Gommer Allerlei

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Meine Ferien im Juli begannen mit einem lauten Paukenschlag, Nick Mason gastierte mit seinen Saucerful of Secrets in der Nähe und dies liess ich mir natürlich nicht entgehen. Das Konzert fand im historisch römischen Theater von Augusta-Raurica statt und war schlichtweg der Hammer. Dass ich dies nochmals erleben durfte, all die alten Pink-Floyd Songs vor solch einer einmaligen Kulisse live zu hören, nur wenige Meter entfernt von den Musikern die vor Spielfreude strotzten, ein denkwürdiger Augenblick und definitiv der Höhepunkt dieser Ferien. Biken war ich danach auch noch etwas, leider spielte aber das Wetter nicht mehr ganz mit und die Hitzewelle endete prompt auf das Wochenende. Das Wallis empfängt mich am Sonntag mit Regen, dafür werde ich im Hotel Alpenblick wie immer umso freundlicher empfangen. Am nächsten Morgen hat sich der Regen verzogen aber die Wolken halten sich noch hartnäckig fest. Ich mache mich auf den Weg ins Rappetal, wo wir vor zwei Jahren an unserem Tag der Hörner das letzte Mal unterwegs waren. Hinter der Alpe Frid steuere ich den Höhenweg an, dieser ist aber noch gesperrt. Ich versuche es trotzdem, denn ich habe keine Lust die hart erarbeiteten Höhenmeter gleich wieder zu vernichten. Der Grund der Sperrung wird mir schnell klar, in den steilen Couloirs liegt noch viel Schnee vom Winter. Mir bleibt nichts Anderes übrig, als das Bike zurückzulassen und mit den Schuhspitzen Tritt für Tritt in den harten Schnee zu schlagen, damit ich danach gefahrlos mit dem Bike das Schneefeld passieren kann.
 
 
Die Stimmung ist trotzdem wunderschön, dort wo der Schnee weg ist blühen bereits die Alpenrosen und die Schafe lassen sich das saftige Grün schmecken. Nach dem überqueren des Milibaches geht es auf der anderen Talseite weiter nach hinten, es wird immer steiler und der Weg muss zusehends gesucht werden. Mit dem Rappehorn und Holzjihorn in Griffnähe erklimme ich die letzten Meter, überquere ein weiteres Schneefeld und stehe schliesslich oben auf dem Grat.
 
 
Zu meiner Linken blicke ich in das Rappetal hinunter und auf den gegenüberliegenden Grat, welchen wir an unserem Tag der Hörner befahren haben. Auf der anderen Seite eröffnet sich mir der Blick auf den wunderschönen Bergsee, der dort in einer Mulde vom Schnee weiss eigefasst daliegt. Darüber in den Wolken all die verschneiten Gipfel der Berner Alpen, wo besonders das Finsteraarhorn hervorsticht.
 
 
Zum See hinunter ist nur wenig fahrbar, durch ein Blocksteinfeld umgehe ich die immer noch mächtig grossen Schneefelder und kann mich dann für die letzten Meter doch noch in den Sattel schwingen. Dies hätte ich auf der weissen Rutsche auch einfacher haben können, nur das rechtzeitige Stoppen vor dem eiskalten Wasser wäre da zur Herausforderung geworden.
 
 
An weiteren Bergseechen vorbei geht es talwärts, das meiste ist fahrbar und die Schneefelder werden immer kleiner. Auch hier ist oft kein eindeutiger Weg erkennbar, die Farbmarkierungen auf Steinen sind aber gut sichtbar und weisen mir die Richtung. Kaum ist der Schnee weg spriessen die Krokusse und der Boden ist vom vielen Schmelzwasser vollgesogen, da gibt es eine gratis Spitzwasserdusche inklusive.
 
 
Mit der Zeit kehrt das Grün neben dem Wegrand wieder zurück und ich passiere mehrere Alphütten. Wurde der Flow obenrum noch durch die weissen Hinterlassenschaften des Winters gebremst, habe ich hier jetzt freie Fahrt. Der Trail wird immer besser und spätestens als ich in den Wald eintauche, beginnt das Bikerherz schneller zu schlagen. Ich werde mit einem supercoolen Trail überrascht, der mich erst unten am Tal wieder ausspuckt.
 
 
Mit ein bisschen Schnee hatte ich ja noch gerechnet, aber dass auf 2600müM noch so viel von dem weissen Zeugs liegt habe ich nicht erwartet. Trotz den kräftezerrenden Schneefeldern war meine kleine Abenteuertour aber super und ich rolle auf dem offiziellen Radweg gemütlich ins Hotel zurück, wo mich die Sprudelliege im Pool und ein feines Abendessen erwartet.

Mit dem Wissen betreffend Schneelage kann ich meine Pläne für die nächsten Tage begraben, aus den beiden geplanten Hörnern wird definitiv nichts. Ich disponiere kurzfristig um und fahre am Dienstag mit dem Auto nach Münster, von wo aus ich zur Galmihornhütte starte. Der Aufstieg auf dem Alpsträsschen ist wenig spektakulär und nach ziemlich genau 1000 Höhenmeter habe ich das Holzkreuz hoch über dem Goms erreicht.
 
 
Der Trail bis zur Hütte ist spassig aber leider viel zu kurz und schon bald darauf stehe ich vor dem Holzhaus mit den roten-weissen Fensterläden. Ein kurzer Blick in die Speisekarte und die Sache ist klar, ein Cordon-Bleu mit Bratkartoffeln und Grillgemüse soll es ein. Das mit Walliser Käse gefüllt Fleisch schmeckt vorzüglich. Von der Terrasse aus kann ich auch eines der beiden Hörner sehen, welche eigentlich für die Tage geplant waren. So muss ich mich halt mit einem kleinen Preview begnügen, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.
 
