Rothornhütte

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Auch während meines Zermatter Gourmetbiking-Trips konnte ich es nicht ganz lassen und unternahm eine kleine Schleppertour. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, bietet Zermatt seit einiger Zeit Helibiking an. Über Sinn oder Unsinn möchte ich mich hier nicht weiter äussern, meine Meinung dazu dürfte ja bekannt sein. Das Ziel einer dieser Helibikingangebote ist der Gebirgslandeplatz auf dem Unter-Äschjoch. Wenn ich mir die Karte so anschaue, führt die einzig mögliche Abfahrt an der Rothornhütte vorbei. Dies müsste doch auch aus eigener Kraft möglich sein, ohne dabei Kerosin zu verbrennen.

Heute wird aufwärts kein einziger Meter gefahren, auf der Bahnhofsstrasse herrscht Fahrverbot und gleich dahinter geht es los. Ein wunderprächtiger Morgen, die Sonne strahlt vom blauen Himmel während ich durch den Wald zum Restaurant Edelweiss hinauf marschiere, welches wie ein Adlerhorst über Zermatt thront. Mit Blick auf die Gabelhörner führt der Weg dem Triftbach entlang immer weiter nach oben, bis das altehrwürdige Hotel du Trift in Sicht kommt.
 
 
Bei Hugo in der Trifthütte gibt es zur Stärkung einen grossen Krug von seinem legendären Eistee. Ich berichte von meinem Vorhaben und frage bei der Gelegenheit nach, ob dann viele Biker von der Rothornhütte herunterkommen. Seines Wissens seien diesen Sommer noch keine mit den Bikes dort hinaufgeflogen meint Hugo, so oft scheint diese fragwürdige Art der Bikebeförderung also doch nicht an Anspruch genommen zu werden. Ich könnte noch lange hier sitzen bleiben und plaudern, aber ich habe noch über die Hälfte der Höhemeter vor mir und mache mich darum wieder auf den Weg. Die Schwemmebene auf dem Vieliboden ist übersät mit Wollgrass und gibt den Blick frei auf den Triftgletscher und die Wellenkuppe.
 
 
Beim Blick nach oben freue ich mich schon auf die Abfahrt, der Weg über die Moräne sieht sehr verlockend aus. Aber zuerst heisst es jetzt einmal den Rest des Aufstieges zu bewältigen und dieser hat es nochmals in sich. War der Pfad auf der Moräne noch gemütlich zu begehen, wird es danach steiler und das Bike lastet immer schwerer auf den Schultern. Das letzte Stück ist recht unwegsam und ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich das Bike da auch wieder heruntertragen werde. Schlussendlich ist es dann aber geschafft und ich erreiche die Rothornhütte neben dem Triftgletscher, so nah war ich dem Zinalrothorn noch nie.
 
 
Die Hütte ist eigentlich seit heute geschlossen und die Hüttenwarte sind gerade dabei sie winterfest zu machen. Also nichts mit einer feinen Rösti auf über 3k, zum Glück habe ich noch eine Salami im Rucksack. Ich setze mich auf die Steinmauer und geniesse die herrliche Rundumsicht auf die unzähligen Viertausender. Auch wenn es anstrengend war, ich bereue keine Sekunde das Bike auf dem Rücken anstatt mit dem Helikopter hier hinaufgebracht zu haben, denn das Gefühl etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben, ist unbezahlbar.
 
 
Die Steinmauer ist durch die Sonne wohltemperiert und die Aussicht phänomenal. Tief unter mir kann ich die Trifthütte erkennen und gegenüber das Unter- und Oberrothorn, wo ich mit dem Bike auch schon war. Das zum Greifen nahe weisse Horn hingegen fehlt mir noch, wie auch das bekannteste, welches hinter der Wellenkuppe hervorgückselt. Zusammen mit den letzten Hüttengästen mache ich mich an den Abstieg, wie erwartet mit dem Bike auf dem Rücken, jedenfalls auf den ersten Metern. Sobald es aber die steinigen Hindernisse und meine Fahrkünste zulassen, schwinge ich mich in den Sattel und der Spass kann beginnen.
 
 
Wenn auch nicht durchgehend fahrbar, ist der steinige Garten ganz nach meinem Geschmack und spätestens als ich auf die Gletschermoräne einbiege, gibt es kein Halten mehr. Dieser kurze Teil ist definitiv das Sahnestück der Tour und das Bild könnte aus einem Hochglanzmagazin stammen. Der Gedanke an ein Stück Kuchen in der Trifthütte ist zwar verlockend, aber ich bin schon recht spät dran und quere darum die Höhe haltend durch die Triftwäng direkt zum Chüeberg hinüber. Hier treffe ich auf ein Steinmannli, welches sogar die höchsten Schweizer um ein paar Zentimeter überragt.
 
 
Auf die nun folgende Abfahrt zwischen den Lawinenverbauungen hindurch habe ich mich schon lange gefreut, schwärmten doch meine Kollegen schon öfters davon. Sie haben nicht zu viel versprochen, der anspruchsvolle Weg hoch über Zermatt zwischen den überdimensionierten Grillrosten ist der krönende Abschluss des Tages. Hinter dem Bahnhof spuckt mich der Trail wieder aus und ich bin zurück in der Konsumgesellschaft. Auch diese hat ihre schönen Seiten, heute in Form eines leckeren Nachtessens im Grampi's, der Adresse für italienische Küche in Zermatt.
 
 
Auf dem Foto welches ich am ersten Tag von der Sunnegga aus geschossen habe, kann man wunderbar die ganze heutige Tour nachverfolgen. Der lange Weg vom Dorf zur Rothornhütte hinauf und auch der Hauptpropagandist das Zinalrothorn, welches ich ganz vergessen habe abzulichten, bekommt so noch seinen Auftritt in diesem Blogbeitrag.

Fazit: Auch hochfliegenden Ziele lassen sich aus eigener Kraft erreichen, ganze ohne unnötigen Kerosinverbrauch und ohne anschliessendes Trail-Shredding, dafür mit zünftig müden Beinen am Abend. Die Tour war ein superschönes Erlebnis, aber ein zweites Mal würde ich das Bike wohl nicht da hochschleppen, denn dafür war der fahrbare Anteil (für mich) dann doch zu gering.
 

4 Comments

  1. Fibbs sagt:

    Traumhaft mal wieder 😍😍😍😍😍
    Vielleicht schaffe ich es im Oktober nochmal (schneefrei??) hin.

    • Sven sagt:

      Oktober kann superschön aber auch schon weiss sein, ich drück dir die Daumen 🤞 auf den Weltklasseeistee musst dann aber leider verzichten.

  2. Andi sagt:

    Hoi Sven, schöne Tour! Die Aussicht ist auf jeden Fall der Hammer und das Bild von der Moräne erinnert etwas an die Abfahrt bei deiner Sternstunde.
    Eine schöne Variante wäre gewesen über Höhbalmen zur Trifthütte zu kommen. Der Weg wäre fast komplett fahrbar und bietet noch mal sehr eindrückliche Blicke aufs Matterhorn. Dann muss nur noch der zweite Teil getragen werden! 🙂
    Gruss, Andi

    • Sven sagt:

      Hehe stimmt 😀 da ist eine gewisse Ähnlichkeit und noch etwas haben die beiden Moränentrails gemeinsam, sie sind viel zu kurz 😥

      Über Höhbalmen bin ich auch schon zur Trifthütte gefahren, wunderschön, aber diesmal habe ich aus Zeitgründen im Aufstieg die Quick & Dirty Variante gewählt.

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