Zeit zurückzuschauen

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21. Januar 2019
 
Es ist an der Zeit zurückzuschauen auf eine nur schwer in Worte zu fassende Saison, besser geht es wohl kaum mehr. Nach dem Winter mit rekordverdächtigen Mengen an Schnee hatte ich so meine Bedenken, ob dieser sich in den hohen Lagen überhaupt noch rechtzeitig zurückziehen wird. Was dann folgte kann man getrost als Jahrhundertsommer bezeichnen, Sonne und Hitzetage ohne Ende. Was des Bikers Freud ist aber des anderen Leid. Während in den kühlen Höhen ideale Bikebedingungen herrschten, ächzten die restliche Lebewesen in den tieferen Lagen unter der Hitze und die ausbleibenden Niederschläge führten vielerorts zu prekären Situationen. Ein Vorgeschmack auf das was uns in Zukunft erwarten wird? Ich hoffe nicht, da sonst eine Bergwelt wie wir sie kennen nur noch in unseren Erinnerungen existieren wird. Aufhalten lässt sich diese Entwicklung wohl leider nicht mehr, wir können sie höchstens verlangsamen. Da mache auch ich mir so meine Gedanken, wie vertretbar es im Angesicht dieser Tatsachen ist, für eine Tagestour durch die halbe Schweiz zu reisen. Sicher vertretbarer als für ein paar Franken durch die Weltgeschichte zu fliegen und sein Gewissen mit Klimakompensationszertifikaten freizukaufen. Aber wo sind da die Grenzen, es ist eine ständige Gratwanderung und jeder muss für sich selbst entscheiden was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Schlussendlich wollen wir alle nicht auf den Spass im Leben verzichten und unseren Hobbies nachgehen, man sollte dies einfach bewusst tun und schätzen was man hat. Solche unvergesslichen Erlebnisse hatte ich dieses Jahr viele und bin dafür dankbar, denn selbstverständlich ist das nicht.

Das Jahr begann für mich wenig erfreulich, auf ein paar feuchten Wurzeln verlor ich wieder einmal gegen die Physik und das Ergebnis dieser unfreiwilligen Flugstunde waren zwei geprellte Daumen mit Bänderriss. Somit war ich für die nächste Zeit ausser Gefecht und die Bikeaktivitäten beschränkten sich auf die Tourenplanung. So richtig los ging es dann Mitte Juni in der Sonnenstube, die diesjährigen Ticinodays waren einmal mehr genial. Wilde Täler und anspruchsvolle Trails, bergauf wurden das Bike meist getragen und teilweise auch wieder hinunter.
 
 
Es folgten ein paar Tagestouren in den unterschiedlichsten Regionen der Schweiz, bevor es mich im Juli nach Arosa verschlug. Das Hotel war super und die beiden Touren fernab des Mainstreams auch, der Bericht dazu folgt irgendwann noch. Danach ging es ins Wolfsrevier, David und ich folgten Rotschers Einladung ins Wallis, wo er mit einer Experimentaltour auf uns wartete. Für mich eines der Highlights dieser Saison, die beiden Hörner und die karge Steinlandschaft hoch über dem Rhonetal waren ganz nach unserem Geschmack.
 
 
Was gibt es schöneres als solche Tage in den Bergen, sei es mit guten Freunden oder auch allein, beides hat seinen Reiz. Auch dieses Jahr durfte ich wieder viele grossartige Erlebnisse mit Euch teilen, danke für diese tolle Zeit. Besonders freut es mich immer wieder, wenn ein neues Gesicht darunter ist. So wird seit diesem Jahr unser Gipfelstürmertrüppchen durch eine Portion crazy Frauenpower verstärkt, Tina ist auch vom Virus infiziert und kommt wohl nicht so schnell wieder davon los.
 
 
Im August war es dann soweit und die ganz grossen Ferien standen vor der Tür. Den Anfang machte das Saastal, wo ich zwei wunderschöne Tage bei den Zurbriggens im Alpenhof verbrachte. Das Experiment hoch über dem Mattmarksee entpuppte sich als Volltreffer, ein wahrer Perfectday in einer mir bislang unbekannten Gegend. Am Tag darauf bekam ich Besuch von David und Armon, wir liessen uns von der Bahn in den Hohsaaser-Gletschergarten katapultieren und rockten zusammen den Hebordtrail.
 
 
Kaum zurück aus dem Saastal, machte ich mich nach zwei Jahren Abstinenz wieder einmal auf den Weg ins Oberengadin. In Pontresina erwarteten mich fünf Tage Kulinarik, gute Weine und jede Menge spektakuläre Trails hoch über der Seenplatte. Auch diese Fotos bin ich Euch noch schuldig. Diesmal bekam ich sogar eine ganze Herde des Bündner Wappentieres zu Gesicht und auch ein Besuch bei der schönsten Gletscherarena durfte natürlich nicht fehlen, das Titelbild oben sagt da wohl mehr als tausend Worte.
 
