schöner hätte die letzte Tour nicht enden können. Danke nochmals hier an dieser Stelle für das feine Bernina-Bier und alles Gute dem sympathischen Brautpaar.

 

 

Zurück im Hotel lasse ich es mir im Wellnessbereich nochmals gutgehen, bevor das allabendliche Schlemmerdinner ansteht. Das Essen mundet wie immer vorzüglich, aber es gibt auch ein kleines Tränchen zu verdrücken, da ich heute das letzte Mal durch Eraldo den Chefkellner verwöhnt werde. Nach 16 Jahren hier im Hotel Rosatsch geht er schon bald in den wohlverdienten Ruhestand. Eine Seltenheit in dieser schnelllebigen Zeit, aber hier im Rosatsch hat es viele langjährige Mitarbeiter und auch etliche, welche nach einem kurzen Abstecher wieder zurückgekehrt sind. Danke Eraldo und auch ein Dankeschön an das ganze Team für die schöne Zeit, welche ich hier immer wieder verbringen darf, Viva Engiadina!

 

3 Comments

  1. Kai Wintjen sagt:

    Sehr schöner Bericht,
    ich komme aus Kiel und verfolge den Hochtouren Thread auf MTB news und schau denn immer mal bei Dir rein 👍

    Wir wollten letztes Jahr eigentlich auch in der Schweiz ein paar schöne Touren fahren, hatten aber Wettertechnisch Pech in unserem Zeitfenster und sind dann weiter nach Aosta gefahren.
    Mal schauen ob wir dieses Jahr mehr Glück haben und wir auch mal in die Nähe eines Gletschers kommen.

    LG Kai

    • Sven sagt:

      Hi Kai, na dann drück ich Euch doch die Daumen, dass es dieses Jahr klappt mit den helvetischen Eisriesen ✊ … der Sommer 2025 war ja leider wettertechnisch eher etwas schwierig.

  2. ROTSCHER sagt:

    Puh … ich schreibe bei dir jedes Mal, dass ich endlich seit so vielen Jahren wieder mal ins Oberengadin fahren muss/soll. Aber geschafft habe ich das bis jetzt nicht. Ich schreibe mir das fett hinter die Ohren 🤣 Diesen Sommer soll es Schweizerferien geben 🚴‍♂️
    Danke für deine tollen Beiträge … auch für das Video. Die Bikesaison kann starten 😎

Antworte auf den Kommentar von Kai Wintjen Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert