Biketragesysteme (Teil 2)

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Hütchenspiel oder Brettspiel, das ist hier die Frage. Anfang des Jahres habe ich mir zwei Biketragesysteme zugelegt und über deren unterschiedliche Ansätze in Teil 1 des Vergleiches berichtet, die Ergebnisse des Praxistestes bin ich noch schuldig. Nach einer intensiven Saison ist es jetzt an der Zeit ein Fazit zu ziehen und zu berichten, wie sich die beiden Tragesysteme im Alltag bewährt haben. Leichter wird das Bike damit nicht, soviel schon mal vorweg, aber es trägt sich deutlich angenehmer. Kein Drücken und Zwicken mehr in der Schulter, auch wenn sich die nicht fahrbaren Höhemeter wieder einmal im vierstelligen Bereich bewegen. Ausserdem hat man damit bei Bedarf beide Hände frei, sei es um sich festzuhalten oder auch nur um schnell ein Foto zu schiessen. Beide Systeme tun genau das was sie sollen und man merkt, dass sie von Leuten entwickelt wurden, die selbst regelmässig mit dem Bike in den Bergen unterwegs sind. Auf unzähligen Hochtouren hatte ich während diesem Sommer den PeakRider und HookaBike im Einsatz und konnte dabei Erfahrungen sammeln, hergeben möchte ich beide definitiv nicht mehr. Genau gleich geht es meinen Kollegen, welche sich eines der beiden Systeme angeschafft haben. Es ist ein bisschen wie bei den absenkbaren Sattelstützen, früher ging es auch gut ohne, aber einmal daran gewöhnt möchte man sie nicht mehr missen. Beide Tragesysteme haben sich in der Praxis bewährt und haben ihre Vor- und Nachteile, darauf möchte ich hier etwas genauer eingehen.
 
 

Der PeakRider ist supereinfach zu montieren, einfach den Teleskopstab in das Trinkblasenfach packen und durch die Öffnung auf die gewünschte Länge ausziehen. Meine anfänglichen Bedenken betreffend Zusammenspiel mit einer vollen Trinkblase waren völlig unbegründet, selbst mit einer prallvollen 3L-Blase gibt es keine Probleme. Nicht ganz so supereinfach gestaltet sich hingegen das Einhängen des Bikes am Teleskopstab. Mit etwas Übung klappt es mittlerweile zwar recht gut, ist aber immer noch eine Glückssache, ob ich mit der Öffnung des Hütchens auf Anhieb den Stab treffe. Vor allem wenn man beim ersten Versuch die Öffnung des Hütchens etwas umknickt, ist es fast unmöglich, dieses anschliessend über den Stab zu stülpen. Hier ist es von Vorteil zu zweit unterwegs zu sein, damit man sich beim Einhängen gegenseitig kurz behilflich sein kann.
 
 
Die Gewichtsverteilung beim PeakRider ist sehr angenehm, es fühlt sich beim Tragen lediglich an wie ein etwas schwererer Rucksack. Das Bike liegt auf dem Rucksack auf und über die Stützplatte wird ein grosser Teil des Gewichtes auf den Hüftgurt übertragen. Ein kleines Problem konnten wir aber diesbezüglich ausmachen. Je nachdem wie weit der Teleskopstab ausgezogen ist und wie fest (resp. wo) das Bike auf dem Rucksack aufliegt, scheuerte dieses an den Schnallen der Trägerverstellung. Insbesondere beim Evoc-Explorer, wo diese Schnallen aus Metall sind, ergaben sich in Kombination mit dem Alu Liteville-Rahmen unschöne Scheuerstellen.


Der HookaBike ist auch total einfach zu montieren, hierfür benötigt man aber ein paar Minuten mehr, da die Träger des Rucksackes zuerst verstellt werden müssen. Dafür gestaltet sich das Einhängen des Bikes deutlich einfacher. Wenn man den Metallzapfen im Nacken spürt ist das Bike richtig positioniert und man kann es einfach nach unten gleiten lassen, funktioniert immer auf Anhieb. Danach ist das Bike stabil mit dem Tragesystem verbunden und schwankt im Gegensatz zum PeakRider beim Laufen kaum mehr. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es sich bei Hindernissen nicht so einfach wegschwenken lässt wie beim PeakRider.
 