 
Die nächste Station hiess Val de Bagnes, den unteren Teil des Wallis hatte ich bisher kläglich vernachlässigt. Auch dort schleppte ich drei Tage lang das Bike durch die Gegend und wurde mit super Trails und einer grandiosen Gebirgslandschaft belohnt. Weiter ging es nach dem Horn zum Sonntag dann im Val d'Hérens, das Tal der Eringerkühe hat trailmässig so einiges zu bieten. Hochalpines Biken mit Blick auf die roten Nadeln, etwas vom Besten was ich seit langem gefahren bin. Die Bilder dazu werden ebenfalls noch nachgereicht.
 
 
Ende September waren dann alle Ferientage aufgebraucht, aber es blieben ja noch die Wochenenden. Ein weiteres Highlight der Saison war der Jour de Dent mit Ibex-Tours im Unterwallis, ein Panoramagipfel der Extraklasse und Steinspielereien weit oberhalb der Baumgrenze. Diese abenteuerliche Tour zum Morchelzahn wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, an dem Tage passte einfach alles.
 
 
Den Walliser Prachtsherbst durfte ich dieses Jahr zusammen mit Rotscher, David, Markus und Peider geniessen. Ein Wochenende lang volle Kanne Herbst, Trails zum niederknien und ein nicht mehr enden wollender Farbenflash. Der Slogan "Ins Herz gemeisselt" traf hier wieder einmal voll und ganz zu. Aber auch im Berner Oberland wusste der Herbst zu begeistern, mit Tina und Daniel ging es im Angesicht des bekannten Dreigestirns über die Sefinenfurgge.
 
 
Der letzte Dreitausender der Saison war nochmals etwas ganz Besonderes. Im August hatte ich mit Bernhard zusammen schon einmal einen Versuch gestartet, wir hatten da aber die Bikes unterhalb des Gipfels zurückgelassen. Ende Oktober stand ich dann endlich mit dem Bike ganz oben, ein geschichtsträchtiger Moment. Auf unberührten Pfaden ging es anschliessend abwärts durch diese wunderbare Landschaft aus Stein und Fels.
 
 
Auf die unberührten Walliser Pfade folgte inmitten von Indiansummerfarbtönen noch die vermeintlich letzte Hochtour auf den Haldensteiner Calanda. Aber Petrus meinte es heuer gut mit uns Biker und so reichte es Mitte November doch nochmals für ein allerletztes Mal hoch hinaus. Unten grau und oben blau, die Tour über dem Wolkenmeer zum Faulhorn war traumhaft schön und ein würdiger Abschluss dieser aussergewöhnlichen Saison.
 
 
In all den letzten Jahren fragte ich mich oft beim zurückschauen, ob wohl solch eine Saison noch getoppt werden kann, so auch jetzt gerade. Ich hätte mir nicht im Traum ausgemalt, dass ich einmal in einem Jahr so viele der Gipfel meiner Wunschliste befahren könnte. Ein Highlight folgte auf das nächste und die vielen unvergessliche Erlebnisse lassen sich kaum in Zahlen ausdrücken, am ehesten noch mit dem mathematischen Zeichen der Unendlichkeit. Die reellen Zahlen hingegen bewegen sich im Rahmen der letzten Jahre. Ich war 321 Stunden in Bewegung, legte dabei 3236 Kilometer zurück, 102'100 Höhenmeter wurden aus eigener Kraft erarbeitet und 122'300 Tiefenmeter vernichtet. Eine Steigerung erwarte ich da gar nicht mehr, wenn das neue Bikejahr nur annähernd so gut wird wie das Vergangene, bin ich rundum zufrieden. Über den Winter ist nun wieder Tourenplanung angesagt, der Vorrat ist während diesem Rekordsommer ganz schön geschrumpft und es gilt ihn wieder aufzufüllen. Geplant ist für nächste Saison bis jetzt erst ein konkreter Bike-Trip. Wenn in den hohen Lagen noch Schnee liegt, werde ich mich im Juni wieder eine Woche lang am Lago di Maggiore auf Trailsuche begeben. Die restlichen Ferien sind aber auch schon eingegeben und dies sind nicht wenige, zum 15-jährigen Dienstjubiläum gibt es diesmal nämlich noch eine Bonuswoche obendrauf. Einem weiteren Sommer mit vielen schönen Stunden auf dem Bike, in den Bergen und unterwegs mit Freunden steht also nichts mehr im Wege.

In dem Sinne wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch, alles Gute fürs 2019 und natürlich happy Trails !!
 

