
Black Ice
17. April 2026Auch am zweiten Tag in Zermatt lassen wir es ruhig angehen und treffen uns erst um 11 Uhr im Dorf, wo wir die Bahn auf den Blauherd besteigen. Auf dem Oberrothorn war ich das letzte Mal vor 8 Jahren und auch Beat war diese Saison noch nie oben, da die Bahn auf das Unterrothorn den ganzen Sommer über nicht läuft. Darum heisst es dann auch Hochpedalieren und die steilen Schotterrampen jagen dabei den Puls bis zum Anschlag hoch, ein regelrechter Kaltstart in diesen heissen Spätsommertag.
Beim Furggji beginnt dann der eigentliche Aufstieg und da die Seilbahn nicht fährt, haben wir heute den Berg ganz für uns allein. Aber auch die Steinböcke scheinen die Stille am Berg zu geniessen, in aller Ruhe liegen sie da und lassen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Etwas skeptisch beäugen sie die beiden komischen Gestalten mit den Bikes auf dem Rücken, welche da schnaufend den Berg hinauflaufen.
Kurz darauf haben wir den Gipfel dann auch schon erreicht. Zermattorama die Zweite, der Blick schweift über die schneebedeckten Gipfel, welche wir bereits gestern aus einer anderen Perspektive bewundern durften. Eingerahmt von dem lastigen Alubilderrahmen erscheint das Horu gleich nochmals etwas schöner und die beiden Diven funkeln in der Sonne um die Wette, herrlich.
Gegenüber stechen uns die drei Seen ins Auge, wo wir vor ein paar Jahren waren und wo ich ein Bad im erfrischenden Gletscherwasser nahm. Nach der Gipfelrast geht es los, die Abfahrt ist nicht sonderlich fordernd, aber dafür umso spassiger. Etwas weiter unten folgt ein schöner Rockgarden, bevor wir die Fluhalp-Hütte erreichen. Dort haben wir bei meinem Zermatt-Erstkontakt vor bald 10 Jahren am Bike-Meet übernachtet.
Nun geht es der Alp Findeln zu, wo uns in der Adler-Hitta die gemütliche Lounge auf der Sonnenterrasse anlächelt. Da können wir natürlich nicht widerstehen und genehmigen uns eine Hopfenkaltschale, bevor wir den Rest unter die Räder nehmen und den Wellnessbereich im Resort La Ginabelle ansteuern.
Nachdem mich beim letzten Mal der vereiste Zustieg vom Besuch der Hörnlihütte abgehalten hatte, starte ich am dritten Tag einen erneuten Versuch. Unten in Zermatt ist es noch windstill und auch oben beim Schwarzsee weht erst ein leichtes Lüftchen. Aber je höher ich komme, desto heftiger wird der Wind und oben auf dem Hirli weht mich eine Böe fast zu Boden. Das Bike auf dem Rücken wirkt wie ein Segel und es wäre fahrlässig, mich unter diesen Umständen auf dem Grat noch weiter vorzuwagen. Also trete ich schweren Herzens einmal mehr den Rückzug an und geniesse die Abfahrt über Seickren und Mittelerde.
Im Dörflein Zmutt gönne ich mir einen leckeren Schäfersalat, welcher mich etwas über die verpasste Hörnlihütte hinwegtröstet. Aber bekanntlich sind ja alle guten Dinge drei und so werde ich sicher nochmals einen Versuch wagen. Über den YoYo-Trail geht es anschliessend flott Zermatt zu, wo ich den angebrochenen Nachmittag im Arven-Sprudelpool ausklingen lasse. Später beim allabendlichen Schlemmerdinner kommt der Chef des Hauses wie immer persönlich mit dem Saucenpfännchen vorbei, um von dem flüssigen Gold nachzureichen.
Das Wisshorn fehlt mir noch hier in Zermatt und so mache ich mich am letzten Tag auf zu diesem unscheinbaren Gipfel. Den Aufstieg kenne ich schon gut, aber diesmal stehe ich plötzlich vor einer riesigen Metalltreppe. Diese ersetzt den alten Wanderweg, welcher nach den letztjährigen Unwettern unpassierbaren ist. Heute habe ich Glück und kriege im Hotel du Trift noch ein Glas von Hugo's legendärem Eistee, bevor auch er die Hütte winterfest macht.
Frisch gestärkt schreite ich weiter empor dem flachen Grasgipfel entgegen. Der Himmel ist heute wolkenlos und das Zermattorama einmal mehr phänomenal. In der Ferne omnipräsente das Matter Horu und gleich gegenüber das rote Horu von Zinal mit der gleichnamigen Hütte. Bei dieser war ich vor Jahren auch schonmal, aber nun steht seit einem Jahr etwas weiter unten ein Neubau, da die alte Hütte infolge des schmelzenden Permafrostes nicht mehr sicher war und abgerissen werden musste. Etwas weiter rechts fällt der Blick auf das Mettelhorn, wo wir beiden Metalheads vorletztes Jahr oben standen.
Ich lege mich in das geldgelbe Gras und mache ein Nickerchen. Schöner könnte die diesjährige Hochtourensaison nicht enden, als mit einem Mittagsschläfchen auf fast 3000müM. Absolute Stille und weit weg von der Zivilisation, nur ein paar Bergdolen kreisen über mir und warten auf die Krümmel meines Proviants. Zwischen den Lawinenverbauungen hindurch geht es anschliessen talwärts und seit der Weg über Schweifinen etwas entschärft wurde, ist er nun auch für mich komplett fahrbar.
Noch ein letztes Mal die Seele auf der Sprudelliege baumeln lassen und den Panoramareigen der vergangenen Tage vor dem inneren Auge vorbeiziehen lassen, die Zeit hier in Zermatt war einmal mehr einfach genial. Ich hätte gerne noch um eine Nacht verlängert, aber mein Zimmer ist leider schon vergeben und so trete ich halt schweren Herzens am nächsten Tag die Heimreise an. Aber ich kommt wieder, nur schon wegen der Hörnlihütte, wo es beim dritten Versuch dann endlich klappen sollte.