 
Bauartbedingt hat man beim HookaBike den Eindruck, dass das Bike etwas mehr am Rucksack hängt. Das Gewicht wird nicht so stark auf den Hüftgurt übertragen und lastet zu einem grösseren Teil auf den Rucksackträgern. Ich persönlich empfinde dies nicht als Nachteil, das Tragegefühl ist einfach etwas anders als beim PeakRider. Die Möglichkeit das Bike senkrecht zu montieren habe ich bisher noch nicht genutzt, beim Testen klappte es nicht auf Anhieb und ich hatte auf meinen Touren nie das Bedürfnis danach. Nach den ersten ausführlichen Härtetests löste sich bei meinem HookaBike die Verklebung der Klettenbänder und eine der Nähte am Rahmengurt ging auf. Ich meldete mich bei PUSH-components und hatte ein paar Tage darauf einen neuen im Briefkasten. Mein erster HookaBike war noch aus der Vorserie und die Probleme wurden mittlerweile behoben, jetzt hält alles bombenfest.


Persönlicher Favorit: Der HookaBike hat sich zu meinem persönlichen Favoriten gemausert, während dieser Saison war ich auf meinen Hochtouren zu gefühlten zwei Drittel mit ihm und zu einem Drittel mit dem PeakRider unterwegs. Auf Touren mit einem langen Aufstieg und anschliessender Abfahrt bevorzuge ich den HookaBike, da mir damit das Einhängen des Bikes leichter fällt und es stabiler mit dem Tragesystem verbunden ist. Bei Touren wo sich Tragepassagen und kurze Abfahrten abwechseln, ist hingegen der PeakRider im Vorteil, da sich dieser schneller ausfahren und wieder im Rucksack verstauen lässt. Von Abfahrten mit montierter Halteplatte oder ausgefahrenem Teleskopstab rate ich dringend ab, da dies bei einem Sturz zu wüsten Verletzungen führen kann. Aber auch bei eingefahrenem Teleskopstab bin ich bei Rucksäcken ohne Protektoren etwas skeptisch, wie sich der starre Stab bei einem Sturz mit dem Rückgrat verträgt.

Ein weiterer Punkt der für den HookaBike spricht ist seine vielseitige Einsetzbarkeit *g*
 
 

Pro & Contra PeakRider:
+ schnell einsatzbereit und auch wieder verstaut
+ das Gewicht des Bikes wird grösstenteils auf den Hüftgurt übertragen
+ einfaches wegschwenken des Bikes bei Hindernissen möglich
- das Einhängen des Bikes ist etwas tricky und benötigt Übung
- kann bei gewissen Rucksack-Bike Kombinationen zu Scheuerstellen führen

Pro & Contra HookaBike:
+ das Einhängen des Bikes ist einfach und klappt stets auf Anhieb
+ stabile Verbindung zwischen Bike und Tragesystem
+ auch für normale Rucksäcke ohne Trinksystemöffnung geeignet
- das Montieren der Halteplatte am Rucksack dauert etwas länger
- das Bike lässt sich bei Hindernissen nicht so einfach wegschwenken


Fazit: Ich kann beide, den PeakRider und den HookaBike uneingeschränkt empfehlen. Beide Tragesysteme sind hochwertig verarbeitet, funktionieren tiptop und haben sich bei mir im Alltag bewährt. Für welches der beiden Produkte man sich entscheidet, hängt schlussendlich von den persönlichen Vorlieben ab. Wenn also jemand noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk sucht, wäre dies doch etwas für auf den Wunschzettel.
 

11 Comments

  1. michi220573 sagt:

    Vielen Dank. Bleibt die Trageplatte des Hookabike nach der Montage am Rucksack oder muss man diese nach jeder Tragepassage wieder abnehmen, weil sie vielleicht bei der Abfahrt stören würde?

    • Sven sagt:

      Von Abfahrten mit montierter Trageplatte rate ich ab, da diese in einer doch eher ungünstigen Position zum Genick steht. Das Stören ist das einte, aber ich möchte mir nicht ausmalen, was da bei einem Sturz alles passieren kann.

  2. ROTSCHER sagt:

    Gutes Fazit. Ich kenne nur den PeakRider, möchte ihn aber nicht missen. Da ich öfters auch alleine unterwegs bin, ist das “Einfädeln” doch eher lästig. Es kann schon vorkommen, dass die Armmuskulatur erschöpft ist, das Bike aber noch nicht an der Stange hängt. Aber es kann auch schon im ersten Anlauf funktionieren. Es ist meiner Ansicht nach eher Geduldspiel als Übung. Wichtig ist noch, dass der Klett vom Hütchen fest am Bikerahmen angezogen ist. Auch der Brustgurt vom Rucksack sollte fest und satt umgeschnürt sein. Je besser dies befolgt wird, umso angenehmer ist das Bike zu tragen. Aber wie gesagt, ich habe ihn auf den Gipfeltouren schätzen gelernt. Ich nehme ihn jedoch nur mit, wenn ich weiss, dass ich sicher mehr als eine 1/2 Stunde das Bike schleppen muss.
    Und einfach noch bedenken, wo man sein Bike hinaufträgt, sollte man abwärts fahren können … oder sind die Tragesysteme auch zum hinunterschleppen geeignet? Sven? *g*
    Die nächsten Gipfelschleppereien sind schon geplant …