12 Comments

  1. ROTSCHER sagt:

    Richtig cool 👍 … Ein kleiner Blick zurück lohnt sich alleweil. Erst dann realisiert man wieder, was man innerhalb von einem Jahr alles erleben durfte. Damit meine ich nicht einfach die abgespulten Kilometer, sondern die richtigen Bergerlebnisse mit tonnenweise Trails, endlosen Strapazen und tollen Freundschaften. Nach einem solchen Sommer dürfen wir echt dankbar sein.
    Ich bin auch gespannt wie die Saison 2019 wird. Eines ist klar, ich bin sehr gerne wieder dabei 😁
    Rutsch gut rüber … wir werden uns wieder sehen … und danke dir für die tollen gemeinsamen Bikestunden ! … und weiter so im Blog, echt toll wie du das machst.
    ROTSCHER

  2. blackCoffee sagt:

    Hoi Sven, wieder mal Hammerbilder und ein schöner Rückblick. Finde es toll, dass Du so viele Reviere (auch die der Wölfe) in der Planung und Realisierung hast. Mit 0-8-15 gibst Du Dich nicht zufrieden und probierst immer wieder was neues aus (auch wenn Du Deine grüne Diva dafür abwärts tragen musst).
    Wünsche Dir ein gutes und unfallfreies 2019, mit vielen unvergesslichen Momenten!
    Hoffe wir sehen uns wieder für die eine oder andere Tour – bis bald..

    • Sven sagt:

      Hoi Ändu, ich schwamm schon immer lieber gegen den Strom, nicht nur beim Biken 😁 der Kraftaufwand ist dabei zwar grösser, macht es aber um einiges interessanter.

      Das wäre schön, wenn es im 2019 nicht nur bei der einen Tour bleiben würde, unsere letzte gemeinsame ist ja schon ein Weilchen her. Aber ich bin da guten Mutes, es gibt ja noch so einen Fleck, den wir zusammen farbig machen wollen 😉

  3. michi220573 sagt:

    Sehr schön, wenn sich Träume realisieren lassen. Weiter so !!! Vielen Dank für die tollen Tourenbeschriebe und ein glückliches, gesundes neues Jahr.

    • Sven sagt:

      Ganz alle Träume lassen sich nie realisieren und das ist auch gut so, denn wenn man aufhört zu träumen, hört man auf zu leben. Im letzten Jahr konnte ich aber viele meiner Träume in schöne Erlebnisse umsetzen und bin dafür dankbar.

      Ich wünsche auch Dir und deiner Familie ein gesundes neues Jahr mit vielen schönen Erlebnissen 🎊

  4. Ventoux sagt:

    Richtig toll was da alles so zusammen gekommen ist. Schöne Bilder und unterhaltsame Storys machen Deinen Blog so interessant.
    Auf ein gesundes 2019 und Happy Trails, hoffentlich bis bald einmal wieder…

    • Sven sagt:

      Merci, wenn dies mein ehemaliger Deutschlehrer wüsste 😄 ich hasste es Aufsätze zu schreiben und stand mit ihm und der deutschen Sprache ständig auf Kriegsfuss.

      Auch Dir ein gesundes 2019 und unbedingt, eine gemeinsame Tour ist schon lange mal wieder überfällig 😉

  5. Davut sagt:

    Sven ein wunderschöner Rückblick, echt toll gemacht Hut ab-😊

    Wünsche Dir und all Bike Freunde alles Gute vor allem Gesundheit im Jahr 2019
    Macht Dir nicht all so grosse Gedanken bezüglich neue Möglichkeiten für Deine Träume zu erfüllen, ich bin mir sicher Du wirst auch im 19 i ein gute Bike Saison erleben zu dürfen.

    Wenn unsere Berge für Dich nicht mehr so interessantes anbieten kann gebe es auch die Möglichkeit ausserhalb unserer Grenzen zu gehen, auch da gebe es wunderschönen Naturparadiese sowie Kulturelles zu erleben (…eigene Erfahrung) und die unendlichen Trails unsicher zu machen -😊

    Gruss Davut

    • Sven sagt:

      Hoi Davut, danke das wünsche ich Dir auch, denn die Gesundheit ist das einzige was uns bei der Ausübung unseres schönen Hobbies ausbremsen kann.

      Bezüglich neuer Trails mache ich mir keine Sorgen, das Wanderwegenetz ist fast unendlich gross und sonst wage ich mich einfach mal in den grenznahen Alpenraum (z.B. Aostatal) vor. Weiter in die Ferne schweifen reizt mich persönlich überhaupt nicht, ich bin froh wenn ich die Schweiz nicht verlassen muss 😄

  6. Simon Frey sagt:

    Saubere Sache!! sehr schöni Bilder u cooli Texte. Meinsch Val d’Herens wär öpis für mi? Nachträglech ono es guets Nöis:-)

    • Sven sagt:

      Hoi Simu, ja ich denke schon dass Dir die Trails im Val Val d’Hérens gefallen würden 😉

      Es gibt dort einige schöne Touren, aber die besten Abfahrten muss man sich mit dem Bike auf den Schultern erarbeiten. Irgendwann über den Winter werden hier noch ein paar Beiträge zu den Tagen im Val d’Hérens folgen.

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