 
Zum Dessert gibt es anschliessend einen zünftigen Trail, wobei die Höhenmeter auf kleinstmöglicher Distanz vernichtet werden. Fast senkrecht zu den Höhenlinien geht es nach unten und der Fahrer ist voll und ganz gefordert in dem steilen Gelände. Nach der eher kurzen Tour bin ich schon früh wieder im Hotel zurück und lasse mir im Garten bei einem Bierchen die Sonne auf den Bauch scheinen, sind ja schliesslich Ferien. Zum Znacht gibt es heute Raclette à discrétion und trotz des grossen Cordon-Bleus bleibt es natürlich nicht bei einer Portion.

Am nächsten Morgen ist der Käse verdaut und ich bereit für die nächste Tour. Das Breithorn ist der letzte schneefreie Gipfel auf dem ich noch nicht war, also wird heute das fette breite Horn in Angriff genommen. Von Grengiols aus führt der Fahrweg über unzähligen Kehren hinauf zum Pass, es gilt 1500 Höhenmeter zu bewältigen und der eintönige Weg scheint kein Ende zu nehmen.
 
 
Ich bin froh als ich endlich oben bin, aber im Gegensatz zu den Stoneman-Teilnehmern habe ich hiermit den höchsten Punkt noch nicht erreicht. Der Gipfel muss schon noch sein nach den ganzen Anstrengungen, dies unterscheidet eben eine richtige Biketour vom organsierten Punktesammeln. Bis zum Steinmannli auf dem Gipfel ist es nicht mehr weit und ich bin mit dem Bike auf dem Rücken wieder voll und ganz in meinem Element.
 
 
Ausser mir ist nur noch ein Wanderer auf dem Gipfel und heute spielt auch das Wetter mit. Die Sicht über das Goms bis hinauf zum Fieschergletscher ist super und etwas weiter hinten liegt mir das Binntal zu Füssen. Die Rast in der Sonne fällt heute dementsprechend lange aus, der einzige richtige Gipfel der Woche muss ausgekostet werden und ich kann mich von der Aussicht nur schwer losreisen.
 
 
Auf dem ersten Stück der Abfahrt ist der Weg kaum erkennbar und ich such mir einfach meinen eigenen durch das nicht zu anspruchsvolle Gelände. Hier treffe ich auch wieder auf den Wanderer, welcher etwas vor mir auf dem Gipfel aufgebrochen ist. Später über den Bergrücken ist dann wieder ein deutlicher Trail erkennbar, welcher mich zu dem Kreuz führt. Danach wird es steil, mit Blick in das schroffe Chriegalptal geht es abwärts.
 
 
Der Weg ist jetzt nicht mehr so easy fahrbar, tiefe Furchen lassen mich immer wieder mit den Pedalen anstossen während ich den Hang hinunter in Richtung Saflischmatta zirkle. Danach wird es immer flüssiger und das Tempo schneller, vorbei an ein paar weiteren Alphütten fliege ich dem Stausee entgegen. Den nun folgenden Kulturweg mit den Kunstinstallationen kenne ich bereits bestens und steche anschliessend in das Tobel zur Binna hinunter.
 
 
Nach der Römerbrücke geht es auf der anderen Seite wieder hinauf und dann kann ich es auf dem offiziellen Radweg bis nach Grengiols rollen lassen. Den letzten Teil ab dem Stausee hätte ich mir im Nachhinein sparen können und wäre besser direkt nach Fiesch abgefahren. So nehme ich halt von Grengiols aus den Zug, da ich keine Lust mehr auf zusätzliche Asphalthöhenmeter habe.
 
 
Nach dem Abendessen geniesse ich mit einem Singlemalt in der Hand auf dem Balkon noch ein letztes Mal die Aussicht auf das heute bezwungene Breithorn und wie könnte es anders sein, dazu läuft die zweite Scheibe meiner Lieblingsband. So schliesst sich der Kreis der geheimnisvollen Untertassen wieder und drei schöne Tage mit Gommer Allerlei gehen zu Ende. Der nächste Bericht wird dann aus dem Bündnerland folgen und so viel sei schon mal verraten, auch dort traf ich noch viel von dem weissen Zeugs an.
 

2 Comments

  1. Ventoux sagt:

    Ja die weisse Pracht liegt noch meterhoch von 2’500 M.ü.M. aufwärts, diese Erfahrung musste ich letztes Wochenende im Gotthardgebiet auch machen. Erstaunlich, ich dachte es sei nach letztem Jahr nicht so schlimm. Da muss ich wohl meine geplanten Touren im Wallis noch ein wenig nach hinten schieben. Anyway, das Breithorn weckt natürlich sehr schöne Erinnerungen, eine wunderschöne Abfahrt ins Binntal runter.

    • Sven sagt:

      So viel hätte ich auch nicht mehr erwartet, aber heuer hat es halt relativ spät nochmals heftig geschneit und das Goms hat besonders viel abbekommen. Ändu war ja zur gleichen Zeit etwas weiter südwestlich im Aostatal und konnte dort schon mehrere 3000er machen. Die Hitzewelle dieser Woche sollte aber jetzt ganz schön was weggeputzt haben und ich bin guten Mutes, dass bald auch im VS und GR die höheren Ziele in Angriff genommen werden können.

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