    • Sven sagt:

      Wer macht denn so einen Unsinn, das Bike wieder den Berg hinunter zu schleppen 🤔 🤣 … aber ich weiss aus guter informierter Quelle, dass sich auch dafür die beiden Tragesysteme eignen 😇

  3. blackCoffee sagt:

    Hoi Sven, danke für die Eindrücke aus der Praxis und die objektive Beschreibung (im Zeitalter der Fake news).
    Für mich ist die Tatsache, dass man beide Hände für Kraxelpartien frei hat, das wichtigste Kriterium.

    • Sven sagt:

      Hoi Ändu, die Hände hat man bei beiden Tragesystemen für etwaige Kraxelpartien frei. Beim PeakRider hat man einfach etwas mehr Spielraum bei Engstellen, weil damit das Bike besser zur Seite geschwenkt werden kann.

  4. Fabian sagt:

    Mein Hookabike war auch noch aus der Vorserie und hatte die gleichen Gebrechen wie bei dir … aber ich habe sofort ein ganz neues Set gratis bekommen. Nutze das Tragesystem Sommer wie Winter mit meinen FATBike‘s… kann es nur empfehlen….

    • Sven sagt:

      Hi Fabian

      So sollte es doch auch sein, man kann ein Produkt noch so gut testen, aber gewisse Schwachstellen zeigen sich halt erst im Dauereinsatz. Wenn man dann wie hier bei PUSH-components postwendend einen verbesserten Ersatz erhält, habe ich damit kein Problem. Ein wirklich gutes Produkt entsteht eben durch stetige Verbesserung und bin ein Fan von solch kleinen Firmen, die aus Freude an der Sache solche coolen Produkte entwickeln.

      Die ersten Halteplatten wurden noch thermisch geformt und die Rahmengurte durch die Firmengründer selbst genäht. Mittlerweile werden die Platten im Spritzgussverfahren hergestellt, es wird ein anderer Kleber verwendet und das Nahtmuster der Gurte wurde optimiert.

      Bei mir hat der HookaBike jetzt erst einmal Winterpause, aber der nächste Sommer kommt bestimmt. Im dem Sinne, auf weitere Abenteuer mit dem Bike auf dem Rücken 😀

  5. Piotr sagt:

    Hi Sven
    Das HookaBike funktioniert wirklich super. Das Einfädeln funktionierte bei mir gleich beim ersten mal. Ab und zu hängt das System nicht ein, dann ist der Grund immer ein verschobener Zapfen am Rahmen. Nach x-mal einhängen und entfernen geht das voll in Ordnung. Die Platte hatte ich die gesammte Saison am Rucksack. Diese hatte mich nie gestört und kommt dem Nacken nicht bedenklich nahe. In engen Passagen kann man das Bike auch längs einhägen. Einziger Nachteil sehe ich beim tragen einer Gortex- oder Daunenjacke mit Kapuze. Weil die Platte auf dem Rücken liegt kommt es in Konflikt mit dem teurem Gewebe. Das Bike kann man eigentlich nur mit angezogener Kapuze einfädeln ansonsten klemmt man das lockere Kapuzengewebe unter der Platte mit dem Zapfen ein. Teurer Spass!
    Gruss Piotr

    • Sven sagt:

      Hoi Piotr

      Das ist interessant, ich spüre die Platte schon im Nacken wenn ich den Kopf ganz nach hinten neige. Dies hängt wohl stark vom jeweiligen Rucksackmodell ab, mit was für einem bist Du unterwegs ?

      Da ich keine Jacke mit Kapuze besitze, habe ich diesen Aspekt noch gar nicht bedacht, aber stimmt, darauf sollte man in dem Fall achten. Auch bei mir hatte sich der Rahmengurt mit dem Zapfen schon verschoben, ich habe darum dort einen Streifen Rahmenschutzfolie angebracht, um Kratzer am Rahmen zu vermeiden.

      Hoffe wir sehen uns nächste Saison mal wieder aufm Trail 😉
      Lg Sven

      • Piotr sagt:

        Hi Sven
        Rucksack ist ein Terra Nova Laser 35 und bringt schlappe 600 gr. auf die Waage. Leider wir dieser nicht mehr hergestellt, desshalb habe ich meine zwei Modelle mit der Nähmaschiene schon mehrmals erneuert. Den Tipp mit der Rahmenschutzfolie werde ich umsetzen. Danke!

        Schöne Festtage & Gruss
        Piotr